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Generalprobe für den Regimentsgefechtsstand




1. Der S2-Offizier Hauptmann Philipp Justus. weist in die Lagekarte ein. Er erläutert neuralgische Punkte sowie die wesentlichen „Points of Interest“, die wichtig für die Lagebeurteilung sind.

(Foto: Bundeswehr/Haelke)

Landesregiment Bayern

Das Führungspersonal des Landesregiments Bayern hat zum ersten Mal mit kompletter personeller und materieller Ausstattung geübt. In der Rhön-Kaserne nahm der Gefechtsstand vollumfänglich seinen Dienst auf. Der Reservistenverband unterstützte dabei maßgeblich. Die Weiterbildung des Führungspersonals war zugleich die Generalprobe für die aktuell laufende Herbstausbildung, mit der das Pilotprojekt Landesregiment Bayern auf die Zielgerade geht, um seine Einsatzfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Während sich die Dienststellen in der Rhön-Kaserne in Wildflecken bereits auf das Wochenende einstellten und das ehemalige Truppenlager in den wochenendlichen Schlummermodus umschaltete, herrschte in einem Gebäude zunehmend hektische Betriebsamkeit: Im Haus 592 wurden Computer eingerichtet, Funkgeräte SEM 80 und 90 installiert und Lagekarten vorbereitet. Das Landesregiment Bayern nahm seinen Gefechtsstand in Betrieb – zum ersten Mal.

Kompletter Prozess der Befehlsgebung

„Die Ausbildung war tatsächlich eine Premiere, weil der Gefechtsstand zum ersten Mal mit seiner kompletten Ausstattung vor Ort in der vorgesehenen ortstfesten Infrastruktur mit dem vorgesehenen Personal eingerichtet wurde“, sagte  der S3-Offizier, Oberleutnant d.R. Peter Schmunk. In dieser Form werde der Regimentsgefechtsstand auch in die Herbstausbildung gehen. Zum ersten Mal sei mit dem Führungspersonal auch der komplette Prozess der Befehlsgebung am Stück durchgespielt worden.

An der Ausbildung nahmen 20 Soldaten teil, die auch in der Herbstausbildung den Regimentsgefechtsstand besetzen werden. Die eine Hälfte waren Reservisten des Landesregiments Bayern, die andere Hälfte Mob-Ergänzungspersonal des Regionalstabs Territoriale Aufgaben Nord. So war jedes Führungsgrundgebiet mindestens mit einem Offizier und einem Unteroffizier mit Portepee besetzt. Eine Schichtfähigkeit war in dieser Besetzung zwar nicht gegeben, aber auch nicht vorgesehen. Der Betrieb fand ausschließlich in einer Tagesschicht statt.

Anleitung durch den Reservistenverband: Oberstabsfeldwebel d.R. Manuel Velten vom Reservistenverband bereitet mit dem Führungspersonal des Regimentsgefechtsstandes Lagefolien (Overlays) für die Gefechtsstandübung vor. Der Verband hatte an der Ausbildung maßgeblichen Anteil. (Foto: Bundeswehr/Haelke)

Das Ausbildungsprogramm begann am späten Nachmittag nach der Begrüßung durch den Regimentskommandeur, Oberst d.R. Stefan Berger, im Unterrichtsraum des Landeskommandos Bayern mit einer Einweisung in die theoretischen Grundlagen der Stabsarbeit eines Gefechtsstandes. In dieser theoretischen Ausbildung wurde vertieft, was in den einzelnen Zellen der Führungsgrundgebiete zu leisten ist. Grundlagen und Schemata für Befehle wurden wiederholt, damit in der „Hitze des Gefechts“ an den folgenden Tagen alles reibungslos klappen würde.

Typische „Heimatschutzlage“ mit zwei realen Objekten

Am Samstagmorgen stieg der Gefechtststand unter Anleitung des Taktiklehrers des Reservistenverbandes, Oberstleutnant Thomas Greim, dann in eine typische „Heimatschutzlage“ ein. Bei dieser Lage ging es um verschiedene Aufträge, die das Landesregiment im Einsatzfall wahrnehmen müsste: die Sicherung zweier kritischer Objekte und die Aufnahme von Einheiten verbündeter Streitkräfte zur Versorgung vor Weiterverlegung. Das waren reale Objekte: ein alter Bahnhof und ein Industriegebiet.

