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Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

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Jahrestagung Reservistenarbeit




  • Das Reservisten-ABC von Halle
  • Bundeswehr und Verband stecken in Halle die gemeinsamen Ziele ab

Wieder einmal haben am Wochenende in Halle Bundeswehr und Verband in konstruktiv-kritischer Manier bei der traditionellen Jahrestagung Reservistenarbeit das vergangene Jahr aufgearbeitet und die Weichen für die nächste Zukunft gestellt.
Den engen Schulterschluss bewiesen schon optisch die beiden Moderatoren: Generalleutnant Johann-Georg Dora, Stellvertreter des Generalinspekteurs, für die Bundeswehr und Präsident Ernst-Reinhard Beck MdB für den VdRBw. Dieser Geist zeigte sich auch in allen Vorträgen, Präsentationen und Diskussionen: Aktive Truppe und VdRBw arbeiten gemeinsam an der Einbindung der Reservisten in die neue Bundeswehr.
Vor allem Oberst i.G. Hans Hermann Paape, Referatsleiter im Führungsstab der Streitkräfte, verdeutlichte als "key speaker": Die Partner sind auf diesem Weg ein gutes Stück vorangekommen. Die Richtung stimmt, aber zum Ausruhen ist es noch zu früh. Und als roter Faden zog sich durch beide Veranstaltungstage: Die Bundeswehr braucht ihre Reservisten mehr denn je und bekundet das auch offen. Aber schon deshalb geht es ihr primär um beorderte Reservisten und um die Gewinnung der richtigen Reservisten für die Beorderung.
Unverändert schätzt sie auch die große Zahl der nicht beorderten Reservisten und arbeitet an Lösungen für deren Probleme, dies aber schon aus Kapazitätsgründen nicht mit derselben Intensität. Damit kann der Verband leben, muss aber permanent darauf drängen, dass die nicht beorderten Kameraden im Fokus bleiben.
Die Ergebnisse der Jahrestagung im Detail in unserem "Reservisten-ABC"!

