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Kriegsalltag ungeschminkt: Tagebuch aufbereitet




Ernst Marburgers Aufzeichnungen verleihen einer teuflischen Fratze ein menschliches Antlitz. Verbandsmitglied Herbert Bäumer hat aus 72 vergilbten Blättern das Kriegstagebuch des Kaan-Marienborner Unteroffiziers rekonstruiert und mit bislang unveröffentlichten Originalfotografien sowie Kartenmaterial versehen. Jetzt ist es als Buch erhältlich.

Die Notizen umfassen den Zeitraum vom 21. März 1942 bis zum 18. Mai 1943, einem Dienstag. Das vielleicht Erschreckendste ist die Normalität des Grauens – der Versuch geregelter Abläufe in einer Welt, in der fast sämtliche Regeln eines friedlichen Zusammenlebens außer Kraft getreten sind. Die Aufzeichnungen beschreiben den Weg des damaligen Siegener Infanterieregiments 57 vom sonnigen Frankreich bis zu seiner Vernichtung in Russland. Im letzten Eintrag ist zu lesen: "Ich schließe das Buch in später Abendstunde, in kampfgefüllten Stunden. Möge mir mit Gottes Gnade das Glück beschieden sein, diese Aufzeichnungen gesund in der Heimat im Frieden nachzuschlagen. Wenn anderes beschlossen ist, dann war es der Wille Gottes." Ernst Marburger – geboren am 19. Dezember 1915 in Kaan-Marienborn – starb am 23. Januar 1945 während der Ardennen-Offensive, kurz nach seiner Beförderung zum Oberfeldwebel. Sein Grab befindet sich im luxemburgischen Sandweiler.

Dunkle Zeit
Vier Jahre benötigte Herbert Bäumer für die akribische Aufbereitung dieses bedrückenden Dokuments der Zeit- und Heimatgeschichte. Herausgekommen ist – gerade wegen all der Schonungslosigkeit – eine eindringliche Mahnung gegen Krieg und Gewalt. Die täglichen Notizen und tiefsinnigen Gedichte Ernst Marburgers lassen einen Hauch dessen spüren, was einfache Soldaten in jener dunklen Zeit während des Russlandfeldzugs gefühlt und erlebt haben. Zugegeben: eine einseitige Sichtweise derer, die unsägliches Leid über andere Länder gebracht haben.

Tagebuchschreiber fand Kraft im Glauben
Unweigerlich stellen sich Fragen ein. Etwa: Wie kann ein Mensch mit dem Karabiner in der Hand und dem Geschütz an seiner Seite die Hände zum Gebet falten? Derlei Gedanken hat sich zweifellos auch der Siegener Autor bei der Zusammenstellung gemacht. "Einige der Ausführungen", heißt es im Vorwort, "werden sicher auf Unverständnis stoßen, Abscheu erzeugen. Hier rufe ich die Zeit in Erinnerung, in der das Dokument entstanden ist. Sie war geprägt von Diktatur, Gewalt und Gesetzlosigkeit. Der tägliche Kampf ums Überleben ließ die Menschen verrohen. Dennoch fand Ernst Marburger immer wieder Kraft im Glauben."

Unterstützung bei Recherchen
Als wichtige Stütze bei seinen Recherchen und Zusammenstellungen nennt Herbert Bäumer, der langjähriger Vorsitzender der Landesgruppe NRW war, unter anderem Karlhans Weidt, selbst ehemaliger Angehöriger des Infanterieregiments 57 und profunder Kenner der Siegener Garnisonsgeschichte. Dem im Jahr 2010 Verstorbenen hat Bäumer das Tagebuch gewidmet. Die Ehre des ersten Exemplars gebührte derweil Ernst Marburgers jüngerem Bruder Erhard (81).

Das Buch, das sicherlich für einigen Gesprächsstoff sorgen dürfte und auch soll, ist ab sofort zum Preis von 25 Euro erhältlich. Es kann zum Beispiel im Online-Shop der Siegener Zeitung (http://goo.gl/3TavU5) gekauft werden.


Peter Helmes

Bild oben: Das erste Exemplar des Buchs überreichte
Herbert Bäumer (rechts) an Erhard Marburger,
Bruder des Tagebuchschreibers (Foto: Christian Hoffmann).

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