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Leb wohl mein Bräutchen – Dokumente des Ersten Weltkriegs




Tief hat sich der Erste Weltkrieg in das kollektive Gedächtnis gegraben, insbesondere der westlichen Welt. Gleichzeitig wirkt diese Zeit jedoch, immerhin 100 Jahre her, fern und fremd. Zeitzeugen gibt es kaum noch. Das Projekt Europeana 1914 – 1918 sammelt nun weltweit Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, um sie in digitaler Form frei verfügbar zu machen – unter dem Motto: Entdecken. Lernen. Recherchieren. Nutzen. Teilen.

Johannes Biermann kämpfte als deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg. 1917 wurde ein Foto von ihm mit Uniform und Waffe aufgenommen. Im Juni 1918 starb er. John O´Brien war Ire. Als er fiel, war seine Tochter neun Monate alt. Auf einer Landstraße in Galizien werden 1915 Lafetten mit Kanonen gezogen, ein Mann mit Gehstock dreht sich nach ihnen um. Acht Offiziere stehen vor einem Zug, unter das Foto schrieb jemand: "Fahrt nach B.L." Unzählige Namen, unzählige Orte, unzählige Geschichten. "Es ist eine einzigartige Sammlung von teils unbearbeitetem Material – mal selten und besonders wertvoll, mal fragil, aber vor allem kaum bekannt", sagt Jil Cousins, Direktor von Europeana. "Wir möchten alle ermutigen – ob Lehrer, Wikipedianer, App-Entwickler – unsere riesige virtuelle Sammlung zu nehmen und neue Inhalte daraus zu erzeugen. Nahezu alle Dokumente sind frei verfügbar."

Jeder kann mitmachen
Auf Europeana 1914 – 1918 kann jede Person weltweit ihre ganz persönlichen Erinnerungen, und die ihrer Vorfahren, teilen. Ihre Geschichten nehmen einen besonderen Stellenwert ein: Das Projekt sammelt fortlaufend private Briefe, Fotos und Erinnerungsstücke aus dem Ersten Weltkrieg. Bislang haben in zwölf Ländern Aktionstage stattgefunden, um Materialien von Privatpersonen zusammenzutragen. Über 80.000 digitale Dateien und mehr als 7.000 persönliche Geschichten sind so bisher zusammengekommen. Jeder kann sich auf der Seite anmelden und leicht online seine persönlichen Zeitdokumente der Allgemeinheit frei zur Verfügung stellen.

Staatsbibliotheken und Filmarchive beteiligen sich
Außerdem stellt die Seite Material aus mehreren internationalen Sammlungen zur Verfügung. So hat das verwandte Projekt Europeana Collections 1914 – 1918 (Sammlungen von Staatsbibliotheken) eine umfangreiche Sammlung von mehr als 400.000 digitalisierten Dokumenten beigesteuert – darunter Bücher, Zeitschriften, Landkarten, Fotos, Poster, Medaillen und Münzen. Das Projekt European Film Gateway 1914 (Sammlungen von Filmarchiven) stellt darüber hinaus rund 660 Stunden digitalisierte Filme und über 5.600 filmbezogene Materialien online.

Erkundungstour
Mit einem Klick auf "Erkunden" geht für den Besucher die Reise los. Postkarten, Briefe, Tagebücher, Fotos, Filme und offizielle Dokumente können frei aufgerufen werden. Auch nach Themen wird sortiert: "Frauen", "Propaganda", "Gedenken", "Kriegsgefangene" oder "Leben im Schützengraben" – eine Fundgrube, mit dem Ziel, den Krieg aus den unterschiedlichsten Perspektiven digital zu zeigen. Kulturstaatsministerin Monica Grütters sagte anlässlich des Starts des Portals: "Europeana 1914 – 1918 illustriert eindrucksvoll, wie die einstige Zerrissenheit Europas heute in Zusammenarbeit mündet." Das heutige Europa sei, so Grütters, die Antwort auf den Weltkrieg. Unterstützt wird das Projekt zum Beispiel von der Europäischen Union, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Bundesregierung.

100 Jahre Erster Weltkrieg
Der Hintergrund: 2014 jährt sich der Erste Weltkrieg zum 100. Mal. Überall auf der Welt, besonders in Europa, erinnern Veranstaltungen an die große Tragödie. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. unterstützt das Portal. Auf einer eigenen Webseite bietet der Volksbund außerdem eine Veranstaltungsübersicht zu dem Thema an – wir berichteten.
 


(dh)

Bild oben:
Die deutsche U-1 in voller Fahrt
(Quelle: Dr. Hans Andreas Schönfeldt, Europeana).

Bild mitte:
Der Soldat John O´Brien fiel im Ersten Weltkrieg
(Quelle: Thomas Weldon, Europeana).

Bild unten:
Ein Postkartenbild aus der Zeit des Ersten Weltkriegs:
"Leb wohl mein Bräutchen. Weit fort, fort übern deutschen Rhein!
Dabei muß dein Geliebter sein." 
(Quelle: W. Holscher, Europeana).

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