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Die Graphic Novel "Im Schatten des Krieges" von Sarah Glidden will auf ihren 298 Seiten vieles leisten: den Journalismus erklären, Einblicke in von kriegerischen Konflikten versehrte Gesellschaften geben, die US-amerikanische Außenpolitik reflektieren und die soziale Dynamik einer freundschaftlich verbundenen Reisegruppe veranschaulichen, bei der gleichzeitig alle Mitglieder auch Arbeitskollegen sind. Dabei bleibt eine Sache unerwartet auf der Strecke.

Das Buch ist Produkt einer Reise, bei der Zeichnerin Sarah Glidden zwei befreundete Journalisten und einen US-amerikanischen Veteranen auf einem Trip durch den Nahen Osten begleitete. Der kleine Freundeskreis reist von der Türkei über das autonome Kurdengebiet in den Irak und schließlich bis nach Syrien. Glidden begleitet ihre Freunde bei den Recherchen und nutzt die Gelegenheit, um sich bei ihnen über das journalistische Handwerk und Arbeitsethos zu informieren. Die zerrüttete Region bietet die entsprechenden Anknüpfungspunkte für eine inhaltliche Auseinandersetzung auf fachlichem und menschlichem Niveau. Die vorliegende Graphic Novel ist der Versuch, das Projekt illustriert aufzuarbeiten.

Ein Mosaik aus Schicksalen
"Im Schatten des Krieges" spielen sich die kleinen Dramen ab, die neben der großen Weltpolitik häufig in Vergessenheit zu geraten scheinen. Die Story wird von kleinen intimen Szenen getragen und rückt Einzelschicksale in den Mittelpunkt. Das große Ganze schließlich fügt sich aus diesen Mosaiksteinen. Dabei erzählt der Comic keine fiktive Geschichte, sondern zeichnet Gliddens Reiseerlebnisse im Stile einer Dokumentation nach.

Kein Strich zu viel
Connaisseure des kühn geführten Pinselstriches oder Liebhaber opulenter Illustrationen werden von dieser Graphic Novel enttäuscht. Zweifelsfrei hat Sarah Glidden ihren eigenen Stil. Ihre Nüchternheit steht den dokumentarischen Illustrationen gut. Doch leider lebt der Comic nicht durch seine Zeichnungen. Wesentliches gestalterisches Element sind stattdessen seine Sprechblasen und damit das geschriebene Wort – freilich ebenfalls von Glidden verfasst, die aus ihren Reiseaufzeichnungen zitiert. Von ihnen werden die Protagonisten bildlich regelrecht erdrückt. Ob der Comic ohne sein überbordendes Schriftwerk bestehen könnte, ist fraglich. Liebhaber werden die Graphic Novel deswegen wohl eher zu ihren Sachbüchern stellen als sie neben ihren Schätzen zu platzieren. Der Ansatz jedoch ist gut.

Emotionsfrei aber informativ
Auch die Charakterdarstellung leidet unter der gewählten Darstellungsform. In den häufigen Gesprächssituationen gelingt es Glidden selten, die Emotionalität der Protagonisten auch zeichnerisch zu kommunizieren. Der Leser baut in der Folge keine Beziehung zu ihnen auf. Das liegt daran, dass auch hier die bildliche Darstellung durch den niedrigen Detailgrad gegenüber dem geschriebenen Wort deutlich abfällt. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Illustration einer solchen Dokumentation.

Abgesehen davon wird die Graphic Novel ihrem Anspruch gerecht. Es gelingt Glidden das Berufsbild des Journalisten zu umreißen und den Leser für die Geschicke der Bevölkerung der bereisten Länder zu sensibilisieren. Die Informationsdichte ist hoch. Es bleibt etwas im Kopf.

Die Graphic Novel ist im Buchhandel erhältlich. Sie erscheint im Reprodukt Verlag und kostet 29 Euro. ISBN: 9783956401015

Julian Hückelheim

Bild oben:
Seiten der Graphic Novel "Im Schatten
des Krieges" von Sarah Glidden.
(Foto: Julian Hückelheim)

Bild unten:
Cover der Graphic Novel "Im
Schatten des Krieges" von Sarah Glidden.
(Montage: Julian Hückelheim)

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