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Die Reserve

Konkrete Pläne für die Territoriale Reserve

100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine steht den Streitkräften ein Paradigmenwechsel bevor. Wie viel von den Milliarden genau bei der Reserve ankommen soll, steht noch nicht fest. Während der Tagung der Reserve des Kommandos Territoriale Aufgaben ging es zunächst darum, wie insbesondere die Territoriale Reserve in Zukunft aussehen soll. In puncto Heimatschutz hat die Bundeswehr dazu konkrete Pläne.

Reservisten des Landesregimants Bayern bei einer Ausbildung im Sommer 2021.

Foto: Benjamin Vorhölter

heimatschutzterritoriale reserve

Wo kommen wir her? Was haben wir in den vergangenen Jahren gemacht? Wo wollen wir hin? Mit diesen Worten beschrieb der Gastgeber, Brigadegeneral Andreas Henne, in einfachen Worten das Programm der Tagung. Der Stellvertretende Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben und Beauftragte für Reservistenangelegenheiten eröffnete die Veranstaltung mit einem Hinweis zum Krieg in der Ukraine. Vor dessen Hintergrund konzentriere sich die Bundeswehr nun vorrangig auf den Auftrag Landes- und Bündnisverteidigung. Die Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus in Form von Amtshilfe-Kontingenten wurde beendet. Amtshilfe durch die Bundeswehr gebe es nur noch innerhalb des Regelbetriebs – wir berichteten. Das heißt, der Kernauftrag hat nun oberste Priorität.

Die Bundeswehr wird nun stärker an den EU-Außengrenzen gebunden sein. Dementsprechend müssen die Soldatinnen und Soldaten für diesen Auftrag gut vorbereitet, ausgebildet und einsatzbereit sein. „So bitter der Krieg in der Ukraine einerseits ist. Andererseits schärft er das Bewusstsein, dafür Vorsorge zu tragen, dass die Reserve die aktive Truppe wirksam unterstützen kann“, sagte Oberst i.G. Peter Haupt, Leiter des Referats Führung Streitkräfte III 4 im Bundesministerium der Verteidigung, das zuständig ist für Reservistenangelegenheiten. Die Reserve müsse wieder für die Landes- und Bündnisverteidigung befähigt werden.

Dabei will das Verteidigungsministerium nun das Momentum des 100 Milliarden schweren Sondervermögens nutzen und einige Prozesse beschleunigen. Zum Beispiel beim Thema Personal: In diesem Jahr stehen 5.000 Stellen für Reservistinnen und Reservisten zur Verfügung. Vor zwei Jahren waren es 500 Stellen weniger. Aufgrund der Amtshilfe im Kampf gegen das Coronavirus hatte die Bundeswehr für 2021 auf die 4.500 Stellen noch einmal ein Sonderkontingent von 1.000 draufgepackt.

Reservistenverband fordert 10.000 Reservistenstellen

Wie geht es nun weiter? Gemäß der aktuellen Planungen soll es für den Grundbetrieb (Dienstposten der Personal- und Verstärkungsreserve) 4.500 Stellen geben. Um grundbeorderte Reservisten in Ausbildung halten zu können, soll es jährlich einen Anstieg um 500 Stellen geben. Die Grundbeorderung dauert sechs Jahre, somit wäre nach diesem Zeitraum ein Plateau von 7.500 Stellen für Reservisten erreicht. Das würde ermöglichen, dass Grundbeorderte mindestens 14 Tage im Jahr üben können, erläuterte Oberst i.G. Haupt. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass dieser Plan allerdings noch von der Ministerin gebilligt werden müsse. Der Reservistenverband hingegen fordert 10.000 Stellen für Reservisten. Wer mehr Stellen haben wolle, müsse an anderer Stelle einsparen oder den militärischen Personalkörper insgesamt anheben, erläuterte Haupt. Derzeit ist eine personelle Stärke von 203.300 Soldatinnen und Soldaten inklusive Reservisten vorgesehen.

