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In Hannover fand die jährliche Tagung für Reservistenangelegenheiten statt. An ihr nahmen alle Stabsoffiziere und Feldwebel für Reservistenangelegenheiten gemeinsam teil. Organisiert wurde die Tagung erstmals vom Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr (KdoTerrAufgBw). Für den Reservistenverband sprach als Gastredner Bundesgeschäftsführer Hans Uwe Mergener über den Auftrag und die Zukunftsplanungen des Verbandes.

130 Teilnehmer hörten Gerd Josef Kropf, dem stellvertretenden Kommandeur und Beauftragten für Reservistenangelegenheiten im Kommando KdoTerrAufgBw, im Scharnhorstsaal der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover zu. Brigadegeneral Kropf hob in seinen Grußworten hervor, "dass Sie als Angehörige der Streitkräftebasis die einzigen Streitkräftevertreter sind, deren Kernauftrag die Betreuung der unbeorderten Reservisten ist". Mit Blick auf die Reserve stellte er die grundsätzliche Frage: "Welches Ziel verfolgen wir überhaupt mit der Reserve?" Die viertägige Tagung in Hannover führte fast alle Stabsoffiziere und Feldwebel für Reservistenangelegenheiten zusammen. "Nur wenige mussten absagen – größtenteils krankheitsbedingt", kommentierte der sichtlich zufriedene Kropf die Teilnehmerzahl. In diesem Zusammenhang begrüßte er auch die Gastreferenten. Getreu dem Motto: "Gemeinsam mehr erreichen" waren der Bundesgeschäftsführer des Reservistenverbandes, Hans Uwe Mergener, und Oberst Benedict Freiherr von Andrian-Werburg, Leiter des Kompetenzzentrums Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, anwesend. Damit waren die wichtigsten Akteure unter einem Dach versammelt; das war auch nötig, unterliegt das Feld der Reserve doch derzeit einem tiefgreifenden Wandel. Und General Kropf beantwortete in seiner Eröffnungsrede die eingangs gestellte Frage auch gleich für sich selbst: "Das Ziel muss noch näher definiert werden."

Zahl potenzieller Soldaten sinkt
Was hat sich in der Reserve geändert? Die Regelungen, die die Reserve betreffen, stammen hauptsächlich aus dem 20. Jahrhundert. Damals existierte die Allgemeine Wehrpflicht und der Eiserne Vorhang teilte Europa. Heute ist der Wehrdienst freiwillig. Um das Personal muss geworben werden. Dieses wiederum wird weniger. Die Aussetzung der Wehrpflicht hat den "zwangsläufigen Zufluss junger Männer versiegen lassen" und die Neuausrichtung der Bundeswehr führt zu einer weiteren Reduzierung des Personalumfangs. Damit verringert sich auch die Zahl potenzieller Bundeswehrsoldaten, die als Reservist in Frage kommen. Für die Reserve der Zukunft haben sowohl die Aussetzung der Wehrpflicht als auch eine veränderte Bereitschaft junger Menschen, sich in der Freizeit verpflichtend an Organisationen zu binden, sowie der demographische Wandel strategische Auswirkungen.

Das Ziel: 65.000 Beorderte
Benedict Freiherr von Andrian-Werburg sagte: "Um unseren Ergänzungsumfang zu decken, müssten wir 75 Prozent der ausscheidenden Zeitsoldaten für Beorderungen gewinnen." Das sei nicht zu schaffen. Es gäbe also zwei Möglichkeiten: "Entweder wir verringern unseren Ergänzungsumfang oder wir werben verstärkt um Reserveoffiziere." Hierzu gebe es bereits erste Maßnahmen, wie das "Pilotprojekt Seiteneinsteiger".  Ziel seien etwa 65.000 Beorderte. "Der Nachwuchs ist grundsätzlich da", sagte Andrian-Werburg. Die anwesenden Akteure müssten jetzt enger zusammenrücken und sich über das gemeinsame Ziel abstimmen. Auch der Reservistenverband müsse näher an die Beorderten heranrücken, sagte er mit Blick auf den anwesenden Bundesgeschäftsführer des Verbandes, Hans Uwe Mergener. Wichtig sei hierbei auch ein Perspektivwechsel, oder eher eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Kern der Sache: "Beorderungsunabhängige Reservistenarbeit heißt nicht, Reservistenarbeit für nicht Beorderte, sondern für Reservisten unabhängig einer Beorderung." In den 1980er Jahren etwa sei jeder, der an einer beorderungsunabhängigen Veranstaltung teilgenommen habe, auch Beorderter gewesen. Die Spaltung in den Köpfen zwischen Beorderten und Unbeorderten sei eine künstliche, die in den vergangenen Jahren entstanden sei.

