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Ministerpräsident Torsten Albig: „Soldaten verdienen Respekt“




Angesichts von Krisen und Kriegen vor der Haustür stellt sich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) demonstrativ vor die deutschen Soldaten – aktive wie Reservisten. Im Interview mit "loyal" fordert er eine wehrhafte Demokratie. Seit einer Informationswehrübung ist er selbst Reservist.

"loyal": Herr Ministerpräsident Albig, auf die Frage "Haben Sie gedient?" können Sie seit Ihrer Informationswehrübung vor eineinhalb Jahren mit "Jein" antworten. Bereuen Sie eigentlich, nie richtig bei der Truppe gewesen zu sein?

Torsten Albig: Ich habe zehn Jahre lang Katastrophenschutz gemacht, was eine wirklich wichtige Erfahrung in meinem Leben war. Das hat mir sehr viel Führungserfahrung gegeben, weshalb ich diesen Weg nicht bereue. Gleichwohl hat mir die angesprochene damalige Wehrübung gezeigt, dass ich manches so noch nicht wusste, obwohl ich aus einer Bundeswehrfamilie stamme.

"loyal": Wie wichtig ist die Bundeswehr aus Ihrer Sicht für Schleswig-Holstein?

Albig: Sie ist nach wie vor ein wichtiger Arbeitgeber im Land – auch wenn Schleswig-Holstein bei den zahlreichen Bundeswehrreformen besonders viele Federn lassen musste. Doch noch ist die Bundeswehr immerhin so vertreten, dass sie uns in Notlagen helfen kann. Als sturmflut- und orkangefährdetes Land wissen wir das sehr zu schätzen.

"loyal": Geht es dabei nur um die Unterstützung im Katastrophenfall oder sehen Sie auch eine reale Notwendigkeit der Landesverteidigung?

Albig: Das Verteidigungsministerium erwägt gerade, weniger Panzer als geplant auszumustern. Da deutet sich eine sicherheitspolitische Kursänderung an. Vor dem Ukraine-Konflikt wäre das völlig abwegig erschienen. Mich beunruhigt es, wenn wir scheinbar wieder stärker in der Kategorie Landesverteidigung denken müssen. Ich kann inzwischen gewisse Ängste unserer baltischen Freunde an der Ostsee besser verstehen. Russlands Verhalten ist leider dazu angetan, die Ausrichtung der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik zu überprüfen. Diese Frage muss übrigens geklärt sein, bevor man über die Erhöhung des Verteidigungsetats diskutiert. Aber grundsätzlich gilt: Wir müssen auch bereit sein, wehrhaft zu sein für unsere Werte, für unsere Demokratie.

"loyal": Die beiden Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien "Schleswig" und "Holstein" sind einsatzbereit. Sind sie das aus Ihrer Warte tatsächlich?

Albig: Sie deuten mit ihrer Frage an, dass dem nicht so sei. Ich kenne die Interna nicht. Habe aber gehört, dass das Interesse bei den Reservisten groß ist. Mehr als 700 Reservisten haben sich inzwischen für eine Einplanung interessiert. Das freut mich sehr, weil es die Reservisten besser einbindet und die Basis für die zivil-militärische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein noch breiter macht.

"loyal": Die Rolle der Reservisten scheint sich derzeit deutlich zu verändern, sowohl was deren Aufgaben im Inland angeht als auch bei Auslandseinsätzen. Wie sehen Sie das?

Albig: Ich habe bei meiner Informationswehrübung gelernt, dass viele Reservisten zu den besonders gefragten Spezialisten gehören. Experten für IT, Kommunikation und Technik kommen häufig aus den Reihen dieser Leute. Das sind Mitbürger, die mit beiden Beinen im Leben und im Job stehen. Wir müssen wirklich dankbar sein, dass es Menschen gibt, die ihr Know-how zur Verfügung stellen, um ihre Heimat zu schützen. Ganz ungefährlich sind einige Einsätze schließlich auch nicht.

"loyal": Ob aktiver Soldat oder Reservist, das hat vermutlich auch etwas mit so verstaubt klingenden Worten wie Vaterlandsliebe und Stolz zu tun. Darf man das heute überhaupt sagen, oder ist man dann gleich nationalistisch?

Albig: Ich hoffe nicht! Jeder darf stolz auf seine Heimat sein und sie für bewahrenswert halten. Und ich finde es auch toll, wenn sich dann Menschen dafür einsetzen. Unsere Soldaten verdienen für diese Entscheidung Respekt! Erst wenn dieser Stolz bedeutet, alles Fremde abzulehnen oder für geringwertig zu halten, wird es gefährlich. Das ist dann der Stolz der Dummen.

Das Interview führte Lars Bessel.

Das Gespräch ist vollständig in der Mai-Ausgabe unseres sicherheitspolitischen Magazins "loyal" auf den Seiten 92 bis 95 nachzulesen. Außerdem kann das Interview auf den Internetseiten der Landesgruppe Schleswig-Holstein angehört werden. Hier anhören.

Archivfoto oben: Aktive Soldaten, Reservisten und Bürger
packen während der Flutkatastrophe im Jahr 2013 gemeinsam an,
um Ortschaften zu retten. Das verdiene Respekt,
sagt Ministerpräsident Torsten Albig im "loyal"-Interview
(Archivfoto: Nadja Klöpping).

Bild Mitte und Bild unten: Torsten Albig ist Ministerpräsident des
Küstenlandes Schleswig-Holstein. Er spricht mit der "loyal"
über die Bundeswehr und ihre Reserve (Fotos: Peter Golz).

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