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In Teilen Nordafghanistans herrscht Krieg und die Bundeswehr scheint das Glück verlassen zu haben. Sieben Gefallene und mehr als ein Dutzend teils schwer verletzte Soldaten – die Verluste der vergangenen Wochen sind erschütternd. Doch auf der gegnerischen Seite stehen inzwischen Berufskiller. Über den Afghanistan-Einsatz berichtet Marco Seliger

Der Feind

General Mohammad Bashir Basharat wird stets von zwei Leibwächtern begleitet. Auch an diesem Freitag, dem muslimischen Sonntag, halten sich die beiden Soldaten mit der Kalaschnikow in der Hand in seiner Nähe auf, als er den Gefechtsstand der Einsatzzentrale der afghanischen Sicherheitskräfte in Faizabad betritt. Im Gegensatz zu seinen Bewachern hat er heute darauf verzichtet, die Uniform anzulegen. Stattdessen hat er sich einen braunen Mantel über den traditionellen Salwar Kamiz, das landestypische Gewand, geworfen. Auf seinem Schreibtisch in der hinteren Ecke des Raums steht ein Computer mit Bildschirm, doch das Gerät bleibt heute ausgeschaltet. General Bashir möchte reden, reden über die Taliban in seinem Land. Er schickt voraus, dass er ein Paschtune ist, ein Angehöriger der größten Volksgruppe in Afghanistan, aus der sich mehrheitlich die Aufständischen rekrutieren. Und er erwähnt, dass sie inzwischen drei Anschläge auf ihn verübt hätten. Einmal hat es seine beiden Leibwächter erwischt, aber er ist noch jedes Mal mit dem Leben davongekommen.

Das Gespräch mit General Bashir wird zur Lehrstunde über den Feind der Bundeswehr in Nordafghanistan. Ein Gegner, der den deutschen Truppen inzwischen so sehr zusetzt, dass in Berlin auch die politische Führung nicht mehr daran zweifelt, was die Soldaten schon seit geraumer Zeit empfinden: Es herrscht Krieg, zumindest in einigen Gebieten. Die lassen sich recht genau benennen. Es sind sechs Distrikte (Landkreise) im Raum Kunduz und zwei Distrikte im Raum Baghlan. In diesen beiden Gebieten, genauer in dem Ort Isa Khel bei Kunduz und nahe der Stadt Baghlan, sind in den vergangenen Wochen sieben deutsche Soldaten bei Gefechten mit den Taliban gefallen, ein knappes Dutzend wurde teils schwer verletzt. Die Vorgehensweise der Angreifer erfolgte beide Male ausgesprochen koordiniert und militärtaktisch geschult, teils unter Verwendung moderner Waffen wie Panzerfäusten.

Mit wem hat es die Bundeswehr zu tun? Die Paschtunen im Norden, erklärt General Bashir, siedeln vorwiegend in der Provinz Kunduz und im Norden der Provinz Baghlan, wo sie jeweils die größte ethnische Gruppe repräsentieren. Die Mehrzahl von ihnen stammt von der Stammeskonföderation der Ghilzai ab, deren Hauptsiedlungszone erstreckt sich über den Südosten Afghanistans bis nach Pakistan. Neben den Stämmen der Durrani sind die Ghilzai die größte Konföderation in Afghanistan. Beide konkurrieren traditionell um die politische Macht in der Region, schlossen sich aber dennoch Mitte der 1990er Jahre den Taliban an. Ein wesentlicher Anlass für die Ghilzai war, dass Taliban-Führer Mohammad Omar, bekannt als Mullah Omar, dem Stamm angehört, auch Gulbuddin Hekmatyar, der nach wie vor wichtigste Anführer der Hezb-i-Islami, ist ein Ghilzai. Die Hezb-i-Islami ist nach den Taliban die zweitgrößte Terror- und Widerstandsgruppe in Afghanistan. Sowohl Taliban als auch Hezb-i-Islami operieren im Raum Kunduz, vor allem die Taliban erhielten aus der paschtunischen Bevölkerung in der Region in den vergangenen drei Jahren verstärkten Zulauf. Bei den meisten der lokalen Taliban handelt es sich um "Teilzeitkämpfer", die sich gelegentlich und gegen Bezahlung anheuern lassen. Sie werden, sagt General Bashir, unterstützt von Kräften aus dem Süden des Landes, die vor der verstärkten Präsenz und Aktivität der US-Amerikaner in den Norden ausgewichen sind. Eine Einschätzung, die Afghanistan-Experten in Deutschland teilen, in der Nato so jedoch nicht bestätigt wird.

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