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Sicherheitspolitische Arbeit

Herbsttagung Arbeitskreis Führung im Gefecht und Einsatz der Kreisgruppe Kurhessen




Die Teilnehmer der Exkursion mit dem Presseoffizier an einer der Ausbildungsmaschinen.

Halle313_Eurofighter

ILA_Berlin_2016

Tafeln am Jägerdenkmal auf dem Grünten

Das Jägerdenkmal auf dem Grünten

Fast am Ziel

Erinnerungsort „Weingut II“, Originalfotos von der Befreiung durch die US-Army 1945

Wappen in der Bundeswehrfachschule für IT

Die Teilnehmergruppe hat sich zum Abschlussbild formiert. Fotograf ist Teilnehmer HptGefr Hannes Hassenpflug.

Die erste Dienstliche Veranstaltung (DVag) nach dem Lockdown führte Reservisten und Soldaten (nicht nur) aus der Kreisgruppe Kurhessen Anfang September in den Süden. Im Rahmen der „Strategie der Reserve“ und der Neuausrichtung der Bundeswehr galt es, aktuelle Kenntnisse zur Qualifizierung für die Wahrnehmung der Mittler- und Multiplikatoren-Funktion in der Sicherheitspolitik mit Landes- und Bündnisverteidigung als Teil der Politischen Bildung zu erwerben. Was zunächst recht trocken und theoretisch klingt, sollte sich als lohnende Exkursion herausstellen.

Zeitig am frühen Donnerstagmorgen fuhren sie unter der Leitung von Stabsfeldwebel Hassenpflug (Feldwebel für Reservistenangelegenheiten in Kassel) los und trafen pünktlich am ersten Zwischenziel ein, der Bundeswehrfachschule für Informationstechnik in Kleinaitingen. In dem Neubaukomplex ist die Schule erst seit 2011, vorher war sie als Fernmeldeschule in Feldafing beheimatet. Schwerpunkt ist die Ausbildung von Elektronik-Technikern und Informatik-Technikern in der Laufbahn Offizier mil. Fachdienst. Frau Hauptfeldwebel Wenzel und der Technische Regierungsamtsinspektor Rindle übernahmen die Führung durch Hörsäle und Labore. Neben den Klassikern für Physik und Chemie gibt es auch Labore für Elektrotechnik, Industrielle Bildverarbeitung, Messtechnik, Informatiktechnik und Netzwerktechnik. Eine hochmoderne Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr, zu der Projekträume gehören, in denen die angehenden Techniker/-innen z. Bsp. schon ein Helmvisier für den Tiger entwickelt haben. Während der Lockdownphase hat es sich bewährt, dass allen für die zweijährige Ausbildungsdauer ein Laptop mit Zugang zum schuleigenen Ausbildungsnetz zur Verfügung gestellt wird. Der Unterricht konnte bequem von der Stube verfolgt werden und eine etwaige Quarantäne war hier kein Problem.

Nach dem Mittagessen in der Truppenküche ging es weiter zum Instandsetzungszentrum 13 in der Landsberger Welfen Kaserne. Dort werden Avionik-Bauteile etwa von Tornado Kampfflugzeugen bearbeitet. Die Besonderheit hier: Es handelt sich um eine Untertageanlage mit Anfängen aus dem zweiten Weltkrieg. Der eigentliche Bunker sollte für die Fertigung des ersten deutschen Düsenjägers genutzt werden. Allerdings reichte die Zeit bis Kriegsende dazu nicht mehr aus. Von geplanten 400 Metern Länge wurde etwas über die Hälfte fertig, bei einer Breite von 85 Metern und einer Höhe von bis zu 26 Metern. In diese Untertageanlage führte Oberstabsfeldwebel Siebert die Reservisten und erläuterte eindrucksvoll das Geschehen aus der Bauphase in der Nazizeit. Aus Mangel an einheimischen Arbeitern wurden rund 23.000 Arbeitskräfte benötigt, die aus dem Konzentrationslager Dachau abgefordert wurden. In nur einem dreiviertel Jahr Bauzeit kamen davon 6.334 Menschen ums Leben. Es waren sehr nachdenkliche Momente mit Originalaufnahmen aus der damaligen Zeit und einem Ausschnitt aus Episode 9 der Filmreihe „Band of Brothers“, in dem die Befreiung eines der Außenlager gezeigt wird. Die Dauerausstellung hierzu ist im „Erinnerungsort Weingut II“ beheimatet. So lautet der Tarnname aus der Bauzeit.

Nach dem Krieg wurde der Bunker zunächst als US-Munitionsdepot und zu deren Verschrottung / Sprengung genutzt. Einige Jahre als Sperrgebiet folgten, bevor die Amerikaner Lagerstätten für die Atomraketen vom Typ Matador suchten und den angefangenen Bunker weiter ausbauten. Es entstand ein Bunker unter dem Bunker, mehre Stockwerke tief. Doch auch er bleib unvollendet. Bedingt durch die lange Bauzeit, war die technische Entwicklung schneller und die Matador wurde durch die Pershing-Rakete abgelöst. Für deren fortschrittliche Technik war die Anlage ungeeignet. So übernahm die Bundeswehr das Gelände und zunächst entstand die größte Apotheke Deutschlands. Mit schwindendem Bedarf wurden Kapazitäten frei und nun wird die Untertageanlage zur Instandsetzung eingangs erwähnter Avionik-Bauteile genutzt.

