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Teil 2 der Jahrestagung: Es geht bergauf mit der Grundbeorderung




Blick in den Saal. Bei der Jahrestagung der Reserve stand die Umsetzung der Grundbeorderung im Mittelpunkt.

Foto: Vincent Mosch

Generalleutnant Markus Laubenthal spricht bei der Jahrestagung der Reserve.

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Oberst d.R. Prof. dr. Patrick Sensburg, Präsident des Reservistenverbandes.

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jahrestagungreserve

Nach einer ersten allgemeinen Standortbestimmung gestern Nachmittag (wir berichteten) ging es bei der Jahrestagung der Reserve der Bundeswehr heute mit den Fachvorträgen weiter. Vor allem die Umsetzung der Grundbeorderung (GBO) war dabei ein zentrales Thema. Denn von rund 15.000 Ausscheidern wurden bislang nur knapp 2.000 auch wirklich eingeplant, bei weiteren 2.200 läuft der Beorderungsprozess. Das ist das – zahlenmäßig – ernüchternde Ergebnis nach einem Jahr Praxiserfahrung. Doch es geht bergauf.

Oberst i.G. Peter Haupt, Leiter des „Reservistenreferats“ FüSK III 4 im Verteidigungsministerium, hat den Handlungsbedarf erkannt und sieht die Prozesse auf dem Weg der Besserung. Grundsätzlich geht es auch ganz schnell, wenn sich die Ausscheider und die Dienststelle einig sind. „Dann funktioniert die Einplanung innerhalb von wenigen Tagen“, weiß Haupt. Handlungsbedarf besteht jedoch dort, wo die ausscheidenden Soldaten durch das sprichwörtliche Netz gehen, etwa aufgrund fehlender Beratung, fehlender (Gesundheits-)Akten oder weil die Qualifikation einfach nicht zum vorgesehenen Dienstposten passt. „Hier muss die GBO stellenweise noch in den Köpfen ankommen“, sagt Haupt. „Wir haben die Grundbeorderung seinerzeit ja eingeführt, um die besten Leute möglichst schnell dort zu haben, wo sie gebraucht werden“, erinnert sich der Referatsleiter.

In diesem Gesamtprozess kommt auch das Bundesamt für Personalwesen der Bundeswehr (BAPersBw) ins Spiel, das die Strukturen für die Grundbeorderten schaffen muss. „Über Generationen war die Denke in der Bundeswehr ‚Pers folgt Org‘“, sagte Haupt. Soll heißen: Ich habe meine bestehenden Strukturen und fülle die Kästchen mit Namen. Nun ist es jedoch andersherum: Ich habe einen „Container“ mit den Namen der Grundbeorderten und muss nun die entsprechenden Strukturen dafür schaffen. Nach einer ersten Evaluierung stellt Haupt eine Verbesserung der Prozesse fest. „Es wird besser“, zeigt sich der Referatsleiter vorsichtig optimistisch.

Stellen sind da, um besetzt zu werden

Ein weiterer Faktor in dieser Gemengelage sind die Reservistenstellen (StellenRes). Bis 2027 sollen diese sukzessive auf 7.500 anwachsen. Übersetzt heißt das: An jedem Tag im Jahr leisten im Durchschnitt 7.500 Reservistinnen und Reservisten Dienst in der Bundeswehr. Davon sind 4.500 für den Grundbetrieb vorgesehen (Personalreserve). Weitere 2.100 Stellen werden für die Ausbildung und Übung der Grundbeorderten eingeplant, weitere 500 für den Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz nach dem aktiven Block (Verstärkungsreserve). Hinzu kommen 400 Stellen für Sondervorhaben. Diese Zahlen nannten in seinem Vortrag der Leiter des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, Kapitän zur See Alexander Willutzki.

Zudem stellte er die Verteilung der Stellen auf die jeweiligen Org-Bereiche vor. Die Verteilung erfolgt nach dem Bedarfsprinzip: Wer über die jeweils drei vergangenen Jahre stets 100 Prozent ausfüllt, bekommt in der Folge mehr. Wer Stellen zurückgibt, bekommt künftig weniger Stellen zugewiesen. Den Löwenanteil bekommt im kommenden Jahr das Heer (1.407 Stellen, plus 14 Prozent). Die bisher größte Bedarfsträgerin, die Streitkräftebasis, teilt die Stellen (von 1.285 im Jahr 2022 auf nun 631) künftig mit dem neu aufgestellten Territorialen Führungskommando (719). Und: Auch die notwendige IT sei vorhanden, sie müsse nur abgerufen werden, bekräftigte Willutzki. „Machen Sie Gebrauch von Ihren Möglichkeiten und füllen Sie die Stellen aus“, appellierte Generalleutnant Markus Laubenthal, Stellvertreter des Generalinspekteurs und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten, an die Entscheidungsträger.