„Wir wollen eine einsatz- und kampfbereite Reserve“, bekräftigte auch Oberst Wilhelm Neißendorfer, Leiter der Abteilung VI im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw), die für sämtliche Personalprozesse für Reservisten zuständig ist. Seine Abteilung registrierte bis März dieses Jahres 955.325 Reservistinnen und Reservisten, die der Dienstleistungsüberwachung unterliegen. Davon sind 31.581 beordert. Knapp die Hälfte dieser beorderten Reservisten üben jedes Jahr. „Das ist eigentlich zu wenig“, stellte Oberst Neißendorfer fest. Er räumte aber ein, dass viele Dienstposten für die Reserve erst noch geschaffen werden müssen. Einige Strukturen in den Teilstreitkräften seien noch nicht vollständig ausgeplant. Zudem sei die ständige Verfügbarkeit von Reservisten grundsätzlich ein Problem, da Reservistendienst freiwillig sei und es einer Freistellung der Arbeitgeber bedürfe.

Neuorganisation nimmt Fahrt auf

Im Heimatschutz sollen die Strukturen in den nächsten Jahren Form annehmen. Oberst d.R. Stefan Helmut Berger, früherer Kommandeur des Landesregiments Bayern, berichtete über den erfolgreichen Abschluss dieses Pilotprojekts. Das Landesregiment wurde nun Ende April zum Heimatschutzregiment 1 umbenannt – hier nachlesen. Es ist die Blaupause für vier weitere Regimenter, die die Bundeswehr aufstellen möchte. Insgesamt fünf Heimatschutzregimenter, die einem jeweiligen Landeskommando unterstellt sind, bedeuten 42 Heimatschutzkompanien und Unterstützungselemente. Diese will die Streitkräftebasis bis 2025 mit Leben füllen. Ausgebildet werden sollen die Soldatinnen und Soldaten der Heimatschutzkompanien auf jeweils fünf regionalen Ausbildungsstützpunkten und einem zentralen Ausbildungsstützpunkt.

Da nun auch die Luftwaffe, die Marine und die Sanität eigene Wach- und Sicherungskräfte mit jeweils spezifischen Anforderungen ausbilden, sei es sinnvoll, darüber nachzudenken, inwiefern man an einem zentralen Ausbildungsstützpunkt im Wirkverbund Sicherungskräfte ausbilden könne. Eine erste Grundlage dazu schaffe bereits eine neue Richtline zum „Streitkräftegemeinsamen Abholpunkt für die Ausbildung“, erläuterte Oberst i.G. Peter Haupt. Damit werde die Voraussetzung geschaffen, dass jede Soldatin und jeder Soldat bis zum Ende seiner Dienstzeit für Wach-, Sicherungs- und Objektschutzaufgaben ausgebildet sein müsse, damit man mit diesen Fähigkeiten in die Grundbeorderung wechseln könne. Das Konzept betrifft insbesondere die Absolventen des Freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz, den das Verteidigungsministerium als Erfolg wertet.

Chance für Mannschaften und „Uffze“

Das nächste Heimatschutzregiment soll in Nordrhein-Westfalen aufgestellt werden. Die Strukturen, zumindest in der Territorialen Reserve, sind da. „Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Ich ermutige die Jüngeren, sich verschiedenen Karrieren zu stellen“, sagte Oberst Neißendorfer. Er wies mit seinem Appell darauf hin, dass die Reserve aufpassen müsse, nicht zu überaltern. Wie attraktiv Reservistendienst im Heimatschutz sein kann, berichtete Obergefreiter Votteler aus eigener Erfahrung. Ferner blickte Oberst i.G. Armin Schaus, Leiter der Abteilung Einsatz im Kommando Territoriale Aufgaben, während der Tagung auf die Amtshilfe-Einsätze zurück und gab einen Ausblick auf kommende Aufgaben im Zusammenhang mit der Verlegung von Bundeswehr-Einheiten an die EU-Außengrenze sowie Host Nation Support.

Brigadegeneral Andreas Henne beendete schließlich die Tagung, nicht ohne noch einmal auf das Engagement der Reservistinnen und Reservisten in der Corona-Hilfe, bei der Unterstützung im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest und weiterer Reservistendienste einzugehen: „Ich möchte mich herzlich für Ihre Einsatzbereitschaft bedanken!“

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