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Mehr Truppe wagen: Was bedeutet das für die Reserve?




Symbolbild: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer beantwortet Fragen von Journalisten.

Foto: Bundeswehr/Jana Neumann

Lange wurde spekuliert, nun liegen konkrete Vorschläge für die Bundeswehr der Zukunft auf dem Tisch: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Generalinspekteur Eberhard Zorn haben gestern Nachmittag die Eckpunkte für eine rasche Reform der Truppe vorgestellt. Das Motto: Mehr Truppe, weniger Stäbe. Dazu mehr einsatzbereites Material und schnellere Verfahren. Der Fokus geht weg von den Auslandseinsätzen, hin zur Landes- und Bündnisverteidigung (LVBV). Details hat das BMVg hier zusammengefasst, zudem ist dort das komplette Eckpunkte-Papier veröffentlicht. Was bedeuten die vorgelegten Reformpläne für die Reserve?

Stärkung der Territorialen Reserve

Die Bundeswehr der Zukunft setzt hier auf eine starke und schnell einsetzbare Territoriale Reserve. Die Pläne sehen ein territoriales Führungskommando in Bonn und Berlin vor, quasi ein Einsatzführungskommando für das Inland, das bei Naturkatastrophen, nationalen Notlagen und besonders schweren Unglücksfällen unterstützt. Zudem sollen die 16 Landeskommandos für taktische Führungsaufgaben gestärkt und weiterentwickelt werden. „Dies erfordert ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft auch für die Reserve, sowohl strukturell, personell und materiell, wie auch mit Blick auf Ausbildungsstand und Infrastruktur. Die Reserve muss rasch und frühzeitig aufwuchsfähig sein. Mit der beschlossenen Aufstellung von Heimatschutzregimentern haben wir diesen Prozess begonnen“, schreiben Kramp-Karrenbauer und Zorn im Eckpunkte-Papier.

Die Führungsorganisation im Heimatschutz und der Nationalen Territorialen Verteidigung müsse sich im Sinne eines gesamtstaatlichen Ansatzes künftig noch enger mit den Strukturen der zivilen Verteidigung vernetzen und koordinieren. In diesem Zusammenhang soll in Bonn auch die Zusammenarbeit mit relevanten Stellen und Behörden wie etwa dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verbessert werden. Unterm Strich also eine Stärkung der Rolle der Reserve. „In der neuen Struktur wird die Reserve vor Ort eine viel stärkere Anbindung an die Landeskommandos haben und bedeutsamer sein“, analysiert Prof. Dr. Patrick Sensburg, Präsident des Reservistenverbandes.

Zahl der benötigten Reservestellen untersuchen

Die Führungsorganisation der Streitkräfte wird an die gestiegenen und veränderten Anforderungen an die Bundeswehr angepasst. Schwerpunkt ist die konsequente Ausrichtung nach den Aufgaben Operative Führung und Truppensteller in den Dimensionen (Land, Wasser, Luft/Weltraum, Cyber). Für die Umsetzung hält das Ministerium an der Zielgröße von 203.300 Soldatinnen und Soldaten fest. Dies umfasst laut Eckpunkte-Papier auch die freiwillig Wehrdienstleistenden (FWDL) und die Reservedienstleistenden.“In vielen Bereichen geht ohne Reservisten nichts mehr“, sagt Verbandspräsident Sensburg.

Die künftig benötigten Stellen für Reservedienstleistende sind mit Blick auf eine einsatzbereite Reserve innerhalb dieser Zielgröße zu untersuchen. Heißt: Mit wachsenden Aufgaben wächst auch die Bedeutung der Reserve. Gut möglich also, dass die jüngst aufgrund der Pandemiehilfe auf 5.500 erhöhten Reservistenstellen in Zukunft noch einmal aufgestockt werden. Auch dieser Schritt würde die Rolle der Reserve stärken!

Zweckmäßige Lösungen

Ein weiterer Aspekt im Eckpunkte-Papier nennt sich „Streitkräfteplanung und Fähigkeiten“. Im Großen und Ganzen gedacht: Was kann die Bundeswehr im Rahmen ihrer NATO-Verpflichtungen beitragen? Zorn dazu in der Pressekonferenz: „Wir handeln nicht aus Eigennutz, sondern weil in der NATO und der EU ebenso entsprechende Untersuchungen angestellt werden. Im vierten Quartal werden wir gefragt werden, was wir beitragen können.“ Ziel ist es, die Verfügbarkeit einsatzbereiter Kräfte insgesamt zu erhöhen. „Dafür ist es nicht zwingend erforderlich, durchgehend ideale Bedingungen für die Aufgabenerfüllung zu schaffen. Es geht vielmehr um hinreichend zweckmäßige Lösungen in sinnvollen Zeitläufen mit einer klaren Schwerpunktsetzung“, heißt es dazu im Eckpunkte-Papier. Dabei werde ein breiter Mix an militärischen Fähigkeiten geschaffen – quantitativ und qualitativ abgestuft. Quantitativ reicht das Spektrum dabei von aktiver, vollausgestatteter Truppe bis zur nichtaktiven Ausbringung in der Reserve; qualitativ von „state-of-the-art“ Hochtechnologie bis zur „robusten Masse“. Auch hier wird die Reserve mitgedacht, skaliert vom großen Ganzen auf den einzelnen Reservisten.

„Die vorgelegten Reformpläne unterstreichen noch einmal die Bedeutung der Reserve in einer ohnehin schon schlagkräftigen und flexibel einsetzbaren Bundeswehr. Auch in der künftigen Umsetzung kann sich die Truppe auf den Reservistenverband als starken Partner verlassen“, sagte Sensburg.

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