DAS MAGAZIN

Monatlich informieren wir unsere Mitglieder mit der loyal über sicherheitspolitische Themen. Ab sofort können Mitglieder auch im Bereich Magazin die darin aufgeführten Artikel lesen!

Mehr dazu
DER VERBAND

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

Mehr dazu
MITGLIEDSCHAFT

Werden Sie Teil einer starken Gemeinschaft

Mehr dazu

Die Reserve

Dienst in Pionierzeiten für Frauen in Uniform

Es war eine kleine Revolution vor zwanzig Jahren. Seit 2001 sind die Laufbahnen für Frauen in den Kampfeinheiten der Bundeswehr offen. Regina Gräfin zu Stolberg-Wernigerode war Anfang der 2000er eine der wenigen Reservistinnen, die in Auslandseinsätzen ihren Dienst leistete. Während ihrer aktiven Zeit trug sie zu einer Gesetzesänderung bei, die sich viele Reservisten heute wieder wünschen. Hier ist ihre Geschichte.

Symbolbild: Zum Feierlichen Gelöbnis angetretene Rekrutinnen und Rekruten.

Foto: Bundeswehr/Wilke

frauen

Als Angehörige des zivilen Sprachendienstes der Bundeswehr hatte ich stets sehr interessiert verfolgt, was meine männlichen Kollegen zu erzählen hatten, wenn sie aus ihren Auslandseinsätzen zurückkehrten. Daher war es nur konsequent, dass ich mich sogleich schriftlich zur freiwilligen Ableistung von Auslandseinsätzen bewarb, als 2000 bekannt wurde, dass eine junge Frau beim Europäischen Gerichtshof eine Klage eingereicht hatte, mit dem Ziel, auch außerhalb von Musik und Sanität als Soldatin eingesetzt zu werden. Schließlich war es vorhersehbar, wie das Gericht entscheiden würde.

Das führte dazu, dass ich im August 2001 (zusammen mit drei weiteren Kolleginnen aus dem Sprachendienst) zum ersten offiziellen Grundausbildungslehrgang – mit Frauen – für Zivilbeschäftigte der Bundeswehr an der Infanterieschule Hammelburg gehörte, an dem 44 Frauen und fünf Männer teilnahmen. Mit der Jägerbrigade 37 aus dem sächsischen Frankenberg ging ich dann im Frühjahr 2002 als Hauptmann der Reserve in der Funktion des Dolmetschstabsoffiziers und gleichzeitig Leiter Sprachendienst i.E. zum 4. Einsatzkontingent SFOR in Rajlovac, Bosnien und Herzegowina.

Dort erbte ich von meinem Vorgänger den Auftrag des damals für Auslandseinsätze zuständigen 3. Korps in Koblenz, die verstreut den einzelnen Stabsabteilungen angehörenden Ortskräfte (Dolmetscher und Übersetzer) zwecks effektiverer Organisation ihrer Einsätze in einem beim Sprachendienst angesiedelten Pool zu konzentrieren. Nach dem entsprechenden Befehl des Kommandeurs und meinem erläuternden Vortrag im Abendupdate ging ich bei den Stabsabteilungsleitern, in aller Regel Oberstleutnante, auf diplomatische Mission. Denn es war mir klar, dass sie alle dies als Verlust für ihre Abteilung ansehen würden.

Doch es bedurfte noch manch weiterer Überzeugungsarbeit, bis der Befehl schließlich umgesetzt war und das straffere Arbeitskonzept sich bewähren konnte. Der Befehl zur Umgestaltung des Sprachendienstes nach diesem Konzept begleitete mich auch bei meinen beiden nächsten Einsätzen 2003 (als Major) beim 6. Einsatzkontingent KFOR in Prizren, Kosovo und beim 5. Einsatzkontingent ISAF in Kabul. Insgesamt hatte ich je fünf SFOR-/KFOR-Einsätze und fünf ISAF-Einsätze, bis ich 2009 nach meinem letzten Einsatz beim 18. und 19. Einsatzkontingent ISAF in Masar-i Sharif mit Erreichen des 65. Lebensjahres an meinem Geburtstag endgültig nach Hause zurückflog.

