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Militärische Winterspiele: Freundschaft durch Sport




Generalleutnant Jürgen Weigt informierte in Bischofswiesen die Kooperationspartner der Bundeswehr über die Verschiebung der CISM World Winter Games.

Foto: Bundeswehr/Ammann

cismSportwintersport

Die Bundeswehr richtet im kommenden Jahr die 4. CISM World Winter Games (WWG). Eigentlich sollte die Sportveranstaltung schon Ende März 2021 über die Bühne gehen. Aufgrund der anhaltenden Pandemielage muss nun ein neuer Termin gefunden weren. Was das bedeutet, wollte Jürgen Ammann von Generalleutnant Jürgen Weigt, dem Stellvertretenden Inspekteur der Streitkräftebasis, wissen. Das Interview ist in einer leicht gekürzten Form bereits in der loyal erschienen. Hier nun die komplette Fassung.

Herr General Weigt, Sie sind Präsident des Organisationskomitees für die 4. CISM World Winter Games (WWG). Was sind die 4. CISM WWG? Was können wir uns darunter vorstellen?
CISM steht für Conseil International du Sport Militaire. Das ist der internationale Militärsportverband, in dem aktuell 140 Nationen organisiert sind. CISM ist als Non-Governmental Organisation (NGO) anerkannt. Alle vier Jahre führt CISM World Summer Games und World Winter Games, analog zu den zivilen Olympischen Sommer- und Winterspielen durch. Die 4. CISM WWG waren für Ende März 2021 terminiert, doch aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie ist eine Durchführung in diesem Zeitraum nicht möglich. Wir, die Bundeswehr als Organisator, haben uns für die Verschiebung in die Wintersaison 2021/2022 entschieden.

Wer ist Veranstalter, wer ist der Organisator dieser 4. CISM WWG und wann sollen diese nun stattfinden?
CISM als internationaler Militärsportverband ist der Veranstalter. Die Bundeswehr hat die Organisation übernommen. Da eine Sportveranstaltung in dieser Dimension nur schwerlich allein zu bewältigen ist, arbeiten wir sehr eng und in kooperativem Miteinander mit fünf Gemeinden in den bayerischen Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein zusammen (Berchtesgaden, Ruhpolding, Bischofswiesen, Schönau am Königssee und Inzell). Gleiches gilt auch für die Deutschen Sportverbände die für die Wintersportarten und Disziplinen – die wir im Rahmen der 4. CISM Welt-Winterspiele anbieten werden – verantwortlich zeichnen. Dies sind der Deutsche Leichtathletikverband, der Deutsche Turnerbund, der Deutsche Skiverband, der Deutsche Alpenverein, Snowboard Deutschland und der Deutsche Behindertensportverband. Der Termin für die Durchführung der 4. CISM WWG muss nun neu „gesucht“ und festgelegt werden. Dieses ist die nicht einfache Aufgabe von CISM, in Abstimmung mit den Internationalen Sportverbänden.

Sie haben die Zusammenarbeit mit den fünf genannten bayerischen Gemeinden angesprochen. Heißt das, das diese Sportgroßveranstaltung in dieser Region stattfindet?
Genau das heißt es, die 4. CISM WWG finden in Berchtesgaden und Ruhpolding statt. In einer Region in der der Wintersport heimisch ist, in der wir über eine Top-Infrastruktur verfügen, die wir von zahlreichen Weltmeisterschaften und internationalen Wettkämpfen kennen, und die wir für unsere Winterspiele nutzen werden; als Beispiele dafür nenne ich die Chiemgau-Arena in Ruhpolding, die Ski-Gebiete Jenner und Götschen in Berchtesgaden und Bischofswiesen und die Max-Aicher-Arena in Inzell.

CISM – der internationale Militärsportverband hat 140 angeschlossene Nationen. Wie viele Nationen, wie viele Teilnehmer werden im Winter 2021/2022 nach Deutschland kommen?
Wir erwarten die Teilnahme von über 40 Nationen aus vier Kontinenten mit mehr als 1.000 Teilnehmern. Unsere Zielsetzung ist es, ein breit angelegtes Wettkampfangebot anzubieten, so dass für jeden etwas dabei ist. Neben den klassischen Sportarten Ski-Alpin, Ski-Langlauf und Biathlon werden wir erstmalig Crosslauf im Programm haben, so dass Militärsportler auch aus Afrika und Asien die Möglichkeit erhalten an unseren Welt-Winterspielen teilnehmen zu können. Für unsere jüngeren Kameradinnen und Kameradinnen aus aller Welt haben wir Snowboard im Programm, auch zum ersten Mal in der Geschichte der CISM World Winter Games.

