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Kommentar: A. Gies zu Bundeswehr und Wehrpflicht




"Ein behäbiger Tanker"

Alexander Gies (42) ist Leiter der Außenredaktion Hünfeld der FULDAER ZEITUNG. Der Leitartikel des Obergefreiten d.R. zur Zukunft der Wehrpflicht wurde in der Gesamtausgabe der FZ veröffentlicht.

Die Bundeswehr ist ein behäbiger Tanker – und damit nichts besonderes im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Bereichen. Diesen Befund bestätigt der gestern vorgestellte Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe. Jahr für Jahr finden sich darin Klagen über die angeblich sinkende gesellschaftliche Akzeptanz der Soldaten, Mängel bei der Ausrüstung oder eine überbordende Bürokratie. Geändert hat sich trotz der zum Teil plastisch formulierten und absurd klingenden Schilderungen – wie etwa der sechswöchigen Wartezeit auf ein neues Paar Stiefel – wenig.
Wie auch? Wenn die Bundeswehr modernen Herausforderungen mit alten Mitteln beizukommen versucht, muss sie scheitern. Beispiel Ärztemangel: Es reicht eben nicht, den Weggang von 100 Medizinern im Sanitätsdienst zu beklagen, wo doch ohnehin schon 430 Planstellen nicht besetzt sind. Wenn Ärzte knapp werden, wie es ja auch in vielen Landstrichen Deutschlands mittlerweile der Fall ist, dann muss die Bundeswehr eben attraktiver werden und beispielsweise die Vergütung ihrer Militärärzte erhöhen. Die Armee ist bei der Suche nach Spezialisten vom Arbeitskräfteangebot so abhängig wie ein Wirtschaftsunternehmen.
Was zu einem zweiten Punkt führt: Dass die Zahl der Offiziersbewerber um 22 Prozent zurückgegangen ist, klingt erst mal dramatisch. In dem halben Jahrhundert Bundeswehrgeschichte ist es aber immer mal wieder vorgekommen, dass die Zahl der Bewerber aus den unterschiedlichsten Gründen schwankte. In der Hauptsache lag das an den allgemeinen Konditionen am Arbeitsmarkt. Und da im Laufe des nächsten Jahres mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist, wird – so befremdlich das klingen mag – die Bundeswehr als vergleichsweise sicherer Arbeitsplatz wieder an Attraktivität gewinnen.
Erschreckend ist vielmehr die neu aufgeflammte Diskussion um die Wehrpflicht, nachdem das Kölner Verwaltungsgericht die ungerechte Einberufungspraxis für verfassungswidrig erklärt hat. Sofort werden Stimmen laut, die eine "moderne Freiwilligenarmee" fordern. Doch die Bundeswehr braucht die Wehrpflichtigen: Aus dieser Gruppe rekrutiert sie mehr als die Hälfte ihrer Zeit- und Berufssoldaten. Der Grundwehrdienst ist für junge Menschen quasi ein Praktikum, in dem sie austesten können, ob sie "zur Truppe passen"; abgesehen davon, dass Wehrpflichtige für eine starke Verankerung der Armee in der Gesellschaft sorgen. Wenn es wirklich darum geht, die Wehrgerechtigkeit zu erhöhen, dann sollte lieber über eine Verkürzung der Wehrpflicht von neun auf sechs Monate nachgedacht werden. Das hätte mehrere Vorteile: Entlastet von den sonst üblichen Gammelmonaten nach der Grundausbildung, könnte in diesem halben Jahr eine intensive Schulung erfolgen. Der Bundeswehr wäre es zudem möglich, aus einem größeren Heer an Bewerbern geeignetere Zeit- und Berufssoldaten rekrutieren. Und kosten- und personalneutral wäre die Wehrdienstverkürzung auch noch. Denn an der Sollstärke von 250.000 Soldaten würde sich nichts ändern.

Text: Alexander Gies

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