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Aus der Truppe

Im Brennglas der Kritik und abseits der Aufmerksamkeit

Viel wurde in letzter Zeit über die Bundeswehr geschrieben. Egal ob es um die Gorch Fock, Ausrüstungsmängel oder die Ministerialbürokratie des Verteidigungsministeriums ging, immer waren es Außenstehende, die über die Zustände in der Truppe berichteten.

Cover des Buches "Ich diene Deutschland" von Nariman Hammouti-Reinke.

Quelle: Rowohlt / Montage: spe

Jetzt legt mit Oberfähnrich zur See Nariman Hammouti-Reinke eine Soldatin ein Buch vor. „Ich diene Deutschland“ beschreibt, was sie von der Truppe hält, welche Erwartungshaltung sie gegenüber der Bundeswehr hat und was sie sich als Soldatin von der Gesellschaft wünscht.

Nariman Hammouti-Reinke ist Deutsche, Soldatin und Muslima. Sie vereinigt damit drei Eigenschaften auf sich, die für viele Menschen in einem Spannungsverhältnis zu stehen scheinen, wie sie anhand von Beispielen anführt. In ihren Ausführungen streift sie viele große und kleine Baustellen der Bundeswehr, schlägt einen Bogen von den Auslandseinsätze über die Personalwerbung bis hin zu Ausrüstungsmängeln. Doch es geht Reinke nicht darum, sich den einseitigen Kritiken an der Bundeswehr anzuschließen. Vielmehr macht sie sich zur Anwältin der Soldatinnen und Soldaten, die Mängel benennt, sich aber auch traut, für die Bundeswehr und ihren Auftrag Position zu beziehen. Sie will bei den Lesern Verständnis für die Soldatinnen und Soldaten wecken, die sich nicht als „Mörder“ verstanden wissen wollen, sondern aktiv für den Frieden eintreten.

Zwischen Denkschrift und Autobiographie

Das Buch setzt zwei erzählerische Schwerpunkte. Zum einen beschäftigt sich Hammouti-Reinke grundsätzlich mit der Bundeswehr, dem Verhältnis der Bevölkerung zu den Streitkräften und dem Soldat-Sein. Zum anderen adressiert sie Themen, die sie als Tochter marokkanischer Einwanderer auf besondere Weise beschäftigen, wie zum Beispiel die interkulturelle Kompetenz innerhalb der Streitkräfte. Erzählerisch bewegt sie sich in dem 255 Seiten umfassenden Buch entlang der Stationen ihres eigenen Werdeganges in der Bundeswehr. Der Leser kann dem chronologischen Aufbau des Werkes so gut folgen. Der autobiographische Erzählstil sorgt jedoch auch für Längen, vor allem dann, wenn es um die Schilderung von Ereignissen ohne Bezug zur Verfasstheit der Bundeswehr geht. Zu nennen wäre hier beispielsweise die Schilderung von Hammouti-Reinkes Erlebnissen als Mitglied der 16. Bundesversammlung.

Ein notwendiger Perspektivwechsel

Seit Aussetzung der Wehrpflicht haben viele Deutsche keine Berührungspunkte mehr mit der Bundeswehr. Die öffentliche Wahrnehmung der Bundeswehr wird in weiten Teilen durch die häufig negative Presseberichterstattung geprägt. Das vorliegende Buch eröffnet dem Leser eine Perspektive abseits des medialen Mainstreams.

Ein Beispiel: Ende Januar ist der Bericht des Wehrbeauftragten Hans-Peters Bartels erschienen. Hammouti-Reinke gibt zu bedenken, dass es Aufgabe des Wehrbeauftragten sei, auf Probleme in der Truppe hinzuweisen. Viel zu häufig werde der Grundtenor des Berichtes aber dafür herangezogen, den Zustand der Truppe in Gänze zu beschreiben. Ein richtiger, bei längerem Nachdenken fast banaler Hinweis, der die Bundeswehr aber in ein ganz anderes Licht zu rücken vermag.

Ihre Ausführungen profitieren von einer authentischen Betroffenheit, die vielen Akteuren in der politischen Debatte um die Bundeswehr fehlt. Auch wenn sie Delegierte der Bundesversammlung war und selbst Vorsitzende des Vereins „Deutscher.Soldat.“ ist, versteht sich Hammouti-Reinke zunächst als Soldatin und dann als politische Person. Deswegen gelingt es ihr, ihre Ansichten glaubhaft zu vermitteln.

Der Soldat ist Bürger in Uniform

„Ein Plädoyer für die Bundeswehr – und warum sie sich ändern muss“: so lautet der Untertitel des Buches. Es ist aber auch ein Appell an die Gesellschaft, ihre Haltung gegenüber der Bundeswehr zu ändern. Allzu häufig werde übersehen, dass die Bundeswehr nur mit dem Mandat des Bundestages in ihre Einsätze gehe und damit auch im Auftrag der deutschen Bevölkerung agiere. Im öffentlichen Raum müsse die Bundeswehr viel Kritik einstecken, werde aber selten ernsthaft verteidigt.

Die größte Leistung des Buches ist es daher, die Wahrnehmung der Leser zu verändern, indem es ihnen den Zugang zur Gedankenwelt einer Soldatin eröffnet. Es wirbt für Verständnis für den Menschen in Uniform und den Auftrag des Soldaten, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Damit ist es ein Buch, das vor allem von denjenigen gelesen werden müsste, die der Bundeswehr im besten Fall mit Gleichgültigkeit und im schlimmsten Fall mit Verachtung begegnen – nur diese Personengruppe wird es wohl leider nicht erreichen.

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