Der Donnerstag endete mit der Verlegung ins Allgäu. Füssen und die 1. Kompanie vom Gebirgsaufklärungsbataillon 230 waren das Ziel. Hier wurde Quartier bezogen.

Am Freitag verlegte die Gruppe zum Fliegerhorst Kaufbeuren, ins Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe, Abteilung Süd. Hier wartete der Presseoffizier, Oberfähnrich Dempfle, um durch die Einrichtungen der Technikerausbildung im Standort zu führen. Die Soldatinnen und Soldaten kommen als Feldwebel mit entsprechender Berufsausbildung (nicht wenige im Übrigen waren vorher dazu in der Zivilen Aus- und Weiterbildung (ZAW) bei Airbus in Kassel – also auch bei der Kreisgruppe Kurhessen…) hierher. Dann bekommen sie den Feinschliff verpasst und lernen aus den Vorschriften und der Realität die richtigen Schlüsse zu ziehen und in die Praxis umzusetzen. Zunächst stellten die Hauptleute Bierhals und Wagner die Ausbildung am Eurofighter (liebevoll Joghurtbecher genannt, wegen seines hohen Kunststoffanteils) vor. Beim Überblick der Entwicklung vom Prototypen über Testflugzeuge bis hin zu den aktuell eingesetzten Maschinen (schon über die vierte Tranche hinaus), staunten die Reservisten, dass kein Eurofighter mit einem anderen identisch ist – zu unterschiedlich ist das Nacharbeiten von Soft- und Hardwareupdates. Das macht auch permanente Anpassungen der Ausbildung erforderlich. Neben den Ausbildungsmaschinen steht ein Computerhörsaal zur Verfügung, in dem die angehenden Techniker/-innen 1:1 wie im Cockpit arbeiten können (quasi der AGSHP für Lfz-Techniker/-innen).

Besonderes Schmankerl: Der „Bronze Tiger“ – ein für das Tiger Meet mit besonderer Lackierung versehener Eurofighter – steht zurzeit als Ausbildungsobjekt in Kaufbeuren. Zugleich ist er aber auch die letzte Maschine, die selbst dort gelandet ist. Bedingt durch einen Rückstau an Sanierungsarbeiten wird der Austausch von Luftfahrzeugen auf unbestimmte Zeit per Tieflader vorgenommen. Es war schon interessant, den Maschinen so nahe zu kommen und einmal tief in sie reinschauen zu dürfen. Verständlich, dass die Teilnehmer nicht selbst fotografieren durften. Die Bilder wurden durch die Pressestelle in Kaufbeuren zur Verfügung gestellt.

Anschließend warteten Hauptmann Meurer und Leutnant Jensch in der Ausbildungshalle für die Tornados. Wesentliche Unterschiede zwischen beiden Luftfahrzeugen sind die verwendeten Materialien und das Alter. Stammt doch die Tornadoentwicklung aus den 60er Jahren. Durch den größeren Metallanteil im Flugzeug lässt er sich einfacher warten und Instand halten. Die Cockpits sind zwischenzeitlich aufgerüstet worden. Während die ersten Modelle noch analoge Instrumente hatten, hat auch die Digitalisierung Einzug gehalten. Unerreicht aber ist bislang die Multirolleneinsatzfähigkeit des Tornados und die durch sein Geländefolgeradar möglichen Tiefstflüge bis hinunter auf Baumwipfelhöhe. Diese Fähigkeiten kamen besonders im Kosovo-Krieg zum Tragen, denn so gelang den Aufklärungs-Tornados (RECCE) das schnelle und konsequente Ausschalten gegnerischer Radar- und Flugabwehr-Stellungen.

Es war ein rundherum gelungener Freitagvormittag, der die Kameraden (bis auf einen alle nicht aus der Luftwaffe) mit den Möglichkeiten der Luftwaffe sehr beeindruckt hat.

Freitagnachmittag mussten sich die Reservisten aufteilen. Der ursprüngliche Plan an der Veteranenveranstaltung mit der 1./230 und ihrer Patengemeinde Schwangau teilzunehmen, konnte nicht umgesetzt werden. Die Pandemieauflagen der Gemeinde ließen für alle Beteiligten nur eine reduzierte Personenzahl zu. Ein Ersatzprogramm war schnell gefunden. Das Wetter schien mitzuspielen und so konnten sich einige Teilnehmer auf den Weg nach Rettenberg machen und den „Wächter des Allgäus“ zu erklimmen – den 1738 Meter hohen Grünten. Schließlich war am Sonntag drauf der Grüntentag, einem Gedenktag an die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt sowie an die Toten der Gebirgstruppe aus allen Nationen, der zurückgeht auf das Jägerregiment 3. Es war das erste deutsche Gebirgsjägerregiment, an dessen Gefallene und Tote seit 1924 am Jägerdenkmal auf dem Grünten erinnert wird.

Nach diesen sehr lehrreichen Führungen durch das Ausbildungswesen der Bundeswehr und den historischen Anteil konnten auch die Staus auf dem Rückweg am Samstag die Stimmung nicht trüben. Die Teilnehmer sind um einige Erfahrungen reicher und geben diese in ihrer Multiplikatorenrolle gerne innerhalb ihrer Reservistenkameradschaften weiter.

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