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Ein Historiker: Personaloffizier




Ein Reservist bearbeitet in Leipzig die Beschwerden der aktiven Truppe. Ein Bericht über den Langzeitwehrübenden Frank Pauli aus Minden.

"Bei der Bundeswehr wird heute schnell geschrieben", sagt Frank Pauli. "Viele Probleme, die bei der Bundeswehr früher unter vier Augen geklärt wurden, werden heute per Beschwerde oder per Eingabe an den Wehrbeauftragten über die Vorgesetzten gelöst." Pauli kann das gut einschätzen. Er ist Reservist, Major der Reserve, derzeit Personaloffizier bei der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig.

Bei ihm – Mitarbeiter des Dezernates G 1/4 – laufen Beschwerden von Soldaten sowie die Eingaben an den Wehrbeauftragten über den Schreibtisch. Frank Pauli bereitet in mühsamer Kleinarbeit die Stellungnahmen des Divisionskommandeurs vor. "Über einige Vorfälle, die über meinen Tisch laufen, kann ich nur schmunzeln", sagt der promovierte Historiker. Dennoch nimmt er jedes Schriftstück sehr ernst. Das ist sein Job: Stellungnahmen einholen, Sachverhalte einordnen, bewerten, Schlüsse daraus ziehen. Für diese Aufgabe ist er gut vorbereitet. Als sogenannter gespiegelter Reservist übt er regelmäßig bei der 13.

Garnisonsgeschichte neu aufbereitet
Schon als Soldat auf Zeit war er unter anderem als Rechtslehrer an der Heeresunteroffizierschule in Delitzsch tätig. "Obwohl ich kein Jurist bin, konnte ich mich in die üblichen Rechtsprobleme der Bundeswehr gut einarbeiten", sagt der heute 40 Jahre alte Familienvater von vier Kindern. Seit Februar dieses Jahres ist er Major. Noch bis zum 9. Juli arbeitet der selbstständige Historiker als Langzeitwehrübender in Leipzig. Seit November vergangenen Jahres sitzt er im Stabsgebäude der General-Olbricht-Kaserne. Als gelernter Historiker interessiert ihn natürlich auch die Geschichte seiner Kaserne. Deshalb hat Pauli die Standortbroschüre überarbeitet und den Teil zur Garnisonsgeschichte neu aufbereitet. "General Olbricht war ein Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Er wurde im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet." Bei seinen Recherchen konnte der gebürtige Saarländer lernen, dass es bei der Nationalen Volksarmee (NVA) im Gegensatz zur Bundeswehr keine Kasernennamen gab. "Die NVA benannte keine Kasernen, sondern Truppenteile. Als Namen dienten sozialistische Persönlichkeiten der Geschichte."

Soldaten reden über Probleme weniger miteinander
Als G 1/4-Mitarbeiter hat der Reservestabsoffizier viel zu tun. Er ist für die Sorgen und Nöte von rund 13.000 Soldaten zuständig. Fast alle Truppenteile in den östlichen Bundesländern unterstehen seinem Stab. Bei seiner Arbeit kann er feststellen: "In den Einheiten, wo der innere Zusammenhalt der Soldaten am besten funktioniert, gibt es weniger Eingaben und Beschwerden. Dort, wo die Leute abends zum Dienstschluss nach Hause fahren, wird schneller Papier schwarz gemacht. Wer beispielsweise abends nach Dienstschluss noch zusammensitzt, kann auch über Ärger reden und im Gespräch Missverständnisse ausräumen."

Beschwerden drehen sich meist um Personalangelegenheiten
Die meisten Fälle in den Gittermappen auf seinem Schreibtisch handeln jedoch von Ärger der Soldaten rund um Personalangelegenheiten. Die Masse der Tischvorlagen dreht sich um Beförderungen, Versetzungen, Laufbahnbeurteilungen und ähnliches. Und wie in der ganzen Geschichte der Bundeswehr gibt es immer noch den jungen Mann, der wegen seiner großen Liebe eigenmächtig von der Truppe fern bleibt oder gar Fahnenflucht begeht. Die Probleme der Soldaten aus den Auslandseinsätzen gelangen jedoch nicht auf den Tisch von Pauli. "Das ist Sache des Einsatzführungskommandos. Ich befasse mich jedoch mit den Fällen, in denen sich Soldaten beschweren, wenn sie nicht ins Ausland gehen können, obwohl sie dafür eingeplant waren. Da geht es letztlich um nicht erfüllte finanzielle Erwartungen der Männer und Frauen", schätzt Pauli die Situation treffend ein. Einige junge Soldaten geben nämlich oft schon das Geld der Auslandsverwendungszulage aus, ehe sie diese auf dem Konto haben.

Kommandoübergabe vorbereitet
Nun kann der heute in Minden in Westfalen wohnende Reservist wieder seine Tage bei der Bundeswehr zählen. Wieder einmal steht er vor seiner eigenen Entlassungsabwicklung. Die letzten Tage der Wehrübung sind angebrochen. Insgesamt hat Pauli rund 500 Wehrübungstage in sechs Wehrübungen abgeleistet. Der jetzige Reserveeinsatz ging mit einer besonderen Herausforderung einher. Pauli war für die Kommandoübergabe der Division mitverantwortlich. Vor einer Woche wurde das Kommando von Generalmajor Reinhard Kammerer an Brigadegeneral Achim Lidsba übergeben. Bei der soldatisch perfekt inszenierten Zeremonie bei sommerlichem Wetter fühlte sich Pauli bestätigt: Er ist immer wieder gerne Soldat und die Bundeswehr braucht solche engagierten Reservisten.


Detlef Struckhof

Bild oben: Die Abordnung mit der Truppenfahne
marschiert nach der Kommandoübergabe an den
angetretenen Soldaten vorbei
(Foto: Marco Schulze, Bundeswehr)

Bild Mitte: Major Dr. Frank Pauli an seinem Schreibtisch.
Er bearbeitet Beschwerden der gesamten Division mit
rund 13.000 Soldaten
(Foto: Mick Neustadt, Bundeswehr)

Bild unten: Das Verbandswappen der 13. Panzergrenadierdivision
in Leipzig. Zum Verband gehören fast alle Dienststellen
des Heeres in den östlichen Bundesländern
(Foto: Marco Schulze, Bundeswehr)

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