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Grundwehrdienst 2011: „Es war eine tolle Zeit“




Die Tage der Wehrpflicht in Deutschland sind gezählt. Mehrfach ist darüber berichtet worden, dass ab Freitag keine Männer mehr zum Grundwehrdienst eingezogen werden. Übers Pro und Kontra ist ausführlich geschrieben worden. Der Reservistenverband bedauert die Entscheidung der Politik. Jetzt kommen drei der letzten Grundwehrdienstleistenden zu Wort. Sie erzählen wie’s war.

Die Gefreiten Malte Plescher, Thomas Loor und Lasse Schier repräsentieren die letzten Grundwehrdienstleistenden der Bundeswehr. Sie stehen Mitte Juni in den drei Uniformen der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine vor 470 Gästen des Reservistenverbandes. Sie erhalten langen Applaus, als sie von Brigadegeneral Wolfgang Brüschke, Beauftragter für Reservistenangelegenheiten beim WBK I Küste, für ihren abgeleisteten Wehrdienst gelobt werden – wir berichteten. "Das hat mich stolz gemacht", sagt der 18-jährige Thomas Loor aus Hamburg. Sein Kamerad Malte Plescher (20) aus Kiel ergänzt: "Ich war beeindruckt davon, dass wir so viel Aufmerksamkeit erhielten. Das war ganz was Großes, eine große Ehre. Vor allem die vielen netten Worte der hochrangigen Soldaten und Repräsentanten des Verbandes danach waren sehr schön." Eine Geste der Bevölkerung fürs Engagement, das am Donnerstag endet.

Für Grundwehrdienst Lehrstelle abgesagt
Lasse Schier aus Timmendorfer Strand hat seinen Grundwehrdienst bei der Marine in Parow und Kiel abgeleistet. Für ihn waren die zurückliegenden sechs Monate "keine verschenkte Zeit sondern eine gelungene Abwechslung". Nach dem Abitur im vergangenen Sommer hatte der 20-Jährige eigentlich sofort Fahrzeugbau in Hamburg studieren wollen. Sein Wehrdienst hat ihn ein Jahr Studienzeit gekostet. "Doch das habe ich nicht als Nachteil empfunden, denn ich wollte zur Bundeswehr, denn schon mein Vater war bei der Marine. Diese Erfahrung wollte ich auch machen." Auch Plescher und Loor wollten ihren Wehrdienst ableisten. Thomas Loor tat dies sogar mit Einverständnis der Eltern, weil er noch als 17-Jähriger gezogen werden wollte, ehe der Grundwehrdienst abgeschafft wird. "Dafür habe ich gar eine zugesicherte Lehrstelle nicht angenommen und dort abgesagt. Ich wollte diese Erfahrung machen. Während der sechs Monate habe ich aber auch festgestellt, dass es anders war, als ich es mir vorgestellt hatte. Und damit war es gut für mich", so der Luftwaffengefreite, der bald als Musiklehrer tätig werden möchte.

Kameradschaft – eine einmalige Erfahrung
Malte Plescher absolvierte seine Wehrdienstzeit erst bei der Jäger-Truppe, durchlief eine zweimonatige Grundausbildung in Wesel, dann kam er heimatnah zum Landeskommando Schleswig-Holstein in Kiel. "Insgesamt war es eine tolle Zeit. Die Kameradschaft, besonders während der Grundausbildung, war eine einmalige Erfahrung. Ich kam auch mit Leuten aus unterschiedlichen Schichten zusammen – alles völlig vorurteilsfrei." Auch ihn hat der Wehrdienst ein Jahr seines geplanten Studiums zum Wirtschaftsingenieur gekostet. Der Unterschied zu Lasse Schier: Plescher hatte ursprünglich Zivildienst machen wollen, schwenkte dann jedoch zum Bund aus recht pragmatischen Gründen: "Ich hatte als Schüler bisher ein eher laues Leben und wollte mal was für mich tun, auch wenn es unangenehm wird. Vor allem wollte ich T-Shirts auf A4 falten können, um mehr Ordnung und Platz in meinen Kleiderschrank zu bekommen", lacht der 20-jährige Kieler.