„Bei dieser Lage handelt es sich um ein Szenario aus der Übungslage PANDORA des Taktikzentrums Heer“, erläutert Oberleutnant Schmunk. „Es ist mit Hintergrundinformationen angelegt, beispielsweise mit Bewertungen zur Zivilbevölkerung und deren Verhalten. Sie stützt sich dabei auf deutsches Kartenmaterial, denn der fiktive Kontinent Pandora bildet deutsches Territorium und Ausschnitte benachbarter europäischer Länder ab.“

Der S6 richtet die Funkgeräte SEM 80 und 90 des Gefechtsstandes ein. Die Erfahrungen aus den Katastrophengebieten an Ahr und Erft zeigten, dass auf diese Ausstattung nicht verzichtet werden kann. (Foto: Bundeswehr/Haelke)

In den folgenden Stunden wurden die Phasen des Führungsprozesses durchgespielt: beginnend mit einem Brigadebefehl, über die Auswertung des Auftrags, die Beurteilung der Lage und die Entschlussfassung bis hin zum Operationsplan. Zu jeder Phase gehörte der Lagevortrag zur Unterrichtung, vom Lagevortrag zur Einleitung der Stabsarbeit bis hin zum Lagevortrag zur Entscheidung für den Kommandeur. Dabei erhielten die Kompaniechefs ihren Befehl für die Erkundung, die an den realen Objekten durchzuführen war. Anschließend wurden die Erkundungsergebnisse im Gefechtsstand vorgetragen.

Daraufhin wurde vom Kommandeur ein Entschluss formuliert, der dann wiederum durch den Gefechtsstand im „Befehl Nr. 1 für den Einsatz des Landesregiments Bayern“ und dem Operationsplan umgesetzt wurde. Dabei spielte das Ausbilderteam auch Reaktionen auf Anträge an zivile Stellen ein, welche Anträge genehmigt werden und welche nicht. Entsprechend musste der Operationsplan angepasst werden. Auch der Befehl für den Einsatz wurde ausgearbeitet und ging dann an die anwesenden Kompaniechefs des Regiments. Als Hilfsmittel gab es für die Übungsteilnehmer einlaminierte Schemata für die Befehle, so dass man sich während der Besprechungen die ersten handschriftlichen Notizen machen konnte. Im Anschluss wurden die Befehle auf PC geschrieben, ausgedruckt und den Kompaniechefs sowie dem Personal der Stabszellen in die Hand gedrückt.  Die Kompaniechefs werteten die Aufträge für ihre Kompanien aus und erarbeiteten exemplarisch einen Operationsplan für eine ausgewählte Kompanie.

ATN BOS-Digitalfunk und noch „so manches Goldkörnchen“

In einer Parallelausbildung wurde das Gefechtsstandpersonal derweil in den BOS-Digitalfunk eingewiesen (BOS = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben). Hintergrund: In der Herbstausbildung werden im Rahmen einer zivilen Lage Blaulichtorganisationen mit eingebunden und der Gefechtsstand mit BOS-Digitalfunkgeräten ausgestattet, um eine Verbindungsfähigkeit zu den Blaulichtorganisationen zu haben. Für die Benutzung dieser Funkgeräte ist eine Einweisung in die Funktionsweise der Geräte erforderlich, um die sich Feldwebel Martin Gaukler, IT-Feldwebel des Regionalstabs Territoriale Aufgeben Nord, kümmerte. Sie ist mit dem Erwerb einer ATN BOS-Funkbediener verbunden.

(Foto: Englmann)

Der Kommandeur des Landesregiments Bayern, Oberst d.R. Stefan Berger, war mit dem Verlauf der „Generalprobe“ für seinen Regimentsgefechtsstand sehr zufrieden und lobte die Unterstützung durch Reservistenverband: „Der Stab des Landesregiments Bayern ist durch die beeindruckende Expertise des Ausbilderteams des Verbandes, Oberstleutnant Thomas Greim und Oberstabsfeldwebel Manuel Velten, an diesem Wochenende umfangreich auf die Herbstausbildung 2021 vorbereitet worden.“ Gleichzeitig hätten die aktiven Kameraden des Regionalstabs Nord als Mob-Ergänzungspersonal in außerordentlicher Art und Weise ihr weit gefächertes Fachwissen gewinnbringend mit eingebracht. Oberst Berger sprach in seiner bildhaften Art von „so manchem Goldkörnchen“, mit dem die aktiven Stabsoffiziere der Regimentsführung den Stab in Erstaunen versetzt hätten. So gehe er als Kommandeur des Verbandes zuversichtlich in die Herbstausbildung, die zugleich den Abschluss des bundesweiten Projektprojektes bilde.

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