Besonders herausstellen möchte ich, dass wir als Organisatoren dieser Welt-Winterspiele großen Wert darauflegen, unseren Kameradinnen und Kameraden, die durch den militärischen Dienst physisch oder psychisch versehrt wurden, die Teilnahme an den WWG zu ermöglichen und Ihnen die Chance geben sich im sportlichen Wettkampf zu messen. Para-Disziplinen werden dabei sein – ein weiteres Novum bei den CISM WWG.

CISM hat sein eigenes Motto: „Friendship through Sport“. Wie kam es dazu? Was bedeutet es? Ist das heute noch zeitgemäß?
CISM wurde 1949 durch die fünf Gründungsnationen – Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande – gegründet, mit der weltumspannenden Vision im Sinn: Aufeinandertreffen von Soldaten in Sport-Arenen statt auf Schlachtfeldern. Das Motto „Freundschaft durch Sport“ hat sich daraus entwickelt und kann aus meiner Sicht treffender nicht sein. Es wurde über 60 Jahre erfolgreich praktiziert und ist für mich heute aktueller denn je.

Gibt es für die ersten Welt-Winterspiele in Deutschland ein eigenes Motto, ein Logo und ein eigenes Symbol?
Definitiv ja, unser Leitspruch lautet „United by Friendship“, mit dem wir ausdrücken möchten, während der einwöchigen Welt-Winterspiele Freundschaft praktizieren und leben zu wollen, und in Freundschaft über Grenzen hinweg miteinander verbunden sein werden. Unser Logo sehen Sie auf dem Foto; mit einzigartigem Wiedererkennungswert. Unsere Verbundenheit untereinander und miteinander symbolisieren wir mit unserem „Band der Freundschaft“, das auch in unserem Logo platziert ist.

Haben Sie für die 4. CISM WWG eine Mission formuliert? Wenn ja, welche?
Ja, wir wollen gute Gastgeber sein, gut organisierte, fröhliche Spiele anbieten; keinem Prestige, sondern dem Spaß an der Begegnung verpflichtet. Wir laden Militär-Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt ein, zu uns nach Deutschland zu kommen, Land und Leute und unsere Kultur kennenzulernen. Unsere Gäste sollen sich im fairen sportlichen Wettkampf messen, sie sollen sich bei uns wohlfühlen und sind herzlich eingeladen wiederzukommen.

Ihre bislang geschilderten Informationen, Fakten und Erwartungen lassen „Lust verspüren“ noch mehr über Ihre Sport-Großveranstaltung zu erfahren. Wie ist die Wahrnehmung der örtlichen Bevölkerung? Wie stehen die Bewohner der Region zu diesem Vorhaben?
Kurz und bündig: als Chance wahrgenommen und positiv angenommen. Vom Beginn des Gedankens an, die 4. CISM WWG in der Region Berchtesgadener Land und Traunstein durchzuführen, haben wir ausschließlich Zustimmung und große Unterstützungsbereitschaft erfahren. Die genannten Gemeinden mit ihren Bewohnern waren von Anfang an „Feuer und Flamme“ und sind es bis heute geblieben. Die Durchführung der 4. CISM World Winter Games in der Region Berchtesgaden und Ruhpolding ist für uns alle ein „Heimspiel in einem voll besetzten Stadion“ mit tollem Publikum.

Die 4. CISM World Winter Games werden als große Chance angesehen, uns alle – Deutschland, Bayern mit seiner Bevölkerung, die Bundeswehr mit seinen Soldatinnen, Soldaten, zivilen Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Reservistinnen und Reservisten – als guten und freundlichen Gastgeber darstellen zu können. Die Vorfreude auf unsere gemeinsamen Welt-Winterspiele ist bei allen Beteiligten ungebrochen optimistisch und riesengroß.

Herr General Weigt, die Organisation einer Sportgroßveranstaltung in dieser Dimension erfordert sicherlich umfangreiche und zeitintensive Vorbereitungen?
In der Tat, ein Sport-Event in dieser Größenordnung kann man nicht mal so nebenbei vorbereiten und organisieren. Daher wurde anfangs 2017 eigens ein Organisationsstab im Kommando Streitkräftebasis, mit Sitz in Bonn, eingerichtet. Dieser Stab wird von Oberstleutnant Dr. Harald Dobmeier geführt, umfasst 15 Personen und bildet die Fachbereiche Personal, Wettkampf, Zeremonien, Logistik, Sicherheit, IT, Kommunikation und Marketing ab. Alle Bereiche haben gut gefüllte Lastenhefte mit zahlreichen Aufgaben und Herausforderungen. Als Beispiel dafür nenne ich unsere Logistiker, die sich um die Unterbringung unserer Gäste – ausschließlich in zivilen Hotels und Pensionen – kümmern. Hinzu kommt die voll umfängliche Verpflegung sowie die Ausarbeitung eines funktionierenden Transport-Systems für Athleten, Trainer, Betreuer und Gäste.