Text: Michael Sauer

Das Reservisten-ABC von Halle

Anrechenbarkeit von DVags: Derzeit nicht möglich. Eine Änderung der Soldatenlaufbahnverordnung ist lt. Oberst Paape beabsichtigt. Bis zu 12 Tage sollen angerechnet werden können. Dies gilt aber nur für Zeiten in einer STAN-Verwendung.
Auftrag des Reservistenverbandes: Laut Bundesgeschäftsführer Fell ist er im jährlichen Haushaltsvermerk nachzulesen. Der VdRBw betreut demnach alle Reservisten und bildet sie zum Mittler in der Gesellschaft für die Belange der Bundeswehr fort.
Beförderung von nichtbeorderten Reservisten: Nach wie vor ist lt. Ministerialrat Ronald Braun eine Beorderung die Voraussetzung für Förderung und Beförderung. Der VdRBw macht sich stark dafür, dass Beförderungen ohne Beorderungen wenigstens innerhalb der Dienstgradgruppen (weil kostenneutral) ermöglicht werden – etwa vom OG zum HG.
Dienstpostenbeschreibungen für Reservisten in der ZMZ müssen lt. Oberst Paape überarbeitet werden, was die akademische Qualifikation von Reservisten angeht.
DVags gehen laut Inspizient Oberst Söllner zurück; 2007 waren es noch 1703 mit durchschnittlich 30 Teilnehmern. Offen bleibt: Ist der Rückgang nur eine Folge der genaueren Erfassung mit EVARES? Oder gibt es Abnutzungserscheinungen bei Reservisten? Wahrscheinlichster Faktor: Nichtgenehmigung angemeldeter Veranstaltungen aus Kapazitäts- oder Finanzgründen.
Einplanungserfolge: Etwas mehr als die Hälfte der insgesamt 95.000 benötigten Reservisten sind derzeit eingeplant. Hier muß nachgebessert werden.
Einweisungs-DVags für ziviles Führungspersonal erfolgen auch künftig mit dem vorläufigen Dienstgrad Oberleutnant.
FMF – eine wesentliche Verbesserung für die Förderung Militärischer Fähigkeiten sollen die insgesamt 33 Materialpools bringen, die bei Geschäftsstellen des VdRBw eingerichtet werden – vom Doppelfernglas bis zum Spiegel mit Stiel für den Checkpoint ist alles vorhanden.
Freiwilligkeit ist ein löblicher Grundsatz, erschwert aber das Reservistenleben. Den Reservisten wäre es in der Kommunikation mit dem Arbeitgeber lieber, die Bundeswehr würde einfach einziehen.
IBG – das Informations- und Beorderungsgespräch wird künftig in der Regie der Kreiswehrersatzämter durchgeführt. Problem: Nicht jeder, der sich engagieren will, wird benötigt. Nicht jeder, der benötigt wird, ist auch bereit.
Handbuch Energiesicherheit – das neu vom Verband herausgegebene Handbuch soll lt. VP Faul nicht im Bücherschrank verschwinden, sondern unverzüglich für sicherheitspolitische Veranstaltungen genutzt werden.
Hilfsorganisationen – mit ihnen arbeiten Reservisten zwar zusammen, sind ihnen aber nicht unterstellt. Geführt werden die Reservisten durch die aktive Truppe. Auch BVK und KVK haben mit Führung der Reservisten nichts zu tun – sie haben nur beratende und Verbindungsfunktion.
Kompetenzzüge: Würde man das Büdinger Modell (mit einem Kompetenzzug im Landkreis) auf ganz Hessen übertragen, würde man bei 26 Landkreisen dazu rund 1800 Reservisten benötigen. So jedenfalls Major Schmidt vom LdKdo Hessen.
Leuchtturmprojekt Büdinger Modell – vom Landeskommando Hessen werden die überwiegend positiven Erfahrungen referiert. Aber Oberst Paape weist auch darauf hin, dass die derzeitigen Ergebnisse noch nicht ausreichen, um über eine Weiterführung zu entscheiden. GL Dora: Wir können nicht vier weitere Jahre experimentieren.
Medical Trauma Teams: Etwa 270 niederländische Reservisten sind in diesen Teams im ISAF-Einsatz, jeweils sechs bis acht Wochen.
Mehrfach-Engagement kann ein Problem darstellen. Wer aktives Mitglied bei der Feuerwehr oder beim DRK oder THW ist, kann nicht beordert werden.
Nicht beorderte Reservisten – davon gibt es 1,2 Millionen – an sie richtet sich die freiwillige, beorderungsunabhängige Reservistenarbeit. Für  ihre Aktivitäten in der sicherheitspolitischen Bildung, in der FMF und zur Unterstützungsleistung erhält der Verband seine Zuwendungen aus Bundesmitteln.
Niederländische Reservisten: Es gibt 5600 freiwillige Reservisten in dem Nachbarland, das 1995 die Wehrpflicht abgeschafft hat.
Objektsicherung und Personenkontrolle stehen im Fokus der Jahresweisung 2008/09 für die FMF.
Problematik des Einsatzes der Bundeswehr im Innern lt. Präsident Beck: Bundeswehr kann, darf aber nicht – Polizei darf, kann aber nicht…
Reservistenausweise könnten nach Meinung von Präsident Beck durchaus auch das Foto des Inhabers und darüber hinaus auf der Rückseite einen UTE-Vermerk enthalten. Nicht nur ihn bekümmert es, dass es derzeit zu wenig Antragsformulare gibt. O-Ton Dora: "Wenn der Eindruck erweckt wird, dass der R-Ausweis nach Belieben ausgestellt wird, ist das falsch!"
Reservisten im Einsatz sind wie aktive Soldaten nach Darstellung von GL Dora in erster Linie Kämpfer und dann erst Diplomaten oder Vermittler.
Schießen ist lt. BGF Fell nach wie vor ein wichtiges Mittel zur Mitgliedergewinnung und -bindung: Mehr als 22.000 Mitglieder sind in über 400 RAGs/Schießsport aktiv.
Uniform-Trageerlaubnis: Es geht voran mit der lange erhofften Übertragung von Verantwortung an den VdRBw. Die neuen Regelungen sind fixiert und werden alsbald im VM-Blatt veröffentlicht. Kernpunkt: VdRBw und seine Gliederungen können für VVag UTE festlegen. Originalton Oberst Paape: "Bei UTE mahlen die ministeriellen Mühlen langsam, aber hoffentlich gut!"
Unterrichtung des Arbeitgebers ist nach wie vor Voraussetzung für eine Beorderung. Diese geht über drei Jahre und darf nur mit Zustimmung des Reservisten verlängert werden.
Verstärkungsreserve: dafür werden lt. MinRat Braun 46.000 Reservisten benötigt – knapp die Hälfte der insgesamt 95.000 Beorderten. 49.000 Reservisten sollen auf den  nicht struktur-gebundenen Dienstposten der Personalreserve beordert werden. Überwiegend geht es um Freiwillige.
Wehrübungen in den Streitkräften benachbarter Länder: Beorderte Reservisten mit Wohnsitz im Ausland sollen künftig bei Truppenteilen des Nachbarlandes üben können – zumindest läuft dazu ein deutsch-niederländischer Modellversuch.
Wehrverwaltung stellt lt. GL Dora rund die Hälfte der Reservisten im Auslandseinsatz – das relativiert etwas die Zahl von derzeit 7 Prozent Reservisten im Auslandseinsatz. An anderer Stelle wird kritisiert: Ausgerechnet die Wehrverwaltungen geben ihre zivilen Mitarbeiter nicht für Wehrübungen frei.

Text: Michael Sauer

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