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Der Möglichmacher – als Reservist in Mali

3791 Soldatinnen und Soldaten waren im März im Auslandseinsatz. 259 von ihnen waren Reservisten. Reservisten leisten nicht nur in der Heimat, sondern auch im Einsatz einen unverzichtbaren Dienst für die Bundeswehr. Einer von ihnen ist Major der Reserve Michel P. Er ist seit April in Mali.

Staatssekretär Tauber zu Besuch in Mali mit P. als seinem "Möglichmacher".

(Selfie: Dr. Peter Tauber)

P. zu Besuch in der Bundesgeschäftsstelle Berlin.

(Foto: Reservistenverband/ Eicker)

MaliReservistendienstleistung

Das westafrikanische Binnenland ist groß. Die Bundesrepublik Deutschland hätte viermal Platz in dem Land. Mali galt bis vor wenigen Jahren als Musterdemokratie. Nach dem Militärputsch 2012 änderte sich das allerdings schlagartig. Bewaffnete Konflikte im Norden, das Einsickern von Terroristen, Menschenhandel. Heute ist das Land destabilisiert, in weiten Teilen nicht mehr regierbar. Mali ist Transitland für Flüchtlinge, im Norden wüten islamistische Terroristen. Zwei Missionen sollen helfen, das Land zu stabilisieren: die multinationale europäische Ausbildungsmission EUTM Mali und die UN-Friedenstruppe MINUSMA. An beiden Missionen beteiligt sich Deutschland. Der Einsatz in Mali ist nach Afghanistan einer der robusteren Einsätze der Bundeswehr. „Ich freue mich, habe aber auch großen Respekt vor dem Einsatz“, sagt Major der Reserve Michel P. bei seinem Besuch in der Bundesgeschäftsstelle Berlin Ende März. Er reist bereits das zweite Mal in einen Einsatz nach Afrika. Vor knapp zwei Jahren war er als Militärbeobachter im Rahmen der UN-Mission UNMISS im Südsudan. Jetzt wird er Angehöriger des 16. Deutschen Einsatzkontingents EUTM Mali. Seinen festen Standort hat P. in Koulikoro, etwa 60 Kilometer nordöstlich von Bamako. Koulikoro liegt am Niger, in subtropischem Klima.

Besucherdienst in Afrika

„In Mali bin ich ein sogenanntes National Support Element“, erklärt er schmunzelnd. „Das klingt etwas sperrig, bedeutet aber nichts weiter, als dass ich meine Aufträge ausschließlich aus Deutschland bekomme. Konkret heißt das: Ich koordiniere alle  deutschen Besuche und Dienstreisen in Mali für die Europäische Trainingsmission EUTM Mali, die Mission der Vereinten Nationen MINUSMA, Besuche der Deutschen Botschaft oder Ertüchtigungsinitiativen in Mali.“ Major P. betreut und begleitet Generale oder Admirale, Bundestagsabgeordnete oder auch Pressevertreter, die nach Mali reisen und koordiniert ihren Besuch auch bei deutschen Soldatinnen und Soldaten in dem Einsatzland. Als Leiter des Besucherdienstes Mali ist P. dann der „Möglichmacher“. In enger Koordination mit dem Gastland, der deutschen Botschaft und den multinationalen Einsatzkräften vor Ort, ermöglicht er Truppenbesuche. P. und sein sechsköpfiges Team kümmern sich dann um das Programm vor Ort. Angefangen von der Unterstützung bei den Einreiseformalitäten, Durchführung der Transfers, über die Buchung und Begleitung bei Hotelübernachtungen, bis zur Organisation von Hubschrauberflügen und Personenschützern. P. und sein Team kümmern sich darum, dass die Reisen ein Erfolg werden. „Unsere Arbeit hat großen Einfluss drauf, mit was für einem Eindruck die Besucher zurück nach Deutschland fliegen. Das ist eine große Verantwortung.“ Da es in Mali mehrere Feldlager – nämlich in Koulikoro, Bamako und Gao – mit deutschen Soldaten gibt, ist das durchaus eine logistische Herausforderung.
Dass P. heute wieder in Afrika als Soldat sein würde, hätte er sich im vergangenen Sommer noch nicht träumen lassen. „Aber dann rief mich der Kontingentplaner Einsatz vom Kommando Streitkräftebasis an und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, noch einen Auslandseinsatz zu machen.“ Da packten ihn wieder die Abenteuerlust und der Drang, an etwas Größerem Teil zu haben. „Das ist eine interessante Verwendung. Ich erhoffe mir ähnlich bereichernde und spannende Erfahrungen wie im Südsudan“, sagt er.

