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Krawallnudel in Uniform: Ausbilder Schmidt




Comedy-Star Ausbilder Schmidt ist seit Januar neues Mitglied im Reservistenverband. Sein Vorsatz für das neue Jahr: die Sau rauslassen. Eigentlich sei Ausbilder Schmidt aber ein normaler Typ, sagt sein Schöpfer, Schauspieler Holger Müller im Interview mit dem Reservistenverband.

Reservistenverband: Wie wurden Sie Mitglied beim Reservistenverband?

Holger Müller: Ich bin auf der Jubiläumsfeier der Reservistenkameradschaft Ramstein aufgetreten. In der Pause gab es Zuschauerfragen an Ausbilder Schmidt, einer fragte, ob ich nicht Mitglied im Verband werden wolle. Ich stand auf der Bühne und habe spontan ja gesagt. Ich bin Obergefreiter der Reserve. Meinen Wehrdienst habe ich 1989 bei der Luftwaffe gemacht, in Erndtebrück. Ausbilder Schmidt hingegen hat keinen Dienstgrad. Er wurde ja nie befördert (lacht).

Sie sind mit Ausbilder Schmidt und einem neuen Bühnenprogramm, "Schlechten Menschen geht es immer gut" unterwegs. Worauf darf das Publikum gespannt sein?

Der Name des Programms ist so etwas wie eine Floskel, wenn jemand fragt, wie es einem geht, heißt es manchmal als Antwort: "Schlechten Menschen geht es immer gut!" Ausbilder Schmidt ist als Drecksack der Nation bekannt und in diesem Programm gibt er Tipps, wie man im Alltag ein klein wenig gemeiner und boshafter werden kann. Ein Beispiel: Warum nicht mal einen Porsche Cayenne ausleihen und hinten den folgenden Aufkleber anbringen: "Hauptschule ’86 – Geht doch!" Warum nicht mal die Sau rauslassen? Das spart Zeit und ist ein Gegentrend zum Gutmenschen in der heutigen Gesellschaft.

Dann ist Ausbilder Schmidt mit den Jahren kein bisschen sanftmütiger geworden.

Ganz im Gegenteil. Ausbilder Schmidt hat zwar eine harte Schale, aber auch einen weichen Kern. Er hat auch Schwächen und die kommen auch im Bühnenprogramm rüber. Es wäre ein Unding für das Publikum, sich zwei Stunden lang von einem harten Kerl anbrüllen zu lassen. Irgendwann wird das langweilig.

Welche Schwächen hat Ausbilder Schmidt denn?

Er ist, wie er ist und er gibt es auch zu. Er hat sich ein knüppelhartes Image zugelegt, das er nicht immer aufrechterhalten kann. Sein Sohn findet zum Beispiel sein altes Poesiealbum, das Ausbilder Schmidt in seinen jungen Jahren hatte. Oder: Auf der Bühne ärgert er sich mit dem Tontechniker herum, der statt Marschmusik Madonnas "Hung Up" spielt. Ausbilder Schmidt tanzt dann eben zu Madonna, er besitzt ja ein unglaubliches Tanzbein. Er ist ein ganz normaler Typ, mit Frau und Kind, er hat eben diesen Tick, dass er den ganzen Tag eine Uniform trägt.

Wieviel Holger Müller ist in Ausbilder Schmidt drin? Ist Ausbilder Schmidt womöglich Ihr Alter Ego?

Ausbilder Schmidt ist zu hundert Prozent eine Kunstfigur. Er hat sich natürlich über die Jahre verändert, ist gewachsen. Früher war er sehr statisch auf der Bühne, heute ist er mehr im Erzählmodus, bewegt sich mehr. Im realen Leben würde es so eine Figur aber gar nicht geben. Ich habe genug Abstand zu ihm. So bleibt meine Spielfreude erhalten, ich spiele jemand, der ganz anders ist als ich. Komiker sind Menschen, die nicht dauerlustig sind. Die besten Komiker sind abseits der Bühne sogar sehr ernst, in der Branche sagen wir, dass sie zum Lachen in den Keller gehen. Mich würden Sie als Ausbilder Schmidt auch nicht auf der Straße erkennen. Wahrscheinlich würden Sie denken, "was für ein langweiliger Typ" oder "studiert wohl BWL im 120. Semester". Das hat auch Vorteile. Viele meiner Kollegen haben ihr Leben komplett umbauen müssen, nachdem sie bekannt geworden sind. Sie werden auf der Straße erkannt, beim Bäcker angesprochen, sind keine Privatpersonen mehr. Das kann ich mit meiner Kunstfigur zum Glück umgehen.

