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Das Gewehr G36 "hat in seiner jetzigen Form in der Bundeswehr keine Zukunft". Das sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Seitdem hat sich eine Debatte entwickelt, die weit über Trefferquoten und technische Feinheiten hinausgeht. Ein medialer Automatismus ist die Frage nach dem Schuldigen. Wer wusste wann was und wer hat wann welchen Fehler gemacht?

"Öffentliche Schuldzuweisungen helfen zu diesem Zeitpunkt jedoch niemandem, insbesondere nicht denen, die von den Problemen des Standardgewehrs unmittelbar betroffen sind", appelliert Verbandspräsident Roderich Kiesewetter MdB an alle Beteiligten. "Im Interesse unserer Soldaten müssen Ministerium und Industrie jetzt in Dialog treten, um eine Lösung herbeizuführen." Es müsse nun festgestellt werden, ob die Neubeschaffung eines Sturmgewehres nötig sei, oder ob eine Weiterentwicklung des G36 gemeinsam mit dem Hersteller möglich wäre.

Was die Treffsicherheit und Zuverlässigkeit des G36 angeht, sind nicht alle Reservisten der Meinung, dass die Waffe auf den Schrottplatz gehört. "Es ist schon merkwürdig: Weit mehr als zehn Jahre gab es keine einzige Beschwerde über das Standard-Sturmgewehr G 36 der Bundeswehr – im Gegenteil, die Soldaten waren begeistert von der Waffe", schreibt Oberst d.R. Helmut Michelis in einem Beitrag für die Rheinische Post.
 

Keine Schnellschüsse beim G36! Der Reservistenverband appelliert an Verteidigungsministerium und Heckler&Koch, den…

Posted by Reservistenverband on Mittwoch, 22. April 2015

 
Auf unserer Facebook-Seite haben wir nach Erfahrungen mit dem G36 gefragt. Wir freuen uns über rund 250 Kommentare – herzlichen Dank für die vielen fachlich fundierten Zuschriften. Exemplarisch drei Antworten:

"Kein Gewehr kann alles"
"Das G36 schießt immer! Bei Kälte, bei Hitze, im Regen, vollkommen egal. Selbst wenn du es ins Wasser wirfst und danach in Vogelsand panierst schießt es noch…nur halt nicht mehr geradeaus. Die Beschwerden über das Gewehr sind in etwa so, als fordere man von der Automobilindustrie ein geländegängiges, vollgepanzertes Fahrzeug, das auf 100 km nur fünf Liter verbrauchen darf um sich dann zu beschweren, wenn es nur fünf km/h fährt. Fazit für mich: kein Gewehr kann alles und für einen großen Teil der Streitkräfte, nämlich allen außer den infanteristisch eingesetzten, ist das G36 eine absolut geeignete Waffe! Für alle anderen muss allerdings schnellstmöglich eine Ersatzwaffe beschafft werden."

Skepsis gegenüber dem Kaliber
"Ich bin mit dem G3 großgeworden und bin mit G36 in den Einsatz (KFOR 1999) gegangen. Die Waffe ist bedienfreundlich, leicht, zuverlässig – ganz wie ich das mit allen Waffen von HK gewohnt war. Die Optik hilft deutlich. Dem Kaliber stand und stehe ich immer noch skeptisch gegenüber, denn das Mehr an Munition macht das Fehl von Durchschlagsleistung nicht wett […] G36 im Kaliber 7,62 mm mit dickerem Lauf wäre vielleicht so 'mein Traum'."

"Was wäre die Alternative?"
"Habe sowohl G3 als auch G36 während meiner Dienstzeit kennengelernt. Jede Waffe hat ihre Vor- und Nachteile. Meine Frage ist allerdings, und dazu habe ich noch nirgendwo eine erschöpfende Aussage bekommen, welches Gewehr wäre denn die Alternative? Welche Waffe verliert denn nicht an Treffgenauigkeit nach 60 Schuss Dauerfeuer?"

Eine berechtigte Frage. Denn die Beschaffung eines solchen neuen Gewehrs könne bis zu zehn Jahren dauern, heißt es im Untersuchungsbericht des Ministeriums. Doch muss Neubeschaffung auch Neuentwicklung heißen – oder gibt es bereits Alternativen auf dem Markt? Eine Antwort darauf will der Nachrichtensender n-tv kennen und bringt das HK416Bw ins Spiel. Dass es jedoch nicht nur um diese Sachfragen geht, schildert ARD-Journalist Christian Thiels in einem Kommentar in den Tagesthemen:

„Tatsächlich läuft wieder einmal die Suche nach einem Sündenbock. Und das könnte möglicherweise de Maizière sein. Der machte schon bei der missglückten Beschaffung der Aufklärungsdrohne Eurohawk eine denkbar schlechte Figur." Christian Thiels im tagesthemen-Kommentar zum Aus des G36 Gewehrs.Heute um 22.15 in den tagesthemen.

Posted by tagesschau on Mittwoch, 22. April 2015

Sören Peters

Bild oben:
Zwei Soldaten mit G36 bei der
Informationslehrübung 2012.

(Foto: Bundeswehr/Trotzki via flickr.com)
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