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Freude über die erbrachten Schießleistungen




Das 28. Monte-Kali-Pokalschießen begeisterte am Wochenende rund 1.300 Schützen und Gäste aus 13 Nationen. Die Mannschaft der RGS Ratingen verließ den Schießstand in Wackernheim bei Mainz als Gesamtsieger.

Im militärsportlichen Wettstreit um den Monte-Kali-Pokal machten sich 280 Mannschaften in diesem Jahr mit dem leichten Schweizer Sturmgewehr SIG 550 vertraut, das die Schweizer Armee erstmals zur Verfügung stellte. Insgesamt 12.000 Patronen wurden abgefeuert, ein Schuss kostet zwischen 21 und 35 Eurocent. Für diese Gebühren kommen die Schützen selbst auf – und das sehr gerne, denn nicht nur der Pokal ist begehrt, auch die internationalen Schießauszeichnungen erfreuen sich großer Beliebtheit: Die Abzeichen "Submachine Gun US Army", "Rifle US Army" und "Pistol US Army" konnten mit dem Sturmgewehr M 16, der Maschinenpistole MP 5 und der Beretta 92 F erworben werden.

Niederländer sind seit 1998 dabei
Ein kleines Event für sich ist der holländische Schießstand, an dem die Schießauszeichnung der niederländischen Streitkräfte erworben werden kann. Zu den Klängen von Musik aus der Stereoanlage rücken die wartenden Schützen in gerader Reihe nach vorn. Die Atmosphäre ist entspannt, doch die Abläufe sind sicher und diszipliniert. Renee Verbeek von der Infanterie Schietkamp Harskamp in den Niederlanden sitzt unter einem roten Baldachin und gibt den Teilnehmern über Mikrofon Anweisungen. Auf die Frage, seit wann er bei diesem Wettbewerb dabei ist, muss er überlegen: "Wir arbeiten mit der Reservistenkameradschaft Giesel schon lange und gerne zusammen. Der holländische Stand ist 1998 dazu gestoßen, als das Schießen noch in Fulda ausgetragen wurde."

Um das niederländische Abzeichen, den Goldenen Stern, zu erhalten, zielen die Einzelschützen mit der in den Niederlanden gebräuchlichen österreichischen Pistole Glock auf 25 Meter Entfernung. Fünf Treffer müssen jeweils auf einer linken und einer rechten Scheibe platziert werden. "Gar nicht so leicht", wie Oberleutnant Michael Wolf vom Gebirgssanitätsregiment 42 Kempten im Allgäu betont. Er ist Schießlehrer und hat 42 Zeit- und Berufssoldaten mit nach Wackernheim gebracht. "Am holländischen Stand beißen sich viele von uns die Zähne aus", sagt er schmunzelnd.

Maximal zehn Sekunden Zeit für den erfolgreichen Schuss
Doch gerade der Schwierigkeitsgrad des niederländischen Stands macht für die Schützen den Reiz aus. Denn er unterscheidet sich von den anderen Schießständen des Pokalschießens durch die Schnelligkeit der Übung. "Die Schützen finden am schönsten, mit wenigen Patronen in sehr kurzer Zeit in verschiedenen Positionen zu schießen – liegend, kniend, sitzend und stehend", sagt Verbeek. "Es geht alles ruckzuck – innerhalb von fünf bis maximal zehn Sekunden müssen die Schüsse abgegeben werden. An den anderen Schießständen haben die Schützen mehrere Minuten Zeit dafür."

Oberstleutnant der Reserve Carsten Trinks, Vorsitzender der Kreisgruppe Osthessen und Mitorganisator, ist mit dem Event voll und ganz zufrieden. "Wir haben in diesem Jahr Besuch von zahlreichen ranghohen Offizieren. Darunter zum Beispiel der Kommandeur des Landeskommandos Hessen, Oberst Bauer. Der wichtigste Gast auf US-amerikanischer Seite ist Brigadegeneral Kenneth Tovo, stellvertretender Kommandeur der 1. US-Panzerdivision. Besonders freuen wir uns auch, dass der G 3 der Division, US-Oberst Ward gekommen ist. Damit haben wir, was die internationale Anerkennung betrifft, den Durchbruch geschafft und sind schon ein wenig stolz darauf, dass wir das Schießen auf eine Ebene gehoben haben, die verbandsweit einmalig ist."