Freiwillige Dienste lohnen sich
Trotz der einhellig positiven Erfahrungen sagen alle drei, dass sie einen rein freiwilligen Wehrdienst nicht gemacht hätten, "weil es der unbequemere Weg ist", so Plescher. Und genau das spiegelt sich auch in den Veröffentlichungen der Medien zu den derzeitigen Freiwilligenzahlen wider. Es melden sich für den Freiwilligen Wehrdienst und den Bundesfreiwilligendienst weniger junge Menschen, als zuvor von der Politik erhofft. Gerd Höfer, Präsident des Reservistenverbandes, sagt dazu: "Es ist erst einmal sehr erfreulich, dass die meisten Grundwehrdienstleistenden ihre Zeit bei der Bundeswehr als positiv einstufen – und dies gerne machen, auch wenn es unbequem ist. Damit werden sie unserem Motto Tu was für Dein Land gerecht. Das sollte die Bundeswehr für ihre Werbung nutzen und diese entsprechend umstellen. Es lohnt sich nämlich, einen sinnvollen Dienst für die Allgemeinheit zu leisten. Das gilt übrigens für alle Dienste, denn Freiheit ist nicht kostenfrei zu haben."

Freiwilliger Wehrdienst heißt auch: Etwas für sich selbst zu tun
Einer, der das ebenso sieht und nicht nur reden will, ist Lutz Kiesewetter. Der Vorsitzende der Schüler Union Deutschland – wir berichteten über ein Konzeptpapier der politischen Jugendorganisation – wird am Freitag seinen Freiwilligen Wehrdienst beim Logistikbataillon 172 in Beelitz bei Potsdam antreten.

"Ich will meinem Land etwas zurückgeben. Das mache ich aus voller Überzeugung. Und nach dem Motto Tu was für Dein Land – tu was für Dich, will ich mich beim Bund vor allem sportlich betätigen und auch mal mit einer Waffe schießen, was man im Zivilleben nicht machen kann." Ein besonderes Erlebnis ist dem Abiturient bereits zugesichert worden: Sein Gelöbnis wird er am 20. Juli vorm Reichstagsgebäude in Berlin ablegen. "Darauf freue ich mich schon jetzt sehr", sagt der Baden-Württemberger.

Reservistentätigkeit nicht ausgeschlossen
Malte Plescher, Thomas Loor und Lasse Schier haben in den zurückliegenden Tagen ihre Uniformen in den Kleiderkammern abgegeben. Sie gehen als Gefreite der Reserve ins Zivilleben. Vom Reservistenverband haben alle richtig bewusst und intensiv nur durch den Feldempfang erfahren. Sie wurden bei der Bundeswehr zwar auch über eine mögliche Verwendung als Reservist aufgeklärt, allerdings eher oberflächlich. "Konkrete Angebote wurden uns nicht unterbreitet", so Thomas Loor. Also alles eher nach dem Muster: Es gibt Reservisten, ihr könnt was machen, wenn ihr wollt. Meldet euch dann mal, wenn es für euch in Frage kommt. Das hält Verbandspräsident Gerd Höfer für ausbaufähig. Er sagt: "Der Reservistenverband muss einen ständigen Zutritt zu den Kasernen erhalten – die Soldaten während ihrer Dienstzeit begleiten. Nur dann hat die Bundeswehr zukünftig genügend Reservisten zur Verfügung, um diese bei Bedarf einsetzen zu können."  Die drei jungen Männer jedenfalls denken jetzt über ein Engagement während ihrer Semesterferien oder in beruflichen Leerlaufzeiten nach. Die Bundeswehr oder der Reservistenverband können dann eventuell erneut zu sinnvollen Lebenserfahrungen beitragen.

Informationen zum Freiwilligen Wehrdienst

Detlef Struckhof

Symbolbild oben: Die Grundwehrdienstleistenden haben
ihre letzten Patronen auf den Schießständen verschossen
(Foto: Barbara Damm).

2. Bild: Drei der letzten Grundwehrdienstleistenden:
Die Gefreiten Lasse Schier (links), Malte Plescher (Mitte)
und Thomas Loor (rechts) bekamen für ihren
Wehrdienst langen Beifall von den Gästen des Feldempfangs
des Reservistenverbandes in Kiel anlässlich der Kieler Woche
(Foto: Daniel M. Rother).

3. Bild: Gerd Höfer ist Präsident des
Reservistenverbandes
(Archivfoto: Bernd Schoelzchen, loyal).

4. Bild: Lutz Kiesewetter ist Vorsitzender der
Schüler Union Deutschland. Für ihn ist klar,
er meldet sich zum Freiwilligen Wehrdienst
(Foto: Pascal Bothe).

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