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MSK-Mann der ersten Stunde




Fregattenkapitän d.R. Bathen-Lüttich
Marineschutzkräfte (MSK) "schützen und unterstützen die Einheiten der Marine, deren Einrichtungen und andere Objekte gegen Angriffe terroristischer Kräfte, um die Überlebensfähigkeit der Angehörigen der Bundeswehr, die Funktionsfähigkeit wichtiger Infrastruktur und die Durchsetzungsfähigkeit eigener Kräfte zu sichern" – höchste Zeit, die MSK mal etwas genauer in Augenschein zu nehmen.
Die Marineschutzkräfte sind an Land, im Bereich von Häfen, Reeden und küstennahen Gewässern tätig und der einzige infanteristische Verband der Deutschen Marine. Sie wirken mit ihren Mitteln insbesondere im Verbund mit anderen See- und Seeluftstreitkräften und sind auf enge Zusammenarbeit angewiesen. Dies schließt einen streitkräftegemeinsamen oder multinationalen Einsatz ein. Der Verband Marineschutzkräfte wurde am 1. April 2005 aufgestellt. Ein Großteil der Soldaten der Marineschutzkräfte wurde aus dem am 31. März 2005 aufgelösten Marinesicherungsbataillon 1 übernommen.
So auch der 45-jährige Fregattenkapitän d.R. Alejandro Bathen-Lüttich, der nach einem Reserveoffizieraustausch 2004 seinen Weg vom Heer in die Marine fand. Seinen Grundwehrdienst mit einer Dauer von 15 Monaten absolvierte Bathen-Lüttich 1983, doch in den folgenden sieben Jahren verlor er jeglichen Kontakt zur Bundeswehr. Erst ein zufälliges Treffen und das Gespräch mit einem ehemaligen Vorgesetzten an seinem Studienort brachte die Wendung: er zeigte ihm auf, wie man mit einer Ausbildung zum Reserveoffizier auch als Nicht-Aktiver Offizier werden kann. An Reserveoffiziere werden zum Großteil die gleichen Anforderungen gestellt, wie an Zeit- und Berufsoffiziere gleicher Verwendung und Verantwortungsebene.
Die Entscheidung fiel Bathen-Lüttich nicht schwer: es folgten zahlreiche Lehrgänge und Verwendungen in verschiedenen Batallionen. 1993 wurde er zum Leutnant ernannt. Sein Beruf entführte ihn zwar immer wieder ins Ausland – 1994 bis 1997 und erneut zwei Jahre später war der in Buenos Aires geborene Fregattenkapitän in Spanien im Vertrieb tätig – dies tat seiner Ausbildung jedoch keinen Abbruch. Zwei Wehrübungen á zwei Wochen während seiner Aufenthalte in Deutschland waren die Regel.
Nachdem sich das Jägerregiment 52 auflöste, musste Bathen-Lüttich sich eine neue militärische Heimat suchen. Diese fand er unter anderem bis 2004 beim Panzergrenadierbatallion 401 in Hagenow mit einer Verwendung im Bereich Logistik. Was danach folgte, war der große Einschnitt in seiner Karriere beim Militär.
Es erfuhr, dass bei der Marinesicherung Möglichkeiten einer Verwendung bestünden – prompt wurde er als Stabsoffizier eingeplant und war unmittelbar daran beteiligt, als sich das Marinesicherungsbatallion 2005 auflöste und der neue Verband das Licht der Welt erblickte.
Die Hauptaufgaben der MSK:

  • Land- und seeseitiger Schutz maritimer Einheiten und deren Einrichtungen an Land, in Häfen und auf Reeden im In- und Ausland
  • Schutz der Einheiten der Marine in See durch den bordgestützten Einsatz
  • Nachrichtengewinnung durch den Feldnachrichtenzug zum Schutz eigener Kräfte und zur Unterstützung des taktischen Führers im Einsatzgebiet
  • Aufbau, Betrieb und Schutz des Abstützpunktes der Marine
  • Schützen von Straßentransporten im In- und Ausland