Beitrag zur Anhebung der Altersgrenze

Aber zwischendurch gab es noch ein Hindernis zu überwinden, von dem ich anfangs nichts ahnte. Denn da ich bei der Grundausbildung 57 Jahre alt war, erfuhr ich drei Jahre später, dass mein zweiter KFOR-Einsatz 2004 beim 9. Einsatzkontingent wohl mein letzter sein würde, weil 60 Jahre als Altersgrenze für Reservisten, die unter das Soldatengesetz fallen, festgelegt waren. Diese Sachlage trug ich dem seinerzeitigen Präsidenten des Reservistenverbandes und Mitglied des Deutschen Bundestages, Ernst-Reinhard Beck, und dem damaligen Wehrbeauftragten vor. Mit dem Ergebnis, dass in der Reservistennovelle (SkRes-NeuOrdG/Gleichstellungsgesetz von 2005) auch anhand meines Falles die Altersgrenze von 60 auf 65 Jahre angehoben wurde (für Männer und Frauen).

Nebenbei bemerkt war diese Wende für den Bundeswehr-Sprachendienst mit seinem großen Frauenanteil von besonderer Bedeutung, da es bei diesem Engpasspersonal sonst Probleme mit der Besetzung der Dienstposten in den Einsätzen hätte geben können. Wenn ich nun auf meine Erfahrungen bei Einsätzen in den internationalen Stäben in drei Ländern zurückblicke, so war diese Pionierphase für weibliche Stabsoffiziere, die ich erlebte, besonders interessant und herausfordernd. Denn für das Verhalten einer Frau in Uniform gab es in der Anfangsphase schließlich kein Vorbild. Zum Beispiel 2003 im Kosovo war ich im Stab die einzige Frau unter etwa 100 Männern – ein Zahlenverhältnis, das sich auch später nur wenig veränderte.

Im Umgang habe ich mich eher als Neutrum gesehen und bin so auch allgemein respektiert worden. Das Verhalten von Soldatinnen fand ich nicht angemessen und eher peinlich, wenn Einzelne sich besonders weiblich gaben und auch von höheren Dienstgraden Höflichkeitsbenehmen erwarteten oder wenn sie mit sehr burschikosem Auftreten in das andere Extrem verfielen, um einen toughen Eindruck zu machen. Aber schließlich suchten diese natürlich ebenfalls nach einem Rezept im Umgang miteinander. In meinem Bereich des Sprachendienstes i.E. habe ich nicht auf Hierarchie gesetzt, sondern stets auf Augenhöhe, Teamwork und Informationsfluss, und zwar nicht nur beim militärischen Teil, sondern – soweit möglich – auch gegenüber den 12 bis 16 einheimischen Sprachmittlern im Pool. Nach meiner Erfahrung trug die Tatsache, dass ich meinem Gegenüber stets als Mensch sowie mit Höflichkeit und Respekt begegnete, sehr zum Zusammenhalt unter Feldlagerbedingungen sowie zum gegenseitigen Vertrauen bei.

Mit diesem Rückhalt ließen sich auch unbequeme Befehle leichter durchsetzen. Generell hat mich an den Einsätzen die Zusammenarbeit mit anderen Nationen und – gerade in Bezug auf den jeweiligen Sprachendienstpool – mit Menschen anderer Kultur und anderem Selbstverständnis und Denken besonders interessiert und begeistert. Speziell in Afghanistan kam das auch meinem historischen Interesse sehr entgegen. Durch den täglichen Umgang mit den einheimischen Dolmetschern und Übersetzern (alles Männer übrigens) bin ich ziemlich sicher, mehr über deren historisches Verständnis, ihre Einstellung, aber auch ihre Familien und deren Sorgen und Nöte im Alltag erfahren zu haben, als es anderen militärischen Teilen und selbst Patrouillen möglich war.

Zu Lesungen meiner sarkastisch-humorvollen Gedichte im Kirchenzelt, zu deren Entstehung auch viel im Einsatz Beobachtetes beigetragen hat, kamen all diejenigen gern, die in den Monaten ihres Einsatzes kulturell ausgehungert waren und auf andere, fröhlichere Gedanken kommen wollten. So wurde ich häufig schon beim Frühstück gefragt: „Haben Sie wieder ein neues Gedicht gemacht?“

Verwandte Artikel
Allgemein

Bundeswehr und Reserve - Newsblog KW 32

Was berichten die Medien in dieser Woche über die Bundeswehr und ihre Reserve? Welche Themen stehen auf der sicherheitspolitischen Agenda?...

08.08.2022 Von Sören Peters
Aus der Truppe

Fest im Leben und für die Allgemeinheit

Die Ausbildung Ungedienter in Rheinland-Pfalz begeistert die Rekruten und Rekrutinnen und überzeugt die Ausbilder....

05.08.2022 Von Detlef Struckhof
Allgemein

Bundeswehr und Reserve - Newsblog KW 31

Was berichten die Medien in dieser Woche über die Bundeswehr und ihre Reserve? Welche Themen stehen auf der sicherheitspolitischen Agenda?...

05.08.2022 Von Redaktion