Woher bekommen Sie Ideen für Ihr Bühnenprogramm? Sind das Erfahrungen, die Sie im Wehrdienst gesammelt haben?

Eigentlich weniger. Ausbilder Schmidt ist ja nicht zu hundert Prozent militärisch. Er ist es höchstens zu 15 Prozent. Alles andere sind Alltagssituationen, mit seinem Sohn auf dem Spielplatz, zum Beispiel. Natürlich liefert die Bundeswehr auch schöne Themen, dass mit von der Leyen eine Frau das Verteidigungsministerium führt, zum Beispiel. Oder wie sich die Ausbildung bei der Bundeswehr verändert hat, Stichwort Fitnessstandards, auch ein schönes Thema. Oder Frauenpower. Ausbilder Schmidt wird mit einer Ausbilderin konfrontiert, die noch härter ist als er. Oder er gründet eine Männergruppe, weil er sich durch diese ganze Frauenpower diskriminiert fühlt. Diese Themen sind sehr ergiebig, was Humor angeht. Etatprobleme der Bundeswehr oder die Diskussion über Drohnen, da ist alles in zwei Sätzen gesagt, da ist keine Spannung, aus der Humor entstehen kann.

Frau als Chef, gelockerte Ausbildungsstandards, Freiwilligenwehrdienst: Da kam auf Ausbilder Schmidt in letzter Zeit viel zu.

Ja, das ist der absolute Horror für ihn. Aber für mich ist es super. Ich komme zu Themen, bei denen Ausbilder Schmidt auch mal ungeniert draufhauen kann. Von der Leyen, zum Beispiel. Weiter kann die Welt zwischen einer weiblichen Verteidigungsministerin und Ausbilder Schmidt nicht liegen.

Wie wird man Comedian? Gibt es eine Ausbildung dafür?

Comedians müssen ihr Handwerk lernen und richtig viel Bühnenerfahrung sammeln. Wenn die Zuschauer einen Neuankömmling bei Sendungen wie "Nightwash" sehen, denken sie, super, erster Auftritt. Dabei hatte ich zum Beispiel schon zig Auftritte bei Kleinkunstabenden oder Wettbewerben. So ein Sketch auf der Bühne muss mindestens 30 oder 40 Mal gespielt werden, bis das Timing stimmt. Bei Comedy-Programmen ist vor allem das Publikum Regisseur: Sie bestimmen, ob eine Pointe angekommen ist. Es gehört also ganz viel Handwerk dazu, aber auch Talent und Begabung. Ich habe die Comedy-Schule in Köln besucht, das war damals eine Kooperation zwischen RTL und dem Land Nordrhein-Westfalen. Schirmherr war der gute, alte Rudi Carrell. Die Schule hat viele Genres abgedeckt: Straßentheater, Improvisation, Bewegung. Ich habe mich manchmal gefragt, wozu brauche ich das alles, aber später habe ich davon profitiert. Jungen Comedians würde ich raten, ganz viel zu spielen und auf der Bühne zu sein und über den Tellerrand zu schauen.

Wollten Sie schon immer Comedian werden? Ist das Ihr Beruf fürs Leben?

Ja, schon in meiner Jugend. Ich habe schon damals in meiner Freizeit Jugendtheater gespielt und währenddessen eine sterbenslangweilige Lehre gemacht. Während die anderen Jugendlichen Fußball gespielt haben, habe ich auf der Bühne gestanden. Mein Hobby ist heute mein Beruf. Das hat den Nachteil, dass ich kein Hobby mehr habe und mir ein neues Hobby als Ausgleich suchen muss (lacht).

Ein Ausgleich zu Ausbilder Schmidt? Vielleicht Batik?

Oder Töpfern in der Toskana! (lacht)

Was wünschen Sie unseren Lesern für das kommende Jahr?

Natürlich ein frohes neues Jahr! Und wenn es nach Ausbilder Schmidt ginge, ab und an mal die Ellbogen ausfahren. Der Oma an der Ampel nicht helfen, sondern einfach mal ihre Gehhilfe mitnehmen. Nein, das war natürlich ein Scherz! (lacht)
 

Das Interview führte Andelka Krizanovic

Bild oben: Ausbilder Schmidt ist als "Drecksack der Nation" bekannt,
sagt sein Schöpfer Holger Müller (Foto: Falko Wenzel).

Bild unten: Harte Schale, weicher Kern – das ist Ausbilder Schmidt
(Foto: Timo Müller).

Holger Müller ist mit Ausbilder Schmidt auf Tour.

Eine Kostprobe aus dem neuen Bühnenprogramm “Schlechten Menschen geht es immer gut”:

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