Hier fand der inzwischen zum Major d.R. beförderte, und nunmehr Korvettenkapitän d.R., Bathen-Lüttich sein neues und erfüllendes Aufgabengebiet. Als einer der Männer der ersten Stunde, war er maßgeblich an der materiellen Ausstattung der MSK beteiligt und erlebte auch in der kommenden Zeit, dass die dort anfallenden Tätigkeiten für Reservisten Aufgaben sind, die Sinn machen. "Bei den MSK schieben Reservisten keine Papiere von links nach rechts, sie kriegen Aufgaben, leisten einen produktiven Beitrag und werden in den Tagesablauf integriert," meint Bathen-Lüttich, und die Freude, die ihm sein Einsatz bereitet, ist deutlich zu spüren. Der jetzige Kommandeur übergibt verantwortungsvolle Projekte – da heißt es für Reservisten nicht nur seine Uniform spazieren tragen, sondern mithelfen, die Aktiven zu entlasten. Die Anleitung darf dabei natürlich nicht fehlen, doch der Kommandeur kümmert sich intensiv um seine Reservisten.
Das die Ausbildung nicht nur Theorie ist, zeigte sich auch während der Kieler Woche 2008. Die Absicherung zweier eingelaufener amerikanischer Einheiten, unter anderem der USS COLE, die im Oktober 2000 in Jemen durch einen terroristischen Angriff schwer beschädigt wurde, stand im Vordergrund. Eine anspruchsvolle Aufgabe, da der Wunsch nach Sicherheit von Seiten der USA nach dem 11. September 2001 absolut erstrangig geworden ist. Im Vorfeld wurden Abstimmungsgespräche mit dem Arbeitsstab Kieler Woche, dem PIZ Marine und Feldjägern abgehalten, im Laufe der Kieler Woche lag der Einsatzschwerpunkt für den Fregattenkapitän im Wechsel mit dem Kommandeur in erster Linie bei der Dienstaufsicht am Checkpoint. Die Marineschutzkräfte sind der erste Verband, der in seinem Auftrag die Abwehr von asymmetrischen Bedrohungen als Hauptaufgabe angibt.
Alejandro Bathen-Lüttich ist in einem aktiven Verband eingeplant. Die Zusammenarbeit mit Aktiven der Bundeswehr im Zuge einer Reserveübung ist daher selbstverständlich. Mit Berufs- und Zeitsoldaten gab es dabei bisher nie Schwierigkeiten, die Zusammenarbeit ist konstruktiv und entspannt. In seinem Aufgabenbereich wurde er genauso gefordert wie ein Aktiver. "Sicherlich auch mit Abstrichen, da man als Reservist nicht permanent ‚im Saft‘ steckt," erklärt Alejandro Bathen-Lüttich, "aber ich empfand es als sehr angenehm nicht als Fremdkörper behandelt zu werden, sondern von Beginn an Teil des Ganzen zu sein." Seine Laufbahn begann er im Heer, doch am Ende wurde er "umgepönt", wie er es ausdrückt, und versucht seither seinen Job bei der Marine so gut wie möglich zu machen.
Die Ausbildung bei der Marine ist vielversprechend: sie kann bis zum Kommandeur Res und von dort in die Einsatztruppe oder in ein Amt führen. "Derzeit übe ich als Kommandeur, um im weiteren Verlauf meine Reservetätigkeit in absehbarer Zeit auch als Bataillonskommandeur beordert zu werden, und somit auch den Grundstein für weitere interessante Verwendungen zu legen," führt Bathen-Lüttich aus. Neue Aufgaben, neue Inhalte würden ihn erwarten und mit neuem Grundwissen hieße es dann ganz im Sinne der Marine "frei schwimmen". Sofern ein Reservist die Kommandeurstätigkeit souverän beherrscht, kann ihm die Führung eines Batalillons übertragen werden – beispielsweise wenn der Kommandeur in Urlaub ist.
Das sind viele Herausforderungen, die Alejandro Bathen-Lüttich erwarten und viel Zeit in Anspruch nehmen. Seine Wehr- und Reserveübungen ließen sich bisher jedoch immer mit seiner zivilberuflichen Tätigkeit vereinbaren. Lediglich längere Auslandsaufenthalte seien fast unmöglich, da sie eine Abwesenheit von mindestens drei bis vier Monaten mit sich brächten. Ob Ausland oder Inland – die Ausbildungsziele sind überall gleich: "Kapitän zur See d.R. wäre ein tolles Ziel, aber ich beiße mich nicht darauf fest," erzählt er. "Sicherlich wäre es wünschenswert und die Krönung der militärischen Laufbahn, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Wenn es nicht klappt, erlebe ich als Fregattenkapitän trotzdem neben viel Arbeit ebenso viel Spaß und Berufszufriedenheit bei den Marineschutzkräften."

Text: Anna Beutel

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Marineschutzkräfte (MSK)

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