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Aus der Truppe

Digitalisierung der Übungsplätze: Besser als die Realität

Digitalisierung ist in aller Munde. So konkret greifbar, wie im Falle der Digitalisierung der Übungsplätze und Schießanlagen der Bundeswehr ist sie jedoch nur selten. Die Bundeswehr arbeitet mit Hochdruck an der Modernisierung und Vernetzung der Übungsplätze.

Ausbildung nach dem neuen Schießausbildungskonzept (nSAK) auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück.

Foto: Bundeswehr/Dorow

Das Ziel ist ambitioniert: Übungen in Brigadestärke, über mehrere Standorte vernetzt, nahezu in Echtzeit auswertbar – von Gefechtsarten und besonderen Gefechtshandlungen von Einheiten, über taktische Entscheidungen des Zugführers bis zum Einzelschützen.

Der Status quo ist aber ein anderer. Geübt wird auf den Truppenübungsplätzen der Bundeswehr heute weitgehend mit statischer, landgebundener und in die Jahre gekommenen Zieldarstellung. Der Nachteil liegt auf der Hand: Es entspricht nicht der Realität. Der Gegner handelt nicht statisch, ist nicht eindimensional, nicht ohne eigene Wirkung. „Train as you fight!“ (Übe so, wie Du kämpfst!) – ist ein Grundsatz für die Auslandsvorbereitung in den Streitkräften. „Zugespitzt heißt das: Je realitätsnaher wir unsere Soldatinnen und Soldaten ausbilden, desto höher sind ihre Überlebenschancen im Einsatz“, sagt Oberst i.G. Carsten Heldt, Leiter des Sekretariats Projektorganisation Weiterentwicklung Übungsplätze und Schießanlagen der Bundeswehr. Ein realistisches Übungsgeschehen darzustellen und zu üben ist enorm wichtig, da nur eingeübte Routinen Handlungssicherheit und „Bilder im Kopf“ generieren. Um diese Voraussetzungen auf den Truppenübungsplätzen umzusetzen, muss das Rad nicht neu erfunden werden. „Wir bedienen uns marktverfügbarer und handelsüblicher Technologien, die auf unsere Bedürfnisse angepasst werden“, erklärt Heldt.

Konkret bedeutet das beispielsweise, dass die Zieldarstellung mobil wird. Dreidimensionale Ziele können sich als Gegner frei im definierten Übungsraum bewegen. Sie sind wirkungsprogrammierbar, d.h. der Leitende eines Gefechtsschießens kann beispielsweise vorgeben, dass ein Ziel zwei Treffer braucht, um ausgeschaltet zu werden. Die Treffer sind nahezu in Echtzeit bis hin zum Einzelschützen auswertbar – alles gesteuert über das Tablet des Leitenden. Mittels Augmented Reality und Virtual Reality, also einer Erweiterung der Realität, sollen zudem künftig Einschläge von Artillerie oder gegnerische Flugzeuge via Datenbrille in das reale Szenario implementiert werden. Auch die Simulation des Zurückwirkens von gegnerischem Feuer ist denkbar, etwa durch haptische Westen am Körper des Schützen. „Viele Details sind heute noch in weiterer Ferne, aber zur Erneuerung gehört immer auch eine Vision“, sagt Oberst Heldt. Beim Blick auf unsere Übungsplätze ist eine Weiterentwicklung dringend notwendig.

Reaktion auf neue Anforderungen

Der Kommandeur Territoriale Unterstützungselemente und Stellvertretender Kommandeur im Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, Brigadegeneral Andreas Henne, ist mit der Digitalisierung der Übungsplätze vom Kommando Streitkräftebasis beauftragt worden. Deshalb hat er das Sekretariat aufgestellt, um das Projekt zu bearbeiten, Akteure zu vernetzen und Stakeholder aus der Bundeswehr, Ämtern, Forschung und Wirtschaft zusammenzubringen. Er erklärte kürzlich gegenüber bundeswehr.de über das Projekt: „Die sicherheitspolitischen Anforderungen an die Bundeswehr wachsen. Deshalb ist es unabdingbar, dass unsere Soldatinnen und Soldaten besser auf Einsätze und den Ernstfall vorbereitet werden. Wir tun damit echt was für die Truppe.“

Autonomes Smart Target beim Erprobungsschießen. (Foto: Bundeswehr/Dr. Dominik Wullers)

So werden z.B. mit der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung neue Anforderungen an die Übungstätigkeiten gestellt. Durch den Fokus auf internationale Kriseneinsätze und deren Erkenntnissen wurde der Schwerpunkt vor allem auf das Nahbereichsschießen (nSAK) für die urbanen Einsatzszenarien der Stabilisierungsmissionen gelegt. Doch durch die steigende Bedeutung von Landes- und Bündnisverteidigung muss das Schießen auf mittlere und weite Distanz wieder einen größeren Anteil an der Ausbildung einnehmen. Dafür gilt es, die Möglichkeiten der Truppenübungsplätze zu optimieren und auszuschöpfen. „Ein Ziel der Digitalisierungsstrategie ist auch, die Spezifikationen der einzelnen Standorte und ihre Synergien besser nutzbar zu machen“, erläutert Heldt. Gemeinsam mit sechs weiteren Reservedienstleistenden arbeitet er im Sekretariat seit Mitte 2020 an der Realisierung.

Umweltschutz und Sicherheit

Auch in Sachen Umweltschutz und Sicherheit verspricht das Projekt Verbesserungen: So hat man etwa mit dem Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik (EMI) eigens eine Griffstücksensorik für das G36 entwickelt, die den Gefahrenbereich der einzelnen Waffe in Echtzeit berechnet und bei Sicherheitsverstößen sogar die Schussauslösung blockieren kann. Das erhöht die Sicherheit und lässt zugleich mehr Flexibilität in Bereichen außerhalb der Gefahrenbereiche zu.

Die Umsetzung des Projektes erfolgt in drei sogenannten Maßnahmenpaketen. Zunächst wird die Schießbahn 3 auf dem Truppenübungsplatz Bergen bis Ende 2025 mit marktverfügbarer, moderner Zieldarstellung erweitert. Der Baubeginn ist bereits für das kommende Jahr geplant. Beginnend in 2028 sollen in einem zweiten Schritt die Truppenübungsplätze Bergen und Munster zu einem sogenannten „Kompetenzcluster“ als „VJTF Staging und Training Area“ (Very High Readiness Joint Task Force) ertüchtigt und eingerichtet werden. Im Schritt Drei sollen schließlich digitalisierte, vernetzte und simulationsgestützte Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten auf allen Truppenübungsplätzen umgesetzt werden. Die Realisierung dieses letzten Schrittes ist bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts beabsichtigt. Ein langer Weg also. „Das ist ein Rüstungsprojekt, das Ausdauer erfordert, planerisch, finanziell, in der Zusammenarbeit der einzelnen Akteure vom Planungsamt bis hin zur Übungsplatzkommandantur. Das macht man nicht nebenbei“, weiß Carsten Heldt. Deshalb hat das Projektsekretariat eine Schlüsselfunktion inne, bei seinem Team laufen die Fäden zusammen.

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