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„Gorch-Fock“: Wird die Tirpitzmole in Kiel bald verwaist sein?




Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will entscheiden, ob das Segelschulschiff "Gorch Fock" wegen zu hoher Instandsetzungs- und Unterhaltungskosten stillgelegt wird. Grund: Nach einer Havarie mit einer Kaimauer im November 2015 sind die geschätzten Kosten für die Instandsetzung von ursprünglich zehn Millionen auf nunmehr 35 Millionen Euro gestiegen.

Es müssen zum Beispiel auch die drei Masten der Bark ausgewechselt werden. Vor genau sechs Jahren hatte schon Verteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg in Erwägung gezogen, das Schiff auszumustern. Seinerzeit gab es Vorwürfe gegen die Stammbesatzung wegen angeblicher schlechter Behandlung der Kadetten. Es war zuvor auch zu tragischen Unfällen gekommen.

Update (26. Januar): Wie der NDR berichtet, soll die "Gorch Fock" bis 2032 – also noch 15 Jahre – weitersegeln und dann nahtlos durch ein neues Schiff ersetzt werden. Die Entscheidung wolle Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am kommenden Montag bekanntgeben.

Als bekannt wurde, dass die "Gorch Fock" unter Umständen stillgelegt werden würde, waren unsere Redakteure Sören Peters und Detlef Struckhof unterschiedlicher Meinung über die Zukunft des Traditionsseglers. Sollte es tatsächlich so kommen, wie der NDR berichtet, liegt die Wahrheit wohl wie so oft in der Mitte.

Was meinen Sie: Soll die "Gorch Fock" stillgelegt oder weiterverwendet werden? Schicken Sie uns Ihre Leserbriefe an presse@reservistenverband.de.
 

Lass uns Freunde bleiben

Von Sören Peters

Einlaufbier, Glasen oder bis 2011 auch die "Äquatortaufe" – keine deutsche Teilstreitkraft hält Traditionen und Bräuche so liebevoll am Leben wie die Marine. Dazu gehört auch die Offiziersausbildung auf der "Gorch Fock".

Doch das Schiff ist in die Jahre gekommen. Seit mehr als einem Jahr liegt der Dreimaster zur Reparatur in der Werft, die Instandsetzung soll inzwischen das Dreifache der ursprünglich veranschlagten Summe verschlingen. Wie in einer Beziehung, in der es nicht mehr läuft, scheint hier ein sauberer Schnitt sinnvoll. Schließlich leben wir nicht in der guten alten Zeit, sondern im Hier und Jetzt. Herz gegen Kopf, Liebe gegen Vernunft.

Und wenn uns das Herz blutet, der Kopf sagt: Ab ins Museum mit der "Gorch Fock"! Schließlich werden auch Piloten der Luftwaffe nicht auf Jahrzehnte alten Jets ausgebildet. Heeressoldaten würden sich die Nackenhaare aufstellen, würden sie die Grundlagen ihres Handwerks mit veraltetem Gerät erlernen. Auch wenn Liebhaber das Schiff als eine Art deutsche Botschaft auf den Weltmeeren bezeichnen – sind es nicht die Menschen, die Deutschlands Botschafter in der Welt sind?

Dauert ein Rüstungsprojekt mal länger als geplant oder wird die Einführung eines neuen Systems teurer als ursprünglich kalkuliert, granteln wir immer sofort los. Gegen die Konzerne, gegen das Ministerium und gegen dessen Chefin sowieso. Warum also ein altes, kostenintensives Schiff "am Leben halten", wenn die Instandhaltungskosten genauso gut in ein modernes, kostensparendes Modell investiert werden können?

Dazu kommt: Spätestens seit den Schlagzeilen um menschenunwürdige Initiationsriten hat der große Name "Gorch Fock" einen faden Beigeschmack bekommen. Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr hin zu einem professionellen, modernen Arbeitgeber wäre ein neues Ausbildungsschiff nur konsequent.

Auch wenn es hart ist, liebe "Gorch Fock", lass uns Freunde bleiben.

Unschätzbarer Markenwert

Von Detlef Struckhof

Wir brauchen die "Gorch Fock". Sie ist Markenzeichen Deutschlands. Das bekannte Segelschulschiff zierte einst den blauen 10-Mark-Schein der Bundesrepublik bis nach der Wiedervereinigung. Die Deutschen identifizieren sich mit der Bark. Sie ist Botschafterin in weiß auf allen sieben Meeren, in den Häfen der Welt. Dort finden auf ihr Empfänge statt. Diese helfen den deutschen Botschaftern in fernen Ländern – bei maritimem Flair – ins Gespräch zu kommen und für die Weltoffenheit Deutschlands ein Beispiel zu geben. Die "Gorch Fock" ist friedlich, so wie Deutschland es seit bald 72 Jahren ist. Dieser Werbe- und Markenwert ist übrigens in Geld nicht zu ermessen.

Die Marine braucht die "Gorch Fock". Dabei geht es nicht zuerst um ein vielleicht antiquiertes Brauchtum. In Zeiten von GPS, Flugkörpern und Hochleistungsmotoren könnten viele meinen, so ein Segelschiff, das nur viel Geld im Unterhalt kostet, wäre verzichtbar. Derzeit werden die Offiziersanwärter der Marine – und übrigens auch die Unteroffiziersanwärter des seemännischen Dienstes – nur auf kleinen Segelyachten ausgebildet. Der für die Marine so wichtige Crew-Gedanke geht verloren. Nur wer die Gewalten der See am Kap Horn oder am Kap der Guten Hoffnung erlebt hat, weiß mit ihnen umzugehen. Und es funktioniert nur im Team. Auf einem modernen Marineschiff, auf dem der Wellengang nur beiläufig gespürt wird, werden die Kräfte der Natur von künftigen Marineführungskräften eventuell unterschätzt.

Sicher: Leider wurden wohl einige Kadetten auf dem Großsegler mit zwielichtigen Ritualen geknechtet. Auf dem Schiff sind auch Menschen tragisch ums Leben gekommen. Doch im Lichte der offenen Diskussion zu diesen Vorwürfen im Jahr 2011 haben wir gesehen, dass die Deutschen zu ihrem Segelschulschiff stehen. Das Schiff konnte nichts dafür. Ich will das weiße Schiff mit den hohen Masten und dem schlanken Bug – wie es im Gorch-Fock-Lied besungen wird – nicht missen müssen.

Was meinen Sie: Soll die "Gorch Fock" stillgelegt oder weiterverwendet werden? Schicken Sie uns Ihre Leserbriefe an presse@reservistenverband.de.

Bei marine.de finden sich alle Informationen rund um die Geschichte der "Gorch Fock".

Symbolbild oben: Wird die Tirpitzmole im Kieler Marinestützpunkt –
Stammliegeplatz der "Gorch Fock" bald verwaist sein?
(Archivfoto: Detlef Struckhof).

Symbolbild Mitte: Die Segel-Crew der "Gorch Fock" holt vielleicht
schon bald für immer die Segel ein
(Archivfoto: Mandt, Bundeswehr, flickr).

Archivbild unten: Die "Gorch Fock" in voller Fahrt als
Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland auf den Weltmeeren
(Archivfoto: Björn Wilke, Bundeswehr, flickr).

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