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Sicherheitspolitische Arbeit

„Muito obrigado“ und „Merci vielmal“




Oberstabsfeldwebel Jaír Renato Hentges, Adjutant für den Heeres- und Luftwaffenattaché an der Botschaft der Föderativen Republik Brasilien (Berlin), links, mit dem Kreisvorsitzenden Helmut Buttlar

Rolf Clement, Chefredakteur der Zeitschrift „Europäische Sicherheit & Technik“ und früherer Chefredakteur der „loyal“, bei seinem Vortrag

Muito  obrigado und Merci vielmal. Wer bei diesen Dankesformeln an Portugiesisch und Schweizerdeutsch (Schwyzerdütsch) denkt, liegt vollkommen richtig. Der Grund: Einer guten Tradition der ehemaligen Bezirksgruppe Kassel (heute die Kreisgruppen Kurhessen, Osthessen und Lahn-Schwalm-Eder) folgend gab es zu Jahresbeginn 2018 wieder einen sicherheitspolitischen Jahresauftakt. Diese in Kooperation mit den Sektionen Fritzlar/ Schwalm-Eder und Kassel/Hofgeismar-Wolfhagen der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) veranstaltete Fachtagung bot am 3. März reichlich Gelegenheit, sich über aktuelle Themen aus den Bereichen Sicherheit, Technik und Streitkräfte zu informieren. Das Besondere der diesjährigen Veranstaltung in DER Stadthalle von Melsungen: es konnten Referenten nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz und Brasilien gewonnen werden.

Manuela Brenner, Mitglied des Reservistenverbandes und im Hauptberuf hohe Polizeibeamtin in der Schweiz (stellvertretende Kommissariatsleiterin im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement), stellte die Möglichkeiten von Fahndungen im Schengenraum im Vergleich zu entsprechenden Möglichkeiten bei Interpol vor. Während die im Schengenraum zusammengeschlossenen Staaten (die Länder der EU, des EFTA-Raumes und der Schweiz) und damit auch die Polizeibehörden zur Zusammenarbeit und Kooperation verpflichtet sind, beruhen Fahndungen unter der Dach von Interpol häufig auf Freiwilligkeit. Die frühere Angehörige u.a. des BGS und des Bundeskriminalamtes und gebürtige Kasselerin verwies dabei auch auf die bisher erreichten Erfolge, die einer sehr hohen Geschwindigkeit, klaren Regelungen und dem Austausch relevanter Informationen der Polizei- und Ermittlungsbehörden im Schengenraum zu verdanken waren.

Anschließend referierte Rolf Clement, Chefredakteur der Zeitschrift „Europäische Sicherheit & Technik“ und früherer Chefredakteur der „loyal“ aus aktuellem Anlass über aktuelle, sicherheitsrelevante Themen, z.B. Hackerangriffe auf politische Einrichtungen in Deutschland, die angekündigte Modernisierung bzw. Erneuerung des russischen Nuklearwaffenpotenzials sowie mögliche Auswirkungen der (zum Zeitpunkt der Veranstaltung) anstehenden Regierungsbildung (Stichwort: GroKo) auf die Themen Bundeswehr und Verteidigung vor dem Hintergrund des vereinbarten Koalitionsvertrages. Kritisch thematisierte er den aktuellen Zustand der Bundeswehr auf dem Gebiet der Materialverfügbarkeit und Einsatzbereitschaft und -fähigkeit (Beispiel: nicht einsatzbereite, auf Werft liegende U-Boote der Bundesmarine). Schlaglichtartig ging er abschließend auf den jahrzehntealten Konfliktherd Naher Osten ein und auf die oft undurchschaubaren politischen Verflechtungen und Bedrohungslagen (Libanon ++ Israel ++ Syrien ++ Irak ++ Iran). Interessant waren seine Hinweise und Schlussfolgerungen bzgl. eines aktiveren Engagements der Bundeswehr z.B. im Rahmen möglicher zukünftiger Blauhelmeinsätze in der Region.

Exotisch wurde es beim dritten Vortrag: Oberstabsfeldwebel Jaír Renato Hentges, Adjutant für den Heeres- und Luftwaffenattaché an der Botschaft der Föderativen Republik Brasilien (Berlin), stellte die brasilianischen Streitkräfte vor und gab somit einen Einblick in einen Teil der Welt, der vielen zurecht exotisch vorkommt, von Informationen über das dortige Militär ganz zu schweigen. Nach zahlreichen Hinweisen zu Topografie, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft dieses riesigen Landes (mehr als acht Millionen Quadratkilometer – das entspricht etwa der West-Ost-Ausrichtung Lissabon – Moskau; über 200 Millionen Einwohner) ging er detailliert auf die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine ein – zusammen 325.000 aktive Soldaten. Die nationale Reserve umfasst sogar 1,3 Millionen Soldaten. Zahlreiche Imagefilme der Teilstreitkräfte untermalten seinen in Deutsch gehaltenen Vortrag. So erfuhren die Teilnehmer, dass zwar viel militärisches Material (Radfahrzeuge; Flugzeuge) im Land selbst produziert werden, aber die Panzerflotte vorwiegend aus deutscher Produktion stammt (Leopard). Eine Spezialität stellt die Dschungel-Ausbildung im Militärbezirk von Amazonien dar. Dort trainieren brasilianische Soldaten zusammen mit Soldaten aus z.B. Deutschland, Bolivien, Panama, Kanada den herausfordernden Kampf im Tropenwald. Dabei kommen – vergleichbar unseren Tragtierkompanien der Gebirgsjäger – Wasserbüffel als Transportmittel zum Einsatz. Außerdem wurde die im Nordosten Brasiliens, in der Region „Caatinga“ stationierte und operierende Spezialeinheit vorgestellt, die in dieser unwirtlichen Region mit extremem Temperaturunterschieden (Tag/Nacht) ihr Training absolviert.

Übrigens: Die noch existierende Wehrpflicht dauert ein Jahr; der Frauenanteil beträgt rund sieben Prozent und es gibt sogar einen weiblichen, brasilianischen General. Die brasilianische Armee hat sich seit 1947 an insgesamt 40 Friedensmissionen bisher weltweit beteiligt.

Oberstabsfeldwebel Hentges schloss seinen sehr detaillierten Vortrag mit der portugiesischen (brasilianischen) Abschiedsformel „Muito Obrigado“.

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