Minen, Checkpoints und Getier

Anfang April bestieg er in Köln die Maschine Richtung Afrika. Sechs Monate wird er vor Ort sein. Seit dem vergangenen Sommer hatte sich der Major der Reserve auf den Einsatz in Afrika vorbereitet. Zunächst absolvierte er die Einsatzlandunspezifische Ausbildung. Dazu ging es für etwa eine Woche nach Süddeutschland auf den Truppenübungsplatz Baumholder. Dort wurden allgemeinmilitärische Themen unterrichtet und aufgefrischt wie etwa Patrouille mit Fahrzeugen, Umgang mit Minen, Verhalten bei IED oder Durchführung von Checkpoints.
Es folgte dann im Winter die Einsatzlandspezifische Ausbildung. Dort gab es dann unter anderem landeskundlichen Unterricht. „Hier erfahren wir etwas über den Konflikt und die Geschichte des Konflikts, über Ethnien und Religionen im Einsatzland, über Klima und Topographie aber auch welche gefährlichen Tiere und Krankheiten es dort gibt“, erinnert sich der Reservist. Thema Krabbeltiere ist natürlich virulent in einem Land wie Mali. „Da werden wir dann sensibilisiert, immer die Schuhe auszuschütten, bevor man sie anzieht, sich nicht einfach in den Schatten zu setzen, ohne vorher zu gucken, ob sich da ein Tier versteckt und nicht barfuß oder in Flipflops zu den Waschcontainern zu laufen.“

Ausstattung und Überschrift

Die gesamte Ausstattung für den Einsatz in Mali bekommt P. von der Bundeswehr. Von der Bekleidung über Schutzweste und Helm bis zur Waffe. „Ganz großartig sind die neuen Kampfhosen. Da sind schon extra Gamaschen eingearbeitet, das ist ein Schutz, den ich unten am Stiefel zusammenziehe. So kann nichts reinkrabbeln“, erklärt der Major der Reserve.
„Seit April waren schon weit mehr als zehn Delegationen zu Besuch in Mali. Ein besonderes Highlight war dabei der Truppenbesuch des neuen Parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Dr. Peter Tauber. „Er hat sich ein Bild über die Lage vor Ort gemacht und mit den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz gesprochen“, erzählt P.
Mali ist ein zweigeteiltes Land, sowohl geographisch und klimatisch wie auch politisch. Der Norden ist trocken. Es herrscht Wüstenklima. Der Süden ist subtropisch, der Niger beschert dem Land eine üppige Vegetation. Die Konflikte spielen sich im Norden ab, der Süden ist noch relativ unbehelligt davon. „Deshalb findet die Ausbildung der malischen Truppen im Süden statt. Dort können wir die heimischen Sicherheitskräfte ertüchtigen, ihre territoriale Integrität zu bewahren und die Sicherheitsverantwortung für Mali zukünftig eigenverantwortlich zu übernehmen“, erklärt der Major der Reserve. Das aktuelle nunmehr dritte Mandat des Parlaments wurde erst im April dieses Jahres bis Mai 2019 verlängert. Das Einsatzgebiet umfasst den Süden Malis bis zum Nigerbogen. Bislang wurden 10.300 malische Soldaten ausgebildet. Das entspricht mehr als 60 Prozent der Landstreitkräfte. Derzeit beteiligt sich Deutschland mit etwa 150 Soldaten an EUTM Mali, davon sind etwa 20 Reservisten.

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