Fehlende Akten ein großes Problem in der Praxis

Dafür müssen jedoch erst einmal die Unterlagen der (Grund-)Beorderten vollständig vorliegen. Nur rund ein Drittel aller Akten liegt den Dienststellen binnen drei Monaten vor. 45 Prozent der Akten haben eine Laufzeit von drei bis fünf Monaten und jeder fünfte Datensatz ist sogar noch länger unterwegs. Diese Zahlen nannte Kapitän zur See Patrick Pape, Leiter der Karrierecenters Berlin. „Wenn wir beordern sollen, dann muss das gesamte Paket vorliegen“, sagte er in einem Impulsvortrag zu den Erfahrungen mit der GBO.

Aus Bataillonssicht, konkret aus Sicht des Artillerielehrbataillons 345, sprach dessen Stellvertretender Kommandeur, Oberstleutnant Michael Schemel. In seiner Einheit habe der Ukraine-Krieg die Akzeptanz für die Grundbeorderung merklich erhöht. Anfangs habe das Prinzip der Freiwilligkeit dafür gesorgt, dass es unter den Ausscheidern keinen größeren Widerstand gegen die GBO gegeben habe. Allerdings konnte auch er von 80 Prozent potenzieller Kandidaten nur 20 Prozent auch wirklich einplanen. Auch hier waren lange Aktenlaufzeiten oder gänzlich fehlende Unterlagen der Hauptgrund. Dabei hat er noch die Idealbedingung, dass sich ein ehemaliger Spieß als „Dauerwehrübender“ quasi in Vollzeit um die Grundbeorderung im Bataillon kümmern kann.

Dass man die Grundbeorderung „nicht mal so nebenbei“ macht, bestätigte Oberstleutnant Michael Titz vom Kommando Sanitätsdienst. „Das ist eine Tätigkeit, die zu 100 Prozent durch hauptamtliches Personal auszufüllen ist.“ Von 1.600 Ausscheidern im vergangenen Jahr habe er 1.450 Beorderungsvorschläge generieren können, aber auch erst 400 tatsächlich eingeplant. „Hier ist es naheliegend, dass da noch Dokumente fehlen.“

Freiwilligkeit in den Fokus rücken

„Einfach mal machen – auch ohne Struktur“, so geht es die Marine an. „Wir wollen die blaue Marine mit ins Grüne nehmen, die Freiwilligkeit in den Fokus rücken“, sagte Korvettenkapitän Daniel Eierdanz, Inspekteur für Reservistenangelegenheiten im Marinekommando. In der Marine steht vor allem der Objektschutz im Mittelpunkt bei der Grundbeorderung. Von 397 Ausscheidern habe man 319 in die Personalreserve überführen können, von diesen aber auch 75 an andere Org-Bereiche abgegeben. „Viel mehr wissen wir jedoch nicht“, sagte Eierdanz zum Verbleib des Großteils.

„Genau diese Grauzone müssen wir nun angehen“, sagte Laubenthal in seinem Schlusswort. „Hier müssen wir jetzt genauer hinsehen, das darf im kommenden Jahr kein Problem mehr sein.“ Als zweiten Aspekt nannte er eine bundesweit standardisierte Ausbildung mit dem Sicherungszug als kleinsten gemeinsamen Nenner. Verbandspräsident Prof. Dr. Patrick Sensburg richtete seinen finalen Blick auf die Menschen in der Reserve. „Letzten Endes geht es um Motivation und Herzthemen. Das ist bei den Reservistinnen und Reservisten besonders wichtig, diese Motivation auch abzurufen.“

Weitere Themen bei der Jahrestagung waren unter anderem Personalführung und Reservistenberatung. Zudem nimmt die App der Reserve Fahrt auf. Im Zuge der Aufstellung des Heimatschutzregiments 2 in NRW sollen die Funktionen ausgiebig von zehn Reservedienstleistenden getestet werden. Die App soll Heranziehung, Arbeitgeberbescheinigung und Unterhaltssicherung in einer Anwendung bündeln. Zu Beginn hatte Oberst a.D. Harald Borst für den Beirat Reservistenarbeit beim VdRBw die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt und die Unterstützung der Beiratsverbände zugesichert.

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