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Mit der Bundeswehr hatte Jakob Ganslmeier vor seinem Foto-Projekt kaum Kontakt. Von PTBS hatte er gehört, von an PTBS erkrankten Soldaten bei der Bundeswehr wusste er "nur das, was die Medien über Afghanistan-Rückkehrer berichteten". Das sei ihm zu wenig gewesen. Der damalige Fotografie-Student informiert sich, liest medizinische Berichte, verfolgt die Berichterstattung über den Afghanistan-Einsatz. Ganslmeier stellt fest: "Was der Krieg seelisch mit den Soldaten macht, findet in der deutschen Öffentlichkeit wenig Beachtung."

PTBS als Thema komme erst dann auf, wenn ein Auslandseinsatz der Bundeswehr in der Öffentlichkeit diskutiert werde, sagt Ganslmeier. "Aber dann verschwindet PTBS von der Bildfläche. Die Schicksale heimgekehrter Soldaten interessieren nicht mehr." Mit seinem Foto-Projekt "Trigger" (zu deutsch: Auslöser) wolle Ganslmeier die Auswirkungen von PTBS sichtbar machen, "gerade dann, wenn das mediale Interesse nicht mehr da ist."

Lange Gespräche und eine "intensive Erfahrung"
Eineinhalb Jahre lang begleitet der heute 25-Jährige sieben Betroffene in ganz Deutschland mit seiner Kamera – darunter einen Elitesoldaten, einen Militärpfarrer und einen interkulturellen Berater. "Ich wollte zeigen, womit traumatisierte Soldaten im Alltag zu kämpfen haben", sagt Ganslmeier. Er führt lange Gespräche und hält auf seinen Bildern den Alltag der Soldaten fest. Einer schaut aus dem Fenster, er ist an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Ein anderer hält seine Frau im Arm. Die Bilder zeigen viele nachdenkliche Gesichter.

Die Betroffenen in ihrem Umfeld zu erleben sei für Ganslmeier "eine intensive Erfahrung" gewesen. Wie nah der Fotograf an die Soldaten herandurfte, hätten sie selbst bestimmt. Einen Soldaten begleitet er bei der Rehabilitation, ein anderer gewährt ihm einen Einblick in sein Familienleben. "Einige der Bilder gehen sehr nahe", sagt er.

Nicht urteilen, es geht "um die Schicksale"
So lernt Ganslmeier die Soldaten näher kennen: "Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst, sie wollen gut funktionieren und sind sehr pflichtbewusst." Gerade deshalb mache ihnen PTBS so viel zu schaffen, sagt er. "Aus dem Einsatz zurück funktionieren sie dann nicht mehr." Mit seinem Foto-Projekt wolle er aber nicht urteilen, ob ein Auslandseinsatz der Bundeswehr richtig sei oder nicht: "Mir geht es um das Schicksal der heimgekehrten Soldaten."

Jakob Ganslmeier ist Fotograf. Er absolvierte an der Ostkreuzschule für Fotografie und Gestaltung in Berlin. Seine Abschlussarbeit heißt "Trigger". Der Bilderzyklus war bei verschiedenen Ausstellungen in Berlin zu sehen. Zu seinem Foto-Projekt hat Ganslmeier ein Buch herausgebracht. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite www.jakobganslmeier.com.

Andelka Križanovic

Bild oben:
Ganslmeiers Bilder zeigen viele
nachdenkliche Gesichter von Soldaten,
die von PTBS betroffen sind
(Foto: Jakob Ganslmeier).

Bild unten:
Therapie, Rehabilitation, im Alltag Fuß fassen:
Für an PTBS Erkrankte ist die Rückkehr
in den Alltag nicht einfach
(Foto: Jakob Ganslmeier).

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