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Heimatschutz am Rhein-Deich und im Bremer Fußballstadion




Um die zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) ging es bei zwei Übungen am Niederrhein und in Bremen. Während sich die Reservisten im Rheinland auf das nächste Hochwasser vorbereiteten, simulierten die Bremer im Weserstadion eine Katastrophe im Zuschauerbereich.

Die Bundeswehr ist nun offiziell eine Berufsarmee. Sie wird auf 170.000 Soldaten plus einer noch unbekannten Zahl freiwillig Kurzwehrdienstleistender schrumpfen. Die Auslandseinsätze sollen künftig noch konsequenter im Mittelpunkt stehen: Deutschland wird demnach nicht nur am Hindukusch, sondern auch vor Somalia und im Sudan verteidigt. "Wer aber übernimmt künftig den Heimatschutz?", fragte Oberst der Reserve Helmut Michelis in der "Rheinischen Post / Neuss-Grevenbroicher Zeitung".

Den Ernstfall probten am vergangenen Wochenende die Kameraden der Kreisgruppe Niederrhein. 24 Kameraden in Flecktarn-Uniformen schleppten große Aluminiumbleche durch die kleine Ortschaft Stürzelberg hin zum Rhein. Ihr Auftrag: Drei mobile Deichtore gegen Hochwasser aufbauen. Die Mitglieder des Reservistenverbandes haben sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet – ganz im Sinne von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Denn er will die Lücken in der Heimat verstärkt mit Reservisten schließen.    

"Tu was für Dein Land" ist das Motto auch von Erik Heinen, der die Soldaten am Samstag führte. Der 48-Jährige, zivilberuflich beim Werkschutz von Currenta in Dormagen (früher Bayer) tätig, lebt den Staatsbürger in Uniform vor: Ehrenamtlich arbeitet er seit 34 Jahren bei der Feuerwehr Dormagen mit, in der Reservistenverbands-Kreisgruppe Niederrhein ist er der Beauftragte für den Katastrophenschutz. Ab sofort unterliegt der Hauptfeldwebel der Reserve nicht mehr der allgemeinen Wehrpflicht, will sich aber ohne Aussicht auf persönliche Vorteile weiter für die Bundeswehr engagieren: "Man tut was für andere und trägt so zum Schutz der Bevölkerung bei", sagt er.

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Landesgruppe Bremen unterstützt bei Übung im Weserstadion
Die Zusammenarbeit mit den zivilen "Blaulicht-Organisationen" hatte eine Woche zuvor auch die Regionale Initiative Katastrophenschutz der Landesgruppe Bremen geprobt. Rund 80 Reservisten nahmen als Komparsen und Beobachter an einer Übung im Weserstadion teil. Insgesamt waren mehr als 1.000 Personen an der simulierten Katastrophe in der Westkurve beteiligt. In der vorgegebenen Lage sollen Fans mit selbstgebastelten Böllern und Rauchbomben hantiert haben.

Hintergrund: Das Weserstadion wurde in den vergangenen Monaten zu einem reinen Fußballstadion umgebaut. Bei der Übung sollte die Zusammenarbeit von Polizei und Rettungs- und Hilfsdiensten sowie die Nutzung der Rettungswege am Weserstadion trainiert werden.  Zuletzt war es während der Umbauphase im September des vergangenen Jahres nach dem Nord-Derby gegen den Hamburger SV zu Tumulten gekommen. Um eine Konfrontation mit den Werder-Fans zu verhindern, hatte die Polizei den Gästeblock abgesperrt. Bei dem daraus resultierenden Gedränge wurden rund 30 Menschen, darunter 17 Polizeibeamte, zum Teil schwer verletzt.

Bericht der Landesgruppe Bremen

Reservisten stehen bereit
"Solche Szenarien zeigen, dass Reservisten befähigt sind, bei großen Katastrophen zu helfen", sagt Gerd Höfer, Präsident des Reservistenverbandes. "Die Reservisten stehen für Unterstützungsleistungen bereit." Gerade in Zeiten, in denen sich die Bundeswehr aus der Fläche zurückzieht, gewinnen die Regionalen Initiativen (RegIniRes) einen höheren Stellenwert.

Oberst d.R. Dietrich Achim Kluge, VdRBw-Vizepräsident für Ausbildung und Heimatschutz: "Ich finde es großartig, dass sich unsere Reservisten auch durch die Aussetzung der Wehrpflicht nicht in ihrem Engagement beirren lassen, im Gegenteil. Denn die Überschrift ‚Heimatschutz‘, die jetzt auch über unseren RegIniRes steht, zeigt: wir sind auf dem richtigen Weg, den auch die Bundeswehr von uns erwartet. Es stehen immer weniger aktive Soldaten zur Verfügung – und bei uns erhalten gerade die lebensälteren, zivilberuflich umso erfahreneren Reservisten eine Zukunftsaufgabe in ihrer Region, die für Deutschland wirklich zählt. Weiter so!“

(red/spe)

Symbolbild oben:
Soldaten der Bundeswehr und Angehörige des Technischen Hilfswerks (THW)
sichern einen Deich  im Einsatz gegen das Elbe-Hochwasser in Magdeburg.
(Foto: Bundeswehr/Rott via flickr.com)

Bild unten:
Pyrotechnik im Fan-Block sieht man fast jedes Wochenende.
In diesem Fall erschwerte der Rauch den Rettungskräften die Arbeit.
(Foto: Michael Pingel)

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