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Loyal – Titelthema des Monats Oktober 2013




Zehn Jahre lang hat sich die Bundeswehr darum bemüht, die Sicherheitslage in Kundus zu verbessern. Das ist in manchen Gebieten gelungen. Doch nun zieht sie ab, und die Gewalt erreicht teils Ausmaße, wie es sie selbst zu Beginn des deutschen Einsatzes nicht gegeben hat.

Enttäuschte Hoffnungen

Von Marco Seliger

Es war im April und die Kämpfer von Allah Mohammad kamen auf Motorrädern. Am Ortseingang von Nahr-i Sufi stellten sie Hindernisse auf und befahlen den Fahrzeuginsassen mit vorgehaltenem Schnellfeuergewehr, ihre Mobiltelefone herauszurücken. "Wo ist Scher Arab? Gnade euch Gott, wenn ihr ihn gewarnt habt", brüllten sie und durchsuchten die Anruflisten der Handys. Doch von Scher Arab, dem Todfeind der Taliban in Nahr-i Sufi, gab es keine Spur. Mit jedem weiteren Fahrzeug, das die paschtunischen Rebellen stoppten, verschlechterte sich ihre Laune. Sie verprügelten Männer, schlugen Kinder und drohten: "Wir werden jeden töten, der die Regierung unterstützt." Nach einer Stunde gab Allah Mohammad den Befehl zum Rückzug. Die Taliban verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.

Kurz darauf rollte die nächste Gewaltwelle über Nahr-i Sufi. Der tadschikische Miliz-Kommandeur Scher Arab hatte in den Nachbarorten Verstärkung gesammelt und suchte nun seinerseits nach den Taliban. Mit Kalaschnikow im Anschlag drangen seine Leute in Häuser ein, zerrten Bewohner auf die Straße und schlugen auf sie ein. "Wohin sind die Taliban geflüchtet", schrieen sie. "Wir werden jeden von euch töten, der sie unterstützt." Ein Wagen fuhr vor, ein Mann wurde hineingestoßen. "Bringt ihn zum NDS", wies Scher Arab seine Leute an. "Die werden ihn schon ausquetschen." Der Gefangene war der Bruder von Allah Mohammad. Einwohner von Nahr-i Sufi berichten, er sei seit jenem Tag nicht mehr gesehen worden. Der afghanische Geheimdienst NDS ist nicht dafür bekannt, rücksichtsvoll mit Personen umzugehen, die der Zusammenarbeit mit den Aufständischen verdächtigt werden.

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