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Loyal – Titelthema des Monats Januar 2013




Am Hindukusch stellen sich die Menschen auf die Zeit nach dem Abzug der westlichen Truppen ein. Eine Reportage aus Kabul und Masar-i-Scharif

Afghanistan 2014+

Von Marco Seliger

Der Hauptfeldwebel wirkt verunsichert. "Ich darf Sie hier nicht allein lassen, das geht nicht", sagt er. "Wir sind doch für Sie verantwortlich." Wir stehen an seinem "Wolf" auf einem Parkplatz im Hauptquartier der internationalen Truppen (Isaf) in Kabul, mit dem er mich vor einer Stunde vom Flughafen abgeholt hat. Ich hole meinen Rucksack aus dem Wagen, setze ihn auf und erkläre ihm, dass ich kein Soldat sei und auch auf mich selbst aufpassen könne. Doch er hat seine Weisungen: Holen Sie den Journalisten am Flughafen ab, bringen Sie ihn ins Hauptquartier und nach seinen Gesprächen ins "Camp Warehouse"! Wer als Reporter mit der Bundeswehr in Afghanistan unterwegs ist, um den kümmert sie sich – manchmal mehr, als einem lieb sein kann, manchmal jedoch auch rührend. Ich habe dieses Mal indes einen anderen Plan. Der Krieg der westlichen Welt am Hindukusch geht zu Ende, in zwei Jahren sollen die meisten Truppen abgezogen sein. Wer wissen will, welche Gedanken und Ängste die Afghanen mit der Zeit nach dem Abschied der ausländischen Soldaten – kurz: "2014+" – verbinden, muss sie ohne Militär und Rüstung aufsuchen. Der Hauptfeldwebel telefoniert mit seinem Vorgesetzten im "Camp Warehouse". Dann sagt er, ich sei ein freier Mann und könne machen, was ich wolle, er habe es nur gut gemeint. "Ohne Zweifel", erwidere ich und passiere anschließend fünf Personenschleusen und Drehkreuze, ehe das Isaf-Hauptquartier hinter mir liegt. Ich tauche ein in das Chaos Kabuls, in eine von vielen Realitäten Afghanistans.

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