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Mit dem Taxi von Paris an die Front




Die Schlacht an der Marne beendete den am 2. August 1914 begonnenen deutschen Vormarsch der fünf Armeen des rechten deutschen Flügels durch eine französisch-englische Gegenoffensive. Das mörderische Gemetzel begann vor 100 Jahren, am 5. September 1914.

"Alle Anstrengungen müssen unternommen werden, um den Feind zu attackieren und zurückzuschlagen. Eine Truppe, die nicht weiter vorankommt, muss – koste es, was es wolle – das eroberte Gelände halten und sich an ihrem Platz töten lassen, anstatt zurückzuweichen", schreibt der französische Oberbefehlshaber Joseph Joffre in seinem Befehl zu jener Offensive, die das Ende des deutschen Vormarsches auf Paris und den Beginn des Stellungskrieges markiert.

Offensive in die Flanke
Am 29. August entscheidet der deutsche Oberbefehlshaber der 1. Armee, Generaloberst Alexander von Kluck, eigenmächtig, die Einkreisung von Paris aufzugeben und bei der Verfolgung der französischen 5. Armee und des britischen Expeditionskorps (BEF) ostwärts (statt wie geplant westlich) von Paris vorzustoßen. Doch seine Truppenbewegungen werden schon am 3. September durch Luftaufklärung erkannt – und nicht nur das, sondern auch seine offene rechte Flanke. Im Verlauf des 4. September drängt General Joseph Gallieni, der Militärbefehlshaber von Paris, seinen Oberbefehlshaber Marschall Joseph Joffre zu einem Angriff der Truppen aus dem Militärbezirk Paris heraus in die offene Flanke der 1. Armee. Joffre befiehlt den Beginn der Offensive am 6. September. Wie verzweifelt seine Lage ist, erkennt man an den Worten seines Befehls.

Zur Legende geworden: die "Marnetaxis"
Zur Verteidigung der bedrohten Hauptstadt Paris war Ende August 1914 die 6. französische Armee, hauptsächlich aus Truppen der Reserve, aufgestellt worden. Zwischen dem 30. August und 5. September im Gebiet der nördlichen Île-de-France eingesetzt, wird sie jetzt – in Teilen (7. Division) mit Taxis – über Paris zum Ourcq verbracht. Mit jeweils fünf Mann besetzt bringen die zur Legende gewordenen "Marnetaxis" insgesamt 6.000 Mann an die Front. Von Kluck muss sich zurückziehen und reißt dabei an seinem linken Flügel eine 40 Kilometer breite Lücke zur 2. Armee auf. Gegen sie beginnen 18 französische und britische Divisionen am 6. September die Offensive, die als "Schlacht an der Marne" in die Geschichte eingeht. Sie tobt auf 230 Kilometer Frontbreite, von Verdun bis fast vor die Tore von Paris.

Das Wunder an der Marne
Die Armeen verzahnen sich ineinander, es drohen Durchbrüche und Einkesselungen. Der deutsche General von Moltke erleidet einen Nervenzusammenbruch, er schreibt an Kaiser Wilhelm: "Majestät, wir haben den Krieg verloren!" In der unklaren Lage gibt der von Moltke zum Oberkommando der 1. und 2. Armee entsandte Chef der Nachrichtenabteilung, Oberstleutnant Richard Hentsch, am 9. September den Rückzugsbefehl. In Frankreich wird dieser Rückzug später als das "Wunder an der Marne" bezeichnet.

Rückzug bis hinter die Aisne
Bis zum 13. September gehen die deutschen Armeen 80 Kilometer weit nordostwärts bis hinter die Aisne zurück. Sie graben sich dort ein und bauen eine neue Front auf, es entbrennt die erste Schlacht an der Aisne. Am 17. September kommt der französische Gegenangriff zum Erliegen.

Der Übergang zum Stellungskrieg
Die Schlacht an der Marne hat beide Seiten rund 250.000 Verluste (Gefallene, Verwundete und Gefangene) gekostet und so schon sehr früh den Wendepunkt des Ersten Weltkrieges markiert: Strategisch haben die Mittelmächte eine Niederlage erlitten, die Offensive ist zum Stehen gekommen, militärisch beginnt mit ihr und der nachfolgenden Schlacht an der Aisne der vier Jahre währende Stellungskrieg – die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

Ein ausführlicher Bericht findet sich in der September-Ausgabe der Loyal auf den Bundesseiten 56 bis 58 des Reservistenreports.


Wilhelm R. Schreieck

Bild oben: Die sogenannten Marnetaxis auf dem Weg
zur Front (Foto: Wochenschauaufnahme von 1914).

2. Bild: General Joseph Joffre, Befehlshaber der französischen
Armee (Quelle: firstworldwar.com, gemeinfrei).

3. Bild: Generaloberst Helmuth Johann Ludwig von Moltke,
von 1906 bis 14. September 1914 Chef des Großen Generalstabs
(Porträt um 1900: Nicola Perscheid, gemeinfrei).

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