DAS MAGAZIN

Monatlich informieren wir unsere Mitglieder mit der loyal über sicherheitspolitische Themen. Ab sofort können Mitglieder auch im Bereich Magazin die darin aufgeführten Artikel lesen!

Mehr dazu
DER VERBAND

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

Mehr dazu
MITGLIEDSCHAFT

Werden Sie Teil einer starken Gemeinschaft

Mehr dazu

loyal-Titelthema des Monats Februar 2016




Das G36 ist eines der weltbesten Sturmgewehre. Doch nun taugt es angeblich nichts mehr, weil es unter Bedingungen unpräzise trifft, für die es nicht geschaffen worden ist. Selten ist es gelungen, ein Spitzenprodukt deutscher Waffentechnik derart nachhaltig zu ruinieren. Ein Rufmord, an dem viele Seiten mitgewirkt haben.

Die Vernichtung einer Waffe

von Marco Seliger

Am Anfang war ein schlecht ausgebildeter Soldat. Er lag auf dem Waldboden hinter einer Deckung, vielleicht kniete er auch, genau lässt sich das nicht mehr rekonstruieren. Sicher ist, dass er Logistiker aus Delmenhorst war und Teilnehmer der Übung "Blauer Merkur 2009". Seine Kameraden bauten eine Behelfsbrücke über die Havel, er sollte Deckungsfeuer geben. Davon hatte er offensichtlich aber überhaupt keine Ahnung. Denn innerhalb von 15 bis 20 Minuten verschoss er 300 Patronen Manövermunition, die noch höhere Temperaturen als Gefechtsmunition erzeugt. In der Dienstvorschrift steht, dass eine auf diese Weise benutzte Waffe kaputt geht. So geschah es: Der Handschutz schmolz, das flüssige Plastik entzündete sich an dem glühenden Rohr und brannte. "Waffe ausgefallen", meldete der Soldat seinem Vorgesetzten und stellte das Feuer ein. Das Gewehr war nicht mehr zu gebrauchen.

Das war vor gut sechs Jahren. An diesem Tag kam etwas ins Rollen, das am Ende, einer Lawine gleich, durch das Land, die Bundeswehr und die Medien tobte und gewaltigen Schaden hinterließ. Es war der Beginn einer Rufmordkampagne, die für Verwirrung in der Bevölkerung und Verwunderung in der Truppe sorgte. An deren Ende stand bei vielen die Frage, die eine Rentnerin den Autor dieses Artikels fragte: "G36 – ist das nicht das Gewehr, das um die Ecke schießt?"

Diese Rufmordkampagne richtete sich nicht gegen eine bestimmte Person, auch nicht gegen ein Unternehmen. Ihr Ziel war vielmehr ein international geschätztes und im Kampfeinsatz bewährtes Spitzenprodukt deutscher Waffentechnik, leicht und präzise wie kein Sturmgewehr vor und neben ihm. Sie richtete sich gegen das G36. Das Ungewöhnliche an dem Rufmord ist, dass keinem der Beteiligten pure Absicht zu unterstellen ist. Es war sogar so, dass jeder, ausgenommen vielleicht die maßgeblich daran beteiligten Medien, versucht hatte, den Todgeweihten auf seine Weise zu retten. Nur so ist es zu erklären, dass alle mitgemacht haben, nicht nur die Gegner deutscher Waffenfabriken, sondern das Bundesverteidigungsministerium samt untergeordneter Bereiche, die Beschaffungsbehörden und Versuchsstellen der Bundeswehr sowie der Hersteller selbst. Sie alle haben etwas geschafft, das wohl beispiellos in der Geschichte der Bundeswehr ist: Sie haben aus einem von den Soldaten wegen seiner Zuverlässigkeit hoch geschätzten Gewehr ein in der Öffentlichkeit verschrienes Pannen-, schlimmer noch: ein "Schrottgewehr" gemacht.

Wie es zu dem Rufmord kommen konnte, erzählt diese Geschichte. Sie steht einerseits für die beklagenswerte Verfassung der Bundeswehr. Auf der Basis Tausender Seiten als vertraulich eingestufter Berichte, Dokumente und Bundeswehr-internen Schriftverkehrs ergibt sich das Bild eines Apparats, der bis auf höchste Ebenen versagte, vertuschte und schönredete, unfähig, eigene Fehler anzuerkennen, und sich, statt aufzuklären, in Grabenkämpfe und Kompetenzgerangel verstrickte. Und andererseits war da auch noch der Hersteller. Heckler & Koch betrieb alles, nur eines nicht: professionelles Krisenmanagement.

Verwandte Artikel
Allgemein

YouTube, Twitter, Blogs: Wo Experten den Krieg erklären

Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit.“ Obwohl dieses Zitat mehreren historischen Personen zugeschrieben wird, bringen die meisten...

06.07.2022 Von Benjamin Vorhölter und Sören Peters
Allgemein

Bundeswehr und Reserve - Newsblog KW 27

Was berichten die Medien in dieser Woche über die Bundeswehr und ihre Reserve? Welche Themen stehen auf der sicherheitspolitischen Agenda?...

06.07.2022 Von Sören Peters
Die Reserve

Reservisten spenden 50.000 Euro für die Ukraine-Hilfe des DRK

Der Präsident des Reservistenverbandes, Oberst d.R. Prof. Dr. Patrick Sensburg, hat heute der Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt,...

05.07.2022 Von Redaktion