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Ein Abend mit dem Eisernen Kreuz




Das Eiserne Kreuz kennzeichnet alle Flug- und Fahrzeuge der Bundeswehr. Es ist im Wappen des Reservistenverbandes. Es ist Teil der Quadriga auf dem Brandenburger Tor und der Siegessäule in Berlin. Und es hat eine lange Geschichte, die viele nicht kennen…

Die Reservistenkameradschaft (RK) Bonn-Mitte traf sich zum Jahresabschluss am Nikolausabend. Damit trotzdem möglichst viele kommen, hat RK-Vorsitzender Peter Henle angekündigt, nach der Ehrung langjähriger Mitglieder an alle Anwesenden den Pin mit dem Eisernen Kreuz des Reservistenverbandes zu verteilen. "In einer Stadt wie Bonn ist es nicht so, dass alle Mitglieder angerannt kommen. Wo nichts los ist, freuen sich die Leute. Aber wir sind nun mal nicht im Dorf in Bonn", sagt der Reservist im Range eines Oberstleutnants. Einigen Mitgliedern merkt man die ehrliche Begeisterung für das kleine Kreuz an. "Es ist schon sehr klein", sagt Stefan Schuler und steckt sich den Pin ans Hemd. Er hat mittelalterliche und neuere Geschichte studiert und weiß viel über die Laufbahn des Ehrenabzeichens.

Eisernes Kreuz
Das Eiserne Kreuz wurde 1813 während der Befreiungskriege des von Napoleon besetzten Preußens vom König gestiftet. Es handelte sich dabei um die erste deutsche laufbahnübergreifende Auszeichnung des Militärs, bis dahin hatte es Orden für Offiziere und Medaillen für Mannschaften gegeben. Das Eiserne Kreuz wurde in mehreren Stufen verliehen, die aufeinander aufbauten. Mit Ende der Befreiungskriege, verschwand auch das Eiserne Kreuz – zunächst. Erst rund 60 Jahre später wurde es als Auszeichnung im Deutsch-Französischen Krieg erneuert. In Friedenszeiten, während des Einigungskrieges im Jahr 1866 und der Kolonialkriege wurde das Kreuz nicht verliehen. Erst im Ersten Weltkrieg tauchte es wieder auf, diesmal auch zur Kennzeichnung der eigenen Flugzeuge – und auch im Zweiten Weltkrieg wurde das Eiserne Kreuz wieder eingeführt. Seither ist es nicht mehr verliehen worden. 1956 bestimmte jedoch Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz als Erkennungszeichen aller Flug-, Fahrzeuge und Schiffe der Bundeswehr. So wurde es zum Hoheitszeichen der deutschen Streitkräfte. "Wenige Länder haben ein militärisches Emblem mit solch einem eigenen Symbol", sagt eines der Mitglieder. Damit sei das Eiserne Kreuz schon etwas Besonderes.

Bedeutung und Symbolik
Für die Mitglieder der RK Bonn-Mitte bedeutet das Eiserne Kreuz vor allem die Zugehörigkeit zur Bundeswehr. "Man ist damit Teil eines Ganzen", sagt einer der Anwesenden. Henle meint, man könne es auch als vereinfachtes Symbol für das Verbandswappen betrachten oder als allgemeines Wertesymbol der Tapferkeit. Auf die Frage, zu welchen Anlässen die Mitglieder den Pin tragen würden, fällt die Antwort in der Runde: "Immer!" Im Prinzip könne man das kleine Eiserne Kreuz tragen, wie es die Politiker mit dem Pin der Deutschland-Flagge tun, sagt ein Mitglied. "An der Jacke oder am Rucksack anbringen – geht alles." Schuler stellt einen Vergleich zu den USA her: Das Eiserne Kreuz sei, ähnlich wie die gelbe Schleife, ein Zeichen der Solidarität mit den deutschen Streitkräften. Deshalb dürfe es nicht mit der Auszeichnung verwechselt werden, die es ursprünglich dargestellt hatte. Als solche sei das Eiserne Kreuz sehr besonders gewesen und daher eigentlich nicht massentauglich.

Der Zwilling: Das Landwehrkreuz
Eine Petition, die das Eiserne Kreuz als allgemeines Tapferkeitssymbol einführen wollte, ist 2007 gescheitert. "Das Eiserne Kreuz ist ein Symbol deutscher Wehrhaftigkeit. Eigentlich hat keiner von uns die Berechtigung es zu tragen. Wir haben uns da beim Symbol etwas verhoben im Verband", sagt Schuler. Er würde die Anstecknadel lieber auf das Landwehrkreuz beziehen – viele in der Runde nicken zustimmend. Das Landwehrkreuz könnte man gewissermaßen als den bodenständigen Zwilling des Eisernen Kreuzes bezeichnen. Auch dieses Kreuz wurde 1813 entworfen und ist der Form des Eisernen Kreuzes sehr ähnlich, nur etwas dünner. Beim Landwehrkreuz handelte es sich allerdings nicht um eine Auszeichnung, sondern um eine Kennzeichnung. Die Soldaten der preußischen Landwehr trugen es auf ihren Helmen. Es war auch nicht aus Eisen, sondern wurde aus Blech ausgesägt oder war weiß. Damit war es ein Zeichen der Bürgerarmee und letztendlich Symbol der territorialen Verteidigung. Für die meisten Mitglieder der RK liegt der Bezug zum Reservisten damit auf der Hand.

Religiöse Hintergründe
Kritisch diskutiert wird bei beiden Kreuzen der religiöse Hintergrund. Auch für die meisten RK-Mitglieder ist der christliche Bezug nicht wegzureden. Ob es denn Pläne für einen Eisernen Halbmond gebe, fragt einer halb im Ernst. Atatürk habe das Kreuz im Ersten Weltkrieg mit Stolz getragen, berichtet ein anderer. Allerdings sei dessen europäische Orientierung eher eine Ausnahme gewesen. Für ein anderes Mitglied spielt der Hintergrund des Kreuzes keine Rolle: Die Armee sei säkular, so wie der Staat auch. Das Kreuz habe ursprünglich zwar einen christlichen Bezug, sei aber mittlerweile uralt. Ein Eiserner Halbmond sei unsinnig, immerhin wären auch über 20 Prozent der deutschen Bevölkerung Atheisten. Vielleicht solle man am Ende einfach einen Eisernen Vollmond daraus machen, schlägt einer aus Spaß vor. Alle lachen.


(lima)

Bild oben: Mitglieder der RK Bonn-Mitte
beim Jahresabschlussabend am Nikolaustag.
Alle freuen sich über den Eisernen-Kreuz-Pin
(Foto: Livianne Smukalla).

Bild unten: Der Eiserne Kreuz-Pin
des Reservistenverbandes mit Flyer
(Foto: Sören Peters).

 

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