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Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

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Gründergeist zwischen Ost und West




Reinhard Neumann hat zwei Reservistenkameradschaften gegründet – eine in Thüringen und eine in Rheinland-Pfalz. Zwischen ihnen besteht eine Partnerschaft, die viel mit der Biographie Neumanns zu tun hat.

Als er als Kind 1955 seine thüringische Heimat Richtung Westen verließ, hätte es sich Reinhard Neumann wohl nicht im Traum einfallen lassen, einmal in seiner alten Heimat eine Reservistenkameradschaft aufzubauen. Erst einmal musste die Weltgeschichte noch ihren Gang gehen und das bedeutete für die beiden deutschen Staaten noch 34 weitere Jahre der Teilung und des Kalten Krieges auf verschiedenen Seiten des Eisernen Vorhangs. Ab 1970 diente Reinhard Neumann für zwei Jahre als Unteroffizier im Panzerbataillon 134 in Wetzlar. Auch der Reservistenverband wuchs in dieser Zeit beachtlich. Mehr als 100.000 Soldaten verließen Jahr für Jahr die Bundeswehr. Überall in der alten Bundesrepublik entstanden Reservistenkameradschaften (RK), in denen sich ehemalige Soldaten der Bundeswehr organisierten. Zu ihnen gehörte auch Reinhard Neumann. In der RK Vorholz in Bechenheim sammelte er in dieser Zeit Erfahrung als stellvertretender Vorsitzender.

Mit dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung kam die Bundeswehr in die neuen Länder, so auch ins thüringische Mühlhausen. Neumann verschlug es nun wieder in seine alte Heimatstadt, nachdem er lange Zeit im rheinland-pfälzischen Flonheim gelebt hatte. Für den aktiven Reservisten stellte sich in seiner neuen alten Heimat die Frage: "Warum solltest Du nicht versuchen, die Reservistenarbeit in Thüringen voranzubringen?" Mitte der Neunziger war das bei weitem noch keine Selbstverständlichkeit. Es war noch echte Pionierarbeit zu leisten, sowohl für Neumann persönlich wie auch für den Reservistenverband insgesamt. Wie in den alten Ländern auch mussten in den neuen Bundesländern zunächst Soldaten ihre Dienstzeit in der Bundeswehr durchlaufen, um überhaupt Reservisten werden zu können. Dabei hatte die Zeit der Streitkräftereduzierung und der Standortschließungen längst begonnen. Ungeklärt war zu dieser Zeit auch noch, ob die ehemaligen Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) überhaupt Mitglieder im Reservistenverband werden konnten. Von ihnen gab es zwar reichlich, aber die Öffnung des Reservistenverbandes war an eine Dienstzeit in der Bundeswehr gekoppelt. Sie konnten daher in der Regel dem Reservistenverband nur als fördernde Mitglieder beitreten.

So gründete Neumann zusammen mit acht Kameraden am 4. Mai 1996 die RK Unstrut-Hainich in Mühlhausen und wurde auch gleich ihr erster Vorsitzender. Es war damals die neunte Kameradschaft der Landesgruppe Thüringen und eine der ersten, die aus Ordentlichen Mitgliedern mit Vordienstzeit in der Bundeswehr bestand. Die Erfahrung, die Neumann mitbrachte, war nützlich. "Der Feldwebel für Reservistenangelegenheiten, der für uns zuständig war, war ja selbst völlig neu. Den Posten gab es erst seit kurzem. Da war es für den Anfang natürlich hilfreich, dass ich schon mal stellvertretender Vorsitzender einer RK im Westen gewesen war und ihm einige Tipps geben konnte", sagt Neumann. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit habe die Zusammenarbeit hervorragend geklappt. Insgesamt waren alle Beteiligten damals, sowohl die Dienststellen der Bundeswehr als auch die örtlichen Gemeindevertreter, sehr am Aufbau neuer Kameradschaften interessiert gewesen.

Nach sechs Jahren kehrte Reinhard Neumann aus persönlichen Gründen wieder nach Flonheim in Rheinland-Pfalz zurück. In seiner „alten“ RK Vorholz übernahm er später den Vorsitz und gründete 2012 mit der RK Wiesbachtal in Flonheim erneut eine RK. Die Verbindung zu den Kameraden in Mülhausen ist dabei jedoch nicht abgerissen, im Gegenteil. Zwischen der thüringischen RK Unstrut-Hainich aus Mühlhausen und der rheinland-pfälzischen RK Wiesbachtal besteht seitdem eine enge Partnerschaft, die seit 2013 auch durch eine Patenschaftsurkunde offiziell besiegelt wurde. Bis heute findet sie in jährlichen gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen Veranstaltungen und Unterstützung über die Ländergrenzen hinweg ihren Ausdruck.

Kevin Klinkhammer

Bild oben:
Ergebnis einer langen Partnerschaft: Beim Besuch der Kameraden
aus Thüringen im rheinland-pfälzischen Flonheim im Jahr 2016 wird
die Verbundenheit zwischen den beiden Kameradschaften bekräftigt.
Der Kreisvorsitzende Matthias Weusmann (2.v.r.) gratuliert den beiden
RK-Vorsitzenden Stabsfeldwebel d.R. Reinhard Neumann (2.v.l.) und
Stabsgefreiter d.R. Sven Herschel (M.).
(Foto: Jörg Klippel)

Bild unten:
Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden.
(Foto: privat)

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