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Neues Ausbildungskonzept: Mehr Zeit für die Grundausbildung




Seit Oktober durchlaufen Freiwillige Wehrdienstleistende (FWD) eine neue Grundausbildung. Keine starren Zeitvorgaben, dafür verbindliche Standards und eine flexible Ausbildung erwarten die Rekruten. So soll auf die individuellen Bedürfnisse der Soldaten besser eingegangen und ihnen der Einstieg ins Militär erleichtert werden. Darüber berichtet die aktuelle "loyal"-Ausgabe, November 2014, auf Seite 33. In einem Exklusiv-Interview für reservistenverband.de erläutert der Leiter der Abteilung Ausbildung im Kommando Streitkräftebasis, Brigadegeneral Michael Traut, den "loyal"-Lesern die Einzelheiten.

loyal: Was genau ändert sich für die Rekruten, die ab dem 1. Oktober ihre Grundausbildung antreten?

Brigadegeneral Michael Traut: Wir haben die Grundausbildung sowohl inhaltlich als auch zeitlich deutlich entfrachtet. Die neue Grundausbildung beinhaltet nun lediglich Anteile der Gefechtsausbildung, Schießen mit der ersten und zweiten Waffe nach dem neuen Schießausbildungskonzept, Ausbildung im Bereich Sanitätsdienst, Schutz- und Wachdienst, Fernmeldedienst, Formaldienst, Sport und Innere Führung. Wir konzentrieren uns auf das tatsächlich Unabdingbare, was jeder ganz am Anfang der Dienstzeit benötigt.

loyal: Was ist das Ziel der neuen Grundausbildung? Was ist daran neu?

Traut: Die neue Grundausbildung konzentriert sich wieder auf das Wesentliche und versucht nicht, in der kurzen Zeit den Rekruten alles das zu vermitteln, was sie im Lauf ihrer Dienstzeit benötigen. Ziel der Grundausbildung ist es, unmittelbar im Anschluss einen Wachdienst leisten zu können und die Basis für die weiterführende Ausbildung gelegt zu haben. Damit wurde ein gemeinsamer, erster Abholpunkt formuliert, der – einschließlich ausreichender Zeit zum Üben und Vertiefen – tatsächlich im ersten Ausbildungsabschnitt erreicht werden kann. Jeder ist mit Abschluss der Grundausbildung auf demselben Ausbildungsstand.

loyal: Wie sieht der zeitliche Rahmen aus? Gelten die drei Monate Grundausbildung als zeitlicher Rahmen auch weiterhin?

Traut: Durch die neuen personalstrukturellen Vorgaben können wir jetzt von Soldaten und Soldatinnen ausgehen, die deutlich länger in den Streitkräften bleiben als bisher. Damit können wir Ausbildungsziele beziehungsweise Abholpunkte für Folgeausbildungen  definieren, anstatt starre Zeitvorgaben in Monaten zu machen. Die Grundausbildung muss nicht zwingend drei Monate umfassen wie bisher. Innerhalb des ersten Ausbildungsabschnittes, der je nach angestrebter Laufbahn auch bis zu sechs Monate dauern kann, ist der Meilenstein "Wachsoldat/-in" zu erreichen. Für die Gestaltung eines Lehrplans können die Militärischen Organisationsbereiche selbst die zeitliche Staffelung und Kombination mit anderen Inhalten festlegen.

loyal: Warum war eine Änderung beziehungsweise Neugestaltung notwendig?

Traut: Die bisherige Grundausbildung war gedanklich noch an den Bedingungen einer Wehrpflichtarmee ausgerichtet. Nach der dreimonatigen Grundausbildung blieben nur wenige weitere Monate für eine fachliche Ausbildung und eine Verwendung in der Truppe. Diese kurze Gesamtzeit führte dazu, dass die Grundausbildung inhaltlich deutlich überfrachtet wurde. Damit entstand ein weiteres Problem: Bei zu viel Inhalt und zu geringer Zeit für dessen Vermittlung mussten Ausbildungsinhalte zwangsläufig priorisiert werden. Zum Abschluss der Grundausbildung war jeder Soldat, jede Soldatin zwar offiziell zum "Wach- und Sicherungssoldat/-in" ausgebildet, aber bei genauerem Hinsehen unterschieden sich die Ausbildungsstände deutlich. Darüber hinaus blieb zu wenig Zeit zum Üben und Verfestigen der Grundfertigkeiten. Viele Inhalte, die eigentlich zum wirklich wichtigen "Handwerkszeug" gehören, blieben oberflächlich und waren leider dem Vergessen preisgegeben.

loyal: Welche Rolle haben die Erfahrungen aus Auslandseinsätzen bei dieser Neuordnung gespielt?

