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„Nie war Europa für die USA so wichtig wie heute“




Auch im 14. Jahr ihres Bestehens ist das Interesse der Teilnehmer des Deutsch-Amerikanischen Reserveoffizieraustausches, sich jährlich zu einer Reunion zusammenzufinden und auszutauschen, ungebrochen. Wie bereits im Vorjahr, war auch 2018 das Hauptquartier der US Army in Europa (HQ USAREUR) in Wiesbaden Veranstaltungsort für die Zusammenkunft mit hochkarätigen sicherheitspolitischen Themen auf der Agenda.

42 Teilnehmer des Hochwertprogramms für die Reserve folgten in diesem Jahr der Einladung von Oberst d.R. Mirko Appel und Oberst d.R.Thilo Krökel und ihrem Team zur Reunion nach Wiesbaden. Begrüßt wurden die Teilnehmer durch Colonel Jeff Merenkov, stellvertretender Chef des Stabes im Hauptquartier der US Army in Europa. Er unterstrich die Bedeutung Europas auch im Kontext amerikanischer Sicherheitspolitik. Es gebe eine Umkehr in den Aktivitäten, amerikanische Kräfte aus Deutschland abzuziehen, versicherte der Oberst den deutschen Reserveoffizieren in seinem Willkommensvortrag. Generalmajor Lutz Kohlhaus, Chef des Stabes und stellvertretender Kommandeur des Luftwaffentruppenkommandos, trug zum gleichen Themenkomplex unter der Überschrift "Entwicklung deutscher Sicherheitspolitik – Neuausrichtung der Landes- und Bündnisverteidigung" vor und gab einen Überblick über die Situation in seiner Teilstreitkraft. Wichtigste Botschaft: Die Trendwende ist trotz der dramatischen Einschnitte der vergangenen Jahre eingeleitet.

An den nächsten beiden Tagen folgten Vorträge mit überwiegend deutschen Rednern. Der PR-Stratege Prof. Dr. h.c. Moritz Hunzinger, Studienkollege des vormaligen amerikanischen Nationalen Sicherheitsberaters Herbert Raymond "H.R." McMaster und bekennender Atlantiker, hob in seinem Vortrag die Relevanz der deutsch-amerikanischen Freundschaft hervor, die eines engagierten Neustarts und einer Neufokussierung bedürfe. Wichtig seien charismatische Köpfe für den wechselseitig fruchtbaren Austausch. Der Journalist und Medienexperte Dr. Dirk Förger betonte im Vortrag über rezente Entwicklungen auf dem Balkan die Bedeutung von freien Medien für den Demokratisierungsprozess und schilderte anhand eigener Erfahrungen vor Ort die sich verändernde Lage der letzten Jahre. Oberst Andreas Hornik vertiefte in seinen Ausführungen die Sicht auf die Entwicklungen und Anforderungen der Bundeswehr bis 2031. Nicht fehlen durfte der Bericht von Kameraden des 34. Austauschjahrgangs, die im Sommer an vielen amerikanischen Standorten zwischen Virginia und Hawaii eingesetzt waren.

Brigadegeneral John H. Phillips, Chief Information Officer/Deputy Chief of Staff, G6, USAREUR bannte die Zuhörer mit seinen Erfahrungen und Einschätzungen zur Cyber-Lage im Mittleren Osten und Europa sowie der Aufstellung der amerikanischen Streitkräfte, um Bedrohungen wirksam begegnen zu können. Das Thema fand seine Fortsetzung in den Ausführungen von Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, in letzter Verwendung Director NATO Communications and Information Systems Services Agency, der auch Präsident der Clausewitz-Gesellschaft ist. Er ging der Frage nach, inwieweit Erkenntnisse der klassischen Kriegführung auch auf hybride und Cyber-Lagen übertragen werden können.

Wirtschaft im sicherheitspolitischen Spannungsfeld
Zum Abschluss des Wochenendes zog der Autor, Börsenmakler und Fondsmanager Dirk Müller als "Mister DAX" das Publikum mit seiner Analyse der weltwirtschaftlichen Entwicklung in seinen Bann. Er nahm dabei das Schnittfeld von Wirtschafts-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik in den Blick und analysierte am Beispiel von China, welche zukünftigen internationalen Aktivitäten – insbesondere der USA – zu erwarten seien. Zum Ende der diesjährigen Tagung trug Dr. Helmut Albert, Abteilungsleiter beim saarländischen Verfassungsschutz zum Umgang mit extremistischen Muslimen vor. Er erklärte, wo Ursprünge des Salafismus lägen, skizzierte und beschrieb Anschläge in Deutschland und welche realistischen Wege zum Umgang mit Tätern existierten. Albert schloss mit einem aufrüttelnden Fazit: es gebe keine Entwarnung vor Anschlägen, die zumeist auf niedrigem Niveau stattfinden könnten; komplexe Anschläge größeren Umfangs blieben jedoch nach wie vor möglich. Die Tage klangen in lockerer Runde und bei angeregten Gesprächen mit amerikanischen Offizieren in der Sports Bar in Hainerberg aus. "Wir freuen uns über das ungebrochene Interesse an unserem Programm und insbesondere, dass wir auch in diesem Jahr wieder Gast in Wiesbaden sein durften", sagte Oberst d.R. Appel abschließend.

Hintergrund
Der deutsch-amerikanische Reserve-Offiziersaustausch wurde am 8. Februar 1985 von Verteidigungsminister Manfred Wörner und seinem US-amerikanischen Amtskollegen Caspar Weinberger  begründet. Ziel: Stärkung der Beziehungen zwischen Reserveoffizieren beider Staaten. In diesem Jahr fand das Hochwertprogramm zum 34. Mal statt. Fast 900 deutsche Reserveoffiziere haben bereits teilgenommen. Die Reunion zielt darauf ab, die Verbindung unter den Kameraden einerseits und das Gespräch mit amerikanischen Partnern andererseits auch nach dem Austausch aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund organisiert das Team um die Reserveobersten Mirko Appel und Thilo H. Krökel einmal jährlich eine Konferenz mit hochkarätigen sicherheitspolitischen Rednern und Themen. Die Reunion steht in erster Linie Alumni offen, es gibt aber auch eine begrenzte Zahl von Plätzen für Bewerber des Austauschprogramms.

Mehr über das Austauschprogramm
 

Oberstleutnant d.R. Stefan Bitterle / Oberstleutnant d.R. Dr. Bodo Kubartz

Bild oben:
Dr. Helmut Albert im Gespräch mit den Teilnehmern.
(Foto: Mirko Appel)

Bild Mitte:
Teilnehmer der Deutsch-Amerikanischen Reunion.
(Foto: Mirko Appel)

Bild unten:
DAX-Experte Dirk Müller.
(Foto: Mirko Appel)

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