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„Dramatischer Wettbewerb“ um die klügsten Köpfe




Wegfall der Wehrpflicht, geburtenschwache Jahrgänge, ungünstige Altersstruktur: Bundeswehr und Reservistenverband stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit  ist das Werben um Nachwuchs. Folgerichtig war das Thema einer der Schwerpunkte für etwa 60 Reserveoffiziere der Verwendungsebene Oberst/Kapitän zur See/Oberstarzt, die sich in Halle an der Saale  zur alljährlichen streitkräfteübergreifenden Tagung trafen. Moderiert und geleitet wurde die Konferenz von Generalleutnant Günter Weiler, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr.

Gemeinsame Probleme erfordern gemeinsame Ansätze. Verbandspräsident Roderich Kiesewetter MdB mahnte deshalb ein engeres Zusammenrücken von Reservistenverband und Bundeswehr an: "In den kommenden vier Jahren will ich den Verband so ausrichten, dass es mehr Andockstellen zur aktiven Truppe gibt." Mit der Initiative "Tu was für Dein Land" werde gezielt  auch an den  Idealismus junger Menschen appelliert. Der Präsident verwies auf das enorme Potenzial auch nach Wegfall der Wehrpflicht: "Innerhalb der kommenden drei Jahre verlassen 50.000 Personen die Bundeswehr. Diesen Menschen müssen wir eine Heimat geben." Hilfreich dabei dürfte sein, dass der Reservistenverband in den neu entstehenden Karrierecentern der Bundewehr vertreten sein wird.

"In der freien Wirtschaft hat ein dramatischer Wettbewerb um Mitarbeiter begonnen", sagte Oberst i.G. d.R. Prof. Rainer Gadow in seinem Beitrag "Bundeswehr und Wirtschaft". Ohne die Einbeziehung der Arbeitgeber werde es kaum noch möglich sein, aktive Reservisten zu gewinnen. Die im Februar vom Bundesministerium der Verteidigung vorgelegte Konzeption der Reserve (KdR) biete jetzt erstmals ganzheitliche Ansätze. Als zentrale Punkte nannte Gadow Verlässlichkeit und Service aus einer Hand – auch für die Arbeitgeber. In der Aussprache machten sich zahlreiche Teilnehmer  für eine Reform der Unterhaltssicherung stark: Reservisten sollten entsprechend ihrem Dienstgrad und ihrer Dienststellung bezahlt werden; die Abwicklung solle künftig durch militärische Dienststellen erfolgen und nicht mehr durch die kommunalen Verwaltungen.

Die Reservistenkonzeption als Ganzes, vorgestellt von Kapitän zur See Roland Hemeling, sorgte ebenfalls für Diskussionsstoff. Insbesondere die nicht näher definierten "flexiblen Strukturen" der neu aufzustellenden Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften (RSUKr) entzündeten sich die Meinungen. Weiler dazu: "Die Landeskommandos kennen die Anforderungen ihrer Regionen und die Fähigkeiten ihrer Reservisten am besten. Deshalb sind die RSU-Kräfte dort angesiedelt."

Einblicke in die Neustrukturierung des Personalmanagements gab Flottillenadmiral Rainer Brinkmann. Einen Überblick über die aktuellen internationalen Einsätze, an denen die Bundeswehr derzeit beteiligt ist, vermittelte der stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalmajor Wolf-Dietrich Kriesel. Zu diesem Thema hatte Thomas Kossendey, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, bereits in seinem Grußwort zu Beginn der Tagung angemerkt: "Die Streitkräfte müssen dem internationalen Stellenwert Deutschlands entsprechen."

Bericht in der FAZ: "Tausche Uniform gegen Blaumann"

Christoph Lötsch

Bild oben:
Arbeitsatmosphäre: Bei der Oberstentagung
bewältigten die Teilnehmer ein straffes Programm.

Bild unten:
Vertreten gemeinsame Interessen:
Generalleutnant Günter Weiler,
Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr,
und Roderich Kiesewetter MdB,
Präsident des Reservistenverbandes.
(Fotos: Christoph Lötsch)

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