„Kommunikation und Marketing“ ist sicherlich eines Ihrer Schwerpunktthemen. Welche Vorstellungen und Erwartungen haben Sie?
Die Bedeutung erfolgreicher Kommunikation und zielgerichtetem Marketing in unserer heutigen medialen Welt ist uns allen bekannt. Wie bekommen wir das in Bezug auf unser Projekt hin? Wie machen wir das? Proaktiv mit breitgefächerten Informationen, gespielt auf der medialen Tastatur unter Nutzung aller Tasten. Proaktiv mit zielgerichteten Marketing-Maßnahmen. Wir wollen alle Soldatinnen, Soldaten, zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Angehörigen unserer Reserve informativ mitnehmen, und darüber hinaus unsere interessierte Öffentlichkeit in Deutschland mit Informationen versorgen. Die stetige Information der CISM-Mitgliedsnationen stellen wir im Zusammenwirken mit dem CISM HQ in Brüssel sicher.

Während des Durchführungszeitraums der 4. CISM Welt-Winterspiele werden wir zwei Pressezentren in Berchtesgaden und Ruhpolding einrichten. Das Internationales Broadcasting Center (IBC) wird gemeinsam mit unserer TV-Produktion in der Chiemgau-Arena in Ruhpolding beheimatet sein.

Die 4. CISM World Winter Games – ein Thema mit einem sehr hohen Informationspotential für uns. Haben Sie Reservisten in Ihrem Organisations-Team? Welche Rolle spielt dabei das System Reserve der Bundeswehr?
Zu Ihrer zweiten Frage: das System der Reserve ist ein großartiges System, über das die Bundeswehr seit langen Jahren verfügt. Die Reservistinnen und Reservisten unterstützen die Bundeswehr in ihrem gesamten Aufgabengebiet. Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht sind Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr wichtiger denn je. Sie verstärken die Einheiten im Inland und Ausland. Sie bringen ihre Spezialkenntnisse aus ihrem zivilen Berufsleben ein und tragen ihre Erfahrungen als „Staatsbürger in Uniform“ in unsere Gesellschaft. Danke sage ich allen Angehörigen des VdRBw für ihren Einsatz und ihre Leistungen, und für ihr fungieren als Mittler und Bindeglied in und zu unserer Gesellschaft.
Zur Frage eins: Ja, in unserem Organisationsstab haben wir mehrere Reservisten in Wehrübungen/Reservistendienstleistungen, die unsere aktiven Kameradinnen und Kameraden tatkräftig unterstützten bzw. Fachbereiche vollverantwortlich leiten. Sie bringen sich mit Ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen produktiv ein und tragen somit wesentlich zum positiven Fortschreiten unserer Vorbereitungen der 4. CISM WWG bei.

Herr General, welche Botschaften möchten Sie unseren Lesern vermitteln? Und wenn Sie sich etwas wünschen dürften – was wären Ihre Wünsche?
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an der Thematik 4. CISM WWG. Es ist für uns alle eine spannende und herausfordernde Aufgabe, ein solches Wintersport-Großereignis mit einer Strahlkraft in die ganze Welt hinein, vorzubereiten und letztendlich erfolgreich durchzuführen. Diese 4. CISM Welt-Winterspiele sind ein Bundeswehr-gemeinsames Projekt, bei dem wir alle gefordert sind, mit international höchsten Ansprüchen unsere Gastgeberrolle für unsere Gäste aus aller Welt wahrzunehmen Bitte kommunizieren Sie die Thematik „4.CISM WWG“ in Ihrem Kameraden-, Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, „bewerben“ Sie unsere militärischen Welt-Winterspiele, denn eine große Anzahl an interessierten Zuschauern und Gästen während der Spiele an den Wettkampstätten wird sicherlich eine große Wertschätzung für unsere Kameradinnen und Kameraden aus aller Welt sein.
Was wünsche ich mir? Ich erlaube mir, hier sehr bescheiden zu bleiben. Ich wünsche uns allen, gerade in der andauernden Pandemie-Zeit, dass wir gesund bleiben. Ich wünsche mir, dass sich unser gemeinsamer Kampf gegen das Croronavirus erfolgreich entwickeln wird, wir das Virus eindämmen und letztendlich besiegen können, und zu guter Letzt unsere 4. CISM World Winter Games in der Wintersaison 2021/2022 stattfinden können; mit möglichst vielen teilnehmenden Nationen und ihren Sportlerinnen und Sportlern.

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