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Eine neue Vorschrift, die "das äußere Erscheinungsbild der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr" regelt, ist in aller Munde. Die Zentrale Dienstvorschrift A-2630/1 tritt am 1. Februar in Kraft. Sie soll klare Regeln schaffen, wie Regenschirme, Schmuck oder Tattoos zu tragen sind. In der vergangenen Woche hat das eine rege Diskussion in Gang gesetzt. Der Reservistenverband wollte wissen, was den Reservisten unter die Haut geht – und stellte dabei fest: Viele Motive haben ihren Ursprung in der Truppe. Zahlreiche Reservisten haben ihre Geschichte erzählt, exemplarisch stellen wir fünf von ihnen vor. Mit einem Kommentar von Andelka Krizanovic.

Lisa Kreutzmann:
Mein erstes Tattoo habe ich mir 2010 während meiner Grundausbildung stechen lassen: eine Blüte am linken Handgelenk. Sie ist für mich ein Symbol des Lebens. 2010 war für die Bundeswehr ein Jahr mit vielen Verlusten, man hat jeden Tag aufs Neue die Anspannung gespürt und das Geschehene hat aufgewühlt. Als junge Soldaten wurden wir schnell mit dem konfrontiert, was wir nur aus den Medien kannten. Die Blume steht für das blühende Leben aber auch für die Vergänglichkeit. Auch die schönste Blume verblüht eines Tage. Dieses Tattoo steht für mich für Wertschätzung und das auskosten jeden einzelnen Tages. Das Motiv auf meinem rechten Unterarm ist ganz der Bundeswehr und meinem Leben gewidmet. Dort steht in Latein: "Jetzt und hier, wider besseren Wissens, immer treu. Das Leben ist ein Kampf. Sicherheit. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland." Es steht für meine Überzeugungen, für die ich einstehe.

Wolfgang Ottmar Baisch:
Seit meiner Wehrdienstzeit 1978 bei der Marine habe ich auf meinem linken Unterarm eine Anker-Tätowierung. Dies war damals einfach so üblich und hier in Süddeutschland*  hat man sich ganz gerne als harter Seemann mit Tätowierung zu erkennen gegeben. Es waren auch einmal zwei Buchstaben eintätowiert, natürlich die Initialen meiner damaligen Freundin. Durch eine Brandwunde habe ich dann einen Buchstaben verloren war aber nicht so schlimm denn als ich nach meiner Wehrzeit zur Handelsmarine ging und Anfang der 1980er Jahre die Weltmeere als Maschinenmann befuhr war dann die Freundin auch weg. Jeder kennt mich seit dieser Zeit mit Tätowierung als Seemann und ich könnte es mir ohne gar nicht mehr vorstellen. Ich habe nur diese eine Tätowierung und hatte niemals ein Problem damit – weder privat noch im Beruf. Bei der Handelsmarine hätte man mir sowieso eine Tätowierung verpasst aber da ich schon eine hatte, wurde ich in Ruhe gelassen. Es war in den 1970er und 1980er Jahren einfach üblich sich per Tätowierung zur Seefahrt zu bekennen, es mussten allerdings maritime Motive sein nicht irgendetwas Beliebiges. *(Anm. d. Red.: Baisch ist Vorsitzender der RK Giengen/Brenz)

Michael Hocevar:
Ich habe auf meinem Unterarm "Semper Fidelis" tätowiert (Bild oben). Das soll mir stets bewusst machen, dass ich mir "immer treu" bleibe und so bleibe wie ich bin. Was ich erst später  eher zufällig erfahren habe: Semper Fi ist auch der Wahlspruch der US Marines. Des Weiteren habe ich auf meiner Brust meine Personenkennziffer und ein Eisernes Kreuz stechen lassen, das mich immer an meine Zeit bei der Bundeswehr erinnert. Diese Zeit hat mich für mein weiteres Leben sehr geprägt.

Dennis Hofmann:
Ich war als Zeitsoldat (SaZ4) in einem Panzergrenadierbataillon zweimal im Einsatz. Das erste Mal 2006 als Operational Reserve Force im Kosovo. Nach dem Einsatz habe ich mir das rechte Tattoo stechen lassen, weil ich in diesem Einsatz oft an meine eigenen Grenzen gekommen bin und deshalb auch meine "dunkle Seite" ans Licht kam. 2008 folgte der Isaf-Einsatz in Faisabad. Ich bin zwar nicht gläubig, allerdings hatte ich vor diesem Einsatz einen riesigen Respekt. Daher entschied ich mich vor dem Marschbefehl für ein Tattoo, das den Erzengel Michael zeigt. Dieser Patron des Militärs sollte bildlich gegen meine "dunkle Seite" kämpfen.

Der Einsatz war natürlich nicht weniger fordernd als der im Kosovo, aber ich war eine verlässliche Stütze in meinem Zug, wurde vorzeitig befördert und bekam einen Bestpreis. (Eine förmliche Anerkennung lehnte ich nach meiner Beförderung ab, da ich der Überzeugung war, dass andere Kameraden in meinem Zug noch bessere Leistungen zeigten als ich) Aberglaube oder nicht – die Bedeutungen meiner Tattoos sind mir wichtig und im Nachhinein glaube ich, dass sie ihren Zweck nach bzw. während der Einsätze erfüllt haben.

Lukas Zacker:
Das Tattoo habe ich mir nach meinem Dienst stechen lassen und der Spruchband ist als Erinnerung an die Zeit in Bad Salzungen gedacht. Das Spruchband heißt "fortiter in re", ist Lateinisch und bedeutet "Stark in der Sache". Es war der Kompaniespruch der 2./Panzerbataillon 393.

Die Redaktion bedankt sich bei allen Einsendern fürs Mitmachen – auch bei denen, deren Einsendungen hier nicht veröffentlicht wurden.

Zu unseren Fragen an das Bundesministerium der Verteidigung, ob sich zum Beispiel aus der neuen Vorschrift Einstellungshemmnisse ergeben, haben wir inzwischen eine Antwort erhalten. Mehr dazu am Mittwoch auf archiv.reservistenverband.de!

(red)


Bekenntnisse zur Bundeswehr nicht verstecken

Kommentar von Andelka Krizanovic

Es gibt Tattoos und es gibt Tattoos.  Flüchtige Modetrends wie Herzen, Sterne oder sinnlose chinesische Zeichen. Bilder, die der Träger genauso bedauert wie die vergangene Liebschaft, die sie darstellen.

Die Bundeswehr schiebt diesem Modetrend den Riegel vor. Tattoos passen nicht zur Uniform, zum korrekten Erscheinungsbild eines jeden Soldaten, heißt es. Doch ein Blick auf die Tattoos unserer Leser und Reservisten zeigt: Es ist die Verbundenheit zur Bundeswehr, die Erfahrungen und Erinnerungen als Soldatinnen und Soldaten, die ihnen unter die Haut gehen. Als Tattoos.

"Immer treu", "ich bin gerne Seemann", "dieser Einsatz hat mein Leben geprägt". Das sind persönliche Bekenntnisse zur Bundeswehr in Form von Tattoos, weitaus persönlicher als eine Uniform. Denn: Ein Soldat kann eine Uniform ablegen. Mit dem Tattoo ist es schwieriger.

Jetzt sollen auch diese Bekenntnisse mit Theaterschminke retuschiert werden, damit sie nicht sichtbar sind. Doch sie werden von stolzen Bekennern zur Bundeswehr getragen. Was für ein Theater.

Fotos (alle):
Privat, freigegeben für die Veröffentlichung
in den Medien des Reservistenverbandes.

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