150 Helfer sind nötig
Im Wesentlichen organisiert die Reservistenkameradschaft (RK) Giesel das Monte-Kali-Pokalschießen, doch eine RK allein könnte eine solche Großveranstaltung nicht schultern. Für die Umsetzung sind mindestens 150 Helfer erforderlich, damit das Ereignis ein Erfolg wird. Deshalb hat man sich vernetzt: Reservistenkameradschaften aus fast allen Bundesländern arbeiten mit. Auch die ausrichtenden US-amerikanischen Streitkräfte stellen zusätzlich Personal in Leitungsfunktionen oder auch beim Bereitstellen und Reinigen der Waffen.

Zwei der unermüdlichen Helfer sind Oberfeldwebel Hendrik Petersen und Oberfeldwebel Nicole Noack von der RK Scharnhorst in Koblenz, die im letzten Jahr das Monte-Kali-Pokalschießen gewonnen hat. Sie weisen Wettkampfteilnehmer ein und achten auf die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen. "Vor zwei Jahren gehörten wir zur sogenannten Zelle Sanitätsdienst, die diesmal von Reservisten aus Kempten übernommen wird. Wir helfen jedes Jahr, wo es gerade passt."

Alles begann 1984
Bei kaum einem anderen Ereignis spüren Teilnehmer eine solche – nicht nur militärsportliche – Verbundenheit und Kameradschaft wie beim Monte-Kali-Pokalschießen, das der Gefreite der Reserve Bernd Kern 1984 in seiner heutigen Form konzipiert hat. Die Abraumhalde des Kali-Bergwerks in Neuhof, der Heimatgemeinde der Gieseler Reservisten, stand Pate für den inzwischen international renommierten Namen.

Tradition hat auch der Kameradschaftsabend des Monte-Kali-Pokalschießens, der diesmal in den Räumlichkeiten der Grundschule am Mäuseturm in Bingen ausgerichtet wurde. Für die aktiven Soldaten der 1. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 261 aus dem Saarland ein ganz besonderes Highlight: "Wir haben mit Kameraden aus der Schweiz, Holland und den USA bis morgens früh gefeiert", sagt einer der Soldaten gut gelaunt. Der Zielsicherheit am nächsten Wettkampftag tat dies offenbar keinen Abbruch. "Jeder von uns hat im Schnitt mindestens zwei Urkunden erhalten", erzählen sie stolz. Sie sind mit 28 Personen angereist und haben neben dem Wettkampfgelände der US-Army ihre Zelte aufgeschlagen.

Ausländische Waffen begeistern deutsche Teilnehmer
In unmittelbarer Nachbarschaft campen ihre Mitstreiter, Soldaten des Systemzentrums Flugabwehrraketen Wunstorf. Sie sind gerade dabei, ihre Sachen zu packen, denn um 20 Uhr findet die Siegerehrung in Bingen statt – dem letzten Höhepunkt des zweitägigen Events, bei dem sich die meisten Teilnehmer noch einmal wiedersehen werden. Besonders begeistert hat die 17 jungen Leute aus Niedersachsen, dass sie hier die Gelegenheit hatten, ausländische Waffen kennenzulernen und im sportlichen Wettkampf auszuprobieren.

Ein Stückchen weiter sitzen italienische Soldaten aus Verona in fröhlicher Runde zusammen. Sie haben privat beschaffte Mützen und Rucksäcke mit amerikanischen und deutschen Soldaten getauscht – bleibende Andenken an diese herrlichen, sommerlichen Wettkampftage in Wackernheim.


Text: Barbara Damm

Alle Fotos: Barbara Damm

Bild oben: Die Soldaten der 1. Kompanie des
Fallschirmjägerbataillons 261 aus dem Saarland jubeln ausgelassen.
Sie freuen sich über ihre Urkunden und Preise.

2. Bild: US-Brigadegeneral Kenneth Tovo erklärt
seiner Ehefrau die sichere Handhabung des
US-amerikanischen Sturmgewehrs M 16.

3. Bild: Die begehrten Trophäen des
Monte-Kali-Pokalschießens.

4. Bild: Leutnant Annika Große reiste als Teilnehmerin aus Hamburg an.
Sie ist Mitglied der RAG Schießsport an der Helmut-Schmidt-Universität
der Bundeswehr in der Hansestadt. Sie beobachtet das
Geschehen in Wackernheim.

5. Bild: Die Reservistenkameradschaft Giesel ist
Initiator des Monti-Kali-Pokalschießens seit 1984

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