DAS MAGAZIN

Monatlich informieren wir unsere Mitglieder mit der loyal über sicherheitspolitische Themen. Ab sofort können Mitglieder auch im Bereich Magazin die darin aufgeführten Artikel lesen!

Mehr dazu
DER VERBAND

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

Mehr dazu

Loyal-Titelthema des Monats Februar 2018




"Feind im Gefecht getötet" – so lautete die Nachricht der Navy SEALs über den Tod von Osama bin Laden in der Nacht des 2. Mai 2011 im pakistanischen Abbottabad. Was damals noch passierte, das hat jetzt der Elitesoldat Robert O’Neill in einem Buch beschrieben. Wir veröffentlichen einen Auszug daraus.

Enemy killed in Action

Von Robert O'Neill
Illustrationen: Bernd Schifferdecker

Jetzt, da wir in Pakistan waren, war uns klar, dass wir jederzeit abgeschossen werden konnten. Verschiedene Gedanken schossen mir durch den Kopf: Wie fühlt es sich wohl an, wenn ein Hubschrauber explodiert? Stirbt man sofort, oder stürzt er ab und man fällt ins Leere und irgendetwas reißt einem den Kopf ab? Wie lange dauert es eigentlich, bis man tot ist?

Man kommt auf eine Menge seltsamer, unzusammenhängender Gedanken. Ich versuchte mich abzulenken, indem ich meine Umgebung beobachtete. Wir saßen auf kleinen Dreibein-Campingstühlen. Die Piloten waren hinter einer Wand, anders als bei einem normalen Hubschrauber hatten wir den hinteren Bereich also ganz für uns.

Einige der Männer schliefen, was mich schwer beeindruckte. Für mich undenkbar. In 90 Minuten würden wir da sein. Um nicht in eine Gedankenspirale zu verfallen, fing ich an zu zählen. Das war eine Technik, die ich als Sniper (Scharfschütze, Anm. d.Red.) gelernt hatte. Wenn man zählt, bleibt man ruhig, der Geist hat etwas zu tun, und man grübelt nicht. Ich zählte von null bis tausend und von tausend bis null, von null bis tausend und von tausend bis null. Ich muss das etwa ein Dutzend Male gemacht haben, bevor wir nach etwa 80 Minuten in den Schrägflug gingen. Jetzt stand unser Angriff kurz bevor.

Wir bogen noch einmal leicht nach rechts ab und die Tür des Hubschraubers öffnete sich. In zwei Minuten würden wir landen. Ich sah auf die Stadt – eine Stadt, die nicht wusste, dass wir kamen. Wir flogen dicht über einem Golfplatz und ich dachte mir: Seltsam. In Afghanistan gibt es keine Golfplätze. Dieser Anblick führte mir die Brisanz der Mission vor Augen – wir überfielen ein Land mit Golfplätzen. Das war keine Übung.

Als der Komplex in Sicht kam, sah er beinahe genauso aus wie unsere maßstabsgetreue Nachbildung. Es war dunkel, als hätte es einen Stromausfall gegeben, und mir kam kurz der Gedanke, dass vielleicht unsere Agenten dafür gesorgt hatten. Die beiden Hubschrauber teilten sich auf. Dash 1 flog zwischen die beiden Häuser, wo sich ein Angriffsteam von beiden Seiten abseilen sollte. Wir flogen zu unserem festgelegten Punkt an der Nordseite des Grundstücks, um den Trupp abzusetzen, der für die Außensicherung zuständig war. Die Scharfschützen, Cheese (Hundeführer, Anm. d.Red.), Cairo (Hund, Anm. d.Red.) und der Dolmetscher sprangen heraus und wir hoben gleich wieder ab (Anm. d.Red.: Die übrigen Mitglieder von Dash 2 sollten sich ebenfalls über dem Gehöft abseilen, wohin sie jetzt geflogen werden sollten).

Unser Pilot hatte beobachtet, dass Dash 1 versuchte, über dem Innenhof zu schweben, was aber nicht gelang. Der Hubschrauber verlor wegen Luftverwirbelungen den Auftrieb, der für den Schwebeflug nötig war. Dafür waren mindestens zwei Faktoren verantwortlich: Die Luft war wärmer als erwartet und die Mauern der Anlage waren sechs Meter hoch. In unseren Probedurchläufen in North Carolina waren die Mauern zwar genauso hoch, aber weil es Zäune waren, konnte die Luft besser zirkulieren. Die geschlossenen Mauern in der Anlage sorgten für einen Hitzestau, der die Aerodynamik gerade genug beeinflusste, um den Auftrieb des Hubschraubers zu beeinträchtigen.

Was auch immer der Grund war, der Pilot von Dash 1 merkte, dass er die Kontrolle verlor, und steuerte die Nase rechtzeitig nach rechts, wodurch das Heck in die Südwestmauer stürzte und die Nase auf dem Boden aufsetzte: eine kontrollierte Bruchlandung. Wäre er nicht einer der beiden weltbesten Piloten gewesen, er hätte versucht, noch einmal an Höhe zu gewinnen, was zu einer Katastrophe geführt hätte. Dann wäre der Vogel ins Trudeln geraten und niemand hätte den Absturz überlebt. Er traf diese Entscheidung über Leben und Tod im Bruchteil einer Sekunde. Unser Pilot sah, was sich abspielte, und begriff, dass wir mit einem Schwebeflug innerhalb der Mauern ebenso scheitern würden. Also setzte er uns wieder (außerhalb des Gehöfts, Anm. d.Red.) ab […]

Den kompletten Beitrag lesen unsere Mitglieder in der Februar-Ausgabe der loyal. Hier Mitglied werden und die loyal elf Mal im Jahr frei Haus geliefert bekommen.

Verwandte Artikel
Allgemein

Wo sind die Scharnhorsts und Gneisenaus? Die Bundeswehr benötigt Reformen

Julius Braun hat Militärgeschichte sowie Sicherheits- und Verteidigungspolitik an den Universitäten Bonn, Maynooth, Potsdam und Dublin studiert. Er ist Doktorand...

28.11.2022 Von Julius Braun
Allgemein

Bundeswehr und Reserve - Newsblog KW 48

Was berichten die Medien in dieser Woche über die Bundeswehr und ihre Reserve? Welche Themen stehen auf der sicherheitspolitischen Agenda?...

28.11.2022 Von Sören Peters
Die Reserve

"Seine Erfahrungen hätten für zehn Leben gereicht"

Sein Leben könnte Stoff für dicke Bücher liefern. Er wurde Hubschrauberpilot aus Leidenschaft bei der US-Armee und war in vielen...

25.11.2022 Von Peter Vietze