Traut: Unsere Bestrebungen als Ausbilder haben immer die Wegmarken "Einstellung" und "Einsatz" zu beachten. Dazwischen spielen sich wesentliche Aspekte der Ausbildung ab. Wenn wir Soldatinnen und Soldaten wohlvorbereitet in den Einsatz und wieder zurück bringen wollen, müssen wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt ansetzen, und das ist in der Grundausbildung. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass eine Ausbildung möglichst kontinuierlich und vor allem bedarfsorientiert auf ein Ziel hinführen sollte, also "just in time". Dies führte zu der Überlegung, die Grundausbildung von zunächst nicht benötigten Inhalten zu befreien, diese Inhalte aber im Gesamtausbildungszyklus im Auge zu behalten und später anzusiedeln.

loyal: Wie sieht es mit der weiterführenden Ausbildung wie Vollausbildung und Einsatzvorbereitung aus? Werden diese auch neu strukturiert? Gibt es dazu schon Details beziehungsweise: Wann dürfen wir mit Details rechnen?

Traut: Bei diesen Arbeiten sind wir ebenfalls auf einem guten Weg. Für die allgemeinmilitärische Vollausbildung und Einsatzvorbereitung herrscht über das Gesamtkonzept und über die Inhalte der jeweiligen Abholpunkte Konsens mit den Militärischen Organisationsbereichen. Das gemeinsame Arbeitsergebnis zu den entsprechenden Aufträgen des Generalinspekteurs liegt dem Verteidigungsministerium zur Genehmigung vor. Die neue Weisung, die die neue Systematik der Abholpunkte erklärt und Lernziele vorgibt, wird unter anderem das aktuell gültige Konzept der "Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung (EAKK)" vollständig ersetzen. Weiterhin beabsichtigen wir, die bisherige Weisung zum Erhalt der "Individuellen Grundfertigkeiten (IGF)" auf diese neue Systematik hin auszurichten. Unsere Absicht ist, diese neuen Weisungen noch im Jahr 2014 herauszugeben.

loyal: Die Bundeswehr will insgesamt für junge Menschen attraktiver werden. Wie passt eine Umgestaltung der allgemeinmilitärischen Ausbildung in diese Attraktivitätsoffensive hinein?

Traut: Wer sich für die Bundeswehr entscheidet, dem müssen wir ein interessantes, forderndes, aber auch förderndes Arbeitsfeld bieten. Aufgrund der längeren Verpflichtungszeiten werden wir in der Lage sein, den Fokus zu verschieben, und zwar von einer Grundlagenorientierten zu einer regelmäßigen, anspruchsvollen Ausbildung beziehungsweise dem Üben der individuellen Fertigkeiten und des Zusammenwirkens im Team bis hin zur Bewältigung komplexer Lagen. Damit drücken wir der Ausbildungslandschaft einen neuen und, wie ich meine, deutlich attraktiveren Stempel auf. Die vorgenannten Ausbildungsformen erhöhen selbstverständlich das Anforderungsniveau auch an das Ausbildungspersonal aller Ebenen. Um Ausbildung möglichst effizient zu gestalten, sind Ausbildungsinhalte aus den verschiedenen Ausbildungsgebieten grundsätzlich verzahnt und ganzheitlich auszubilden. Ausbildung findet vorzugsweise handlungsorientiert unter realistischen Bedingungen und im Team am Arbeitsplatz statt. Bedarfsgerecht kann dies in den militärischen Organisationsbereichen auch lehrgangsgebunden erforderlich sein. Individuelle Fähigkeiten sind – wo immer zweckmäßig – auch im Team zu erwerben und zu erhalten. Dies steht übrigens nicht im Widerspruch zu Fernausbildung und der Simulation zur Steigerung der Effizienz. Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass wir so einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Bundeswehr als Premiumarbeitgeber wahrgenommen wird.


Das Interview führte Andelka Krizanovic

Symbolbild oben: Die Wachausbildung steht im Vordergrund
des neuen Grundausbildungskonzepts. Damit will die Bundeswehr
seit Oktober 2014 eine einheitliche Ausbildung der
Rekruten gewährleisten (Archivfoto: Bundeswehr,
Sebastian Wilke, flickr.de).

2. Bild: Brigadegeneral Michael Traut ist Leiter der
Abteilung Ausbildung im Kommando Streitkräftebasis
(Archivfoto: Zentrum Innere Führung, Schönbrodt, Bundeswehr).

3. Bild: Auch nachts müssen Soldaten ihr Handwerk beherrschen
(Archivfoto: Bundeswehr, Sebastian Wilke, flickr.de).

4. Bild: Rekruten lesen eine Karte der Bundeswehr und
suchen ihren Weg (Archivfoto: Bundeswehr, Sebastian Wilke, flickr.de).

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