Ausbildungsprojekt gut angelaufen
Mergener sprach das Konzept des Reservistenverbandes in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr zur Ausbildung in den sogenannten Individuellen Grundfertigkeiten (IGF) und der Körperlichen Leistungsfähigkeit (KLF) an. Dieses Projekt läuft bereits und hat die Ausbildung von Beorderten in den soldatischen Grundfertigkeiten – zum Beispiel Schießen, Sanitätsausbildung, Marsch, ABC-Selbstschutz und Kleiderschwimmen – zum Inhalt. Das ursprüngliche Pilotprojekt – das im Herbst 2014 in vier Regionen in Deutschland lief – sei "ganz gut angelaufen. Wir haben erste Erfahrungen gesammelt", sagte Mergener. Das im kleineren Rahmen abgeleistete Pilotprojekt soll als erweitertes Projekt fortgeführt werden. "Man muss dem Ganzen etwas Zeit geben", warb Mergener. Wichtig sei die ausreichende Qualifizierung des Ehrenamtes, um die übertragenen Aufgaben nachhaltig und auf hohem Niveau durchführen zu können. Hierfür warb er bei den Anwesenden um Unterstützung. Anschließende Wortmeldungen bestätigten General Kropfs Ansatz, über den Sinn von Projekten in Verantwortung des Reservistenverbandes einen gemeinsamen und offenen Austausch zu führen. Nur so könne bei aktiven Soldaten und Reservisten gegenseitiges Verständnis erzeugt werden.

Mehr kommunizieren
Kropf: "Die Bundeswehr braucht  Reservisten", und an Mergener gewandt: "Wir werden Ihnen helfen!". Mit Blick auf das Projekt IGF/KLF sagte Oberstleutnant Thomas Bergmann vom Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten: "Wir brauchen eine bessere Abstimmung zwischen den Landeskommandos und dem Reservistenverband. Zwischen Reservisten, den Feldwebeln für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr und den Organisationsleitern des Reservistenverbandes wird nicht ausreichend kommuniziert."

Auf einem guten Weg
"Um einen gemeinsamen Informationsstand zu erhalten und ein einheitliches Informationssystem zu entwickeln, war und ist die Intention der ersten Tagung unter Führung des Kommandos Territoriale Aufgaben", brachte General Gerd Josef Kropf die Ergebnisse der Tagung auf den Punkt. Die Tagung sei ein wichtiger Schritt gewesen auf dem Weg hin zu einem neuen Verständnis davon, was Reserve bedeutet. Ein besseres Verständnis in den Köpfen sowohl bei den Reservisten als auch bei den aktiven Soldaten. Viele konkrete Maßnahmen pflastern derzeit diesen Weg: Die drastische Kürzung alter Vorschriften, ein neues, besseres Vergütungssystem für Reservisten, bessere Chancen für Seiteneinsteiger in der Reserveoffizierslaufbahn, mehr Verantwortung des Reservistenverbandes bei der Ausbildung von Beorderten – und, das fügte Oberst Andrian-Werburg hinzu: "Auch über finanzielle Anreize für Arbeitgeber, ihr Personal für Reservistendienstleistungen zur Verfügung zu stellen, sollten wir nachdenken. Vielleicht ist das der einzige Weg, es den Reservisten einfacher zu machen." Die Reserve könnte also künftig auf einem gut gepflasterten Weg marschieren.


Oliver Arning / (dh) / (red)

Bild oben: Miteinander reden. Die Tagung in Hannover bot Gelegenheit
zum Austausch von Meinungen und Ansichten in der Reservistenarbeit
(Foto: Oliver Arning, Landeskommando Niedersachsen).

2. Bild: Brigadegeneral Gerd Josef Kropf informierte die Teilnehmer
über die Notwendigkeit von Reservisten für die Bundeswehr
(Foto: Oliver Arning, Landeskommando Niedersachsen).

3. Bild: Hans Uwe Mergener ist der Bundesgeschäftsführer des Reservistenverbandes.
Er stellte auf der Tagung den Auftrag und die Zukunftsplanungen
des Verbandes vor (Foto: Oliver Arning, Landeskommando Niedersachsen).

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