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Ein Reservist, ein Soldat, eine Kaserne – vor dem Umbruch




Reservisten und Soldaten machen sich derzeit gleichermaßen Gedanken, was die bevorstehende Bundeswehrreform für sie bedeuten wird. Ein Blick in die Ferdinand-von-Schill-Kaserne in Mecklenburg-Vorpommern zeigt Menschen, die ihre Arbeit lieben – genau wie ihren Arbeitsort. Er zeigt ihre Hoffnung und ihre Angst vor der Veränderung.

Ein Reservist
Oberstabsfeldwebel der Reserve Dieter Kase sitzt mit geradem Rücken am Tisch. Das Fenster hinter ihm gibt den Blick auf das Kasernengelände frei: tief hängende Wolken über einer grau-weißen Schneedecke. Dem 56-Jährigen ist anzusehen, dass er einen Teil seines Lebens als Soldat verbracht hat – und es noch immer tut. Seine Gesichtszüge sind markant, der Haarschnitt akkurat. Trotz des Weihnachtsbaums in der Ecke und des festlich gedeckten Tisches im Konferenzraum wirkt er nicht entspannt. Er ist es gewohnt zu agieren, nicht darüber zu reden.

Einer von vielen Einsätzen
Im Auslandseinsatz war er das letzte Mal im Winter vor zwei Jahren. Als Stabsdienstfeldwebel beim Militärpfarrer. Eigentlich sah er sich als Kraftfahrer in Afghanistan, aber weil aufgrund der Gefahr das Lager nur in gepanzerten Fahrzeugen verlassen werden konnte, fiel Kase stattdessen die Aufgabe zu, die Gottesdienste mit vorzubereiten. Viereinhalb Monate war er dort. Von November an. Er hat bei 20 Grad minus und einem halben Meter Schnee in einem Containerdorf gelebt – beides eine Seltenheit in Mäzar-i-Scharif.  Als einer von 200 Reservisten im Deutschen Einsatzkontingent.

Eine Kaserne
Auch an diesem Wintertag ist Kase nicht der einzige Reservist in der Ferdinand-von-Schill-Kaserne, beziehungsweise der Brigade, die sich im Standort Torgelow auf vier Kasernen verteilt. Viele der Planstellen sind mit Reservisten besetzt. Genau wie die aktiven Soldaten gehen auch die beorderten Reservisten auf dem Gelände ihrem Routinedienst nach: als Zugführer, Spieß, Kraftfahrer, oder was auch immer. Und sie sind stets gern gesehen, ob in Auslandseinsätzen oder auch bei der Versorgung derer, die zurückbleiben. Der Turnus für alle Brigaden lautet: ein Jahr Auslandseinsatz – für den Soldaten bis zu sechs Monate im Auslandseinsatz – zwei Jahre zu Hause, wieder ein Jahr auswärts – und immer so weiter. "Es ist nicht einfach für Soldaten, wenn Frauen da sind, oder kleine Kinder", gibt Jürgen Büscheck, Oberstleutnant, zu. Er vertritt den Standortältesten im Standort Torgelow. Büscheck ist seit über 30 Jahren Soldat – und war bereits 1999 das  erste Mal im Einsatz im Kosovo. Im nächsten Winter geht es nach Afghanistan – falls sich nichts gravierend ändert. Falls

Ein Zuhause
Dass die Männer und Frauen hier etwas zu verlieren haben, davon künden die festlich geschmückten Fenster dieser Kaserne, der liebevoll behängte Baum und die in freundlichen Farben gestrichenen Büros. All das berichtet davon, dass sie sich darauf verlassen haben, dass die Kaserne noch lange fortbestehen würde. Viele von ihnen haben sich sogar Häuser in Torgelow gekauft, sich hier niedergelassen, am nordöstlichen Zipfel von Deutschland, wo man von Wald umgeben ist.


Eine Veränderung und eine Angst
Dass sich etwas ändern wird, ist gewiss. Die Bundeswehr wird um ein Viertel schrumpfen. "Doch wie dieses Viertel sich verteilen wird, das weiß zurzeit keiner", sagt Büscheck. "Wie es mit dem Standort Torgelow weitergeht, genauso wenig." Sein Ton ist sachlich, Büscheck ist Soldat und es ist nicht sein Job, zu klagen. Doch er spricht davon, dass der Standort von den Ausbildungsmöglichkeiten hervorragend ist, dass es kaum Transportwege gibt und dass die Beziehungen zur Stadt hier sehr gut sind. Dass es mittlerweile sogar eine Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Wirtschaft und Schule gibt. Und es ist herauszuhören, was er hofft. Wie auch viele andere. "Die Stimmung unter den Soldaten, mit denen ich spreche, ist katastrophal", sagt Thomas Sigusch, Geschäftsführer des Soldatenheims Haus an der Schleuse. "Die Truppe kann nichts planen und nur hoffen, dass der Standort erhalten bleibt."

Ein Ende?
Noch niemand kann sagen, ob der Standort erhalten bleibt und damit ein Arbeitsort für viele. Zumindest macht die Politik Hoffnung. Innenminister und CDU-Vorsitzender des Bundeslandes, Lorenz Caffier, "will um jeden Standort kämpfen", sagt er dem Reservistenverband. Wenn er scheitert, wird es nicht die erste Veränderung für die Kaserne sein. Sie steht nun schon seit 57 Jahren. Die letzte große Veränderung hat der Standort nach der Wende vor 20 Jahren erfahren: Personal der Nationalen Volksarmee (NVA) ist damals von 16.000 NVA-Soldaten auf mittlerweile 2.000 Bundeswehrsoldaten zusammengeschrumpft worden. Büschecks Weihnachtswunsch? "Wir stehen nächstes Jahr vor Herausforderungen, deren Tragweite noch gar nicht abzuschätzen ist. Ich wünsche mir, dass dies alles klappen möge – im Interesse der Soldaten, die alle Familien haben. Das wäre schön."


Eva Jakubowski

Bild 1: Blick auf Ferdinand-von-Schill-Kaserne
(Foto: Eva Jakubowski)

Bild 2: Oberstabsfeldwebel der Reserve Dieter Kase
(Foto Eva Jakubowski)

Bild 3: Panzerübung in der von-Schill-Kaserne
(Foto: Archiv Bundeswehr/Schulz)

Bild 4: Stellvertretender Kommandeur,
Oberstleutnant Jürgen Buscheck
(Foto: Eva Jakubowski)

Bild 5: Weihnachtsmarkt mit Soldatenbesuch
(Foto: Thomas Sigusch)

Bild 6: Einfahrt der Ferdinand-von-Schill-Kaserne
(Foto: Eva Jakubowski)

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