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Ohne die Miliz oder die Reserve geht es nicht

Welche Erfahrungen haben die Streitkräfte unter Einbeziehung der Reserve im Kampf gegen das Coronavirus gesammelt? Mit dieser Frage beschäftige sich eine Diskussionsrunde des Reservistenverbandes mit Vertretern der Österreichischen Offiziersgesellschaft sowie der Bundeswehr und des Bundesheeres bei einer Online-Veranstaltung, moderiert von Oberstleutnant d.R. Prof. Dr. Patrick Sensburg MdB, Präsident des Reservistenverbandes.

Symbolbild: Ohne die Reserve geht es nicht - weder in Deutschland, noch in Österreich. Das Foto zeigt die Abstrichentnahme für einen Schnelltest in einem Kölner Seniorenheim.

Foto: Sören Peters

Nicht nur in Deutschland werden die Streitkräfte und ihre Reserve zur Pandemiebekämpfung eingesetzt, in Österreich sind es beispielsweise das Bundesheer und die Miliz. Trotz gewisser struktureller Unterschiede arbeiteten die Teilnehmer der Online-Diskussion auch Gemeinsamkeiten im Kampf der Streitkräfte gegen die Pandemie heraus. Das sei genau der Mehrwert von internationaler Kooperationsarbeit wie mit dieser Veranstaltung, stellte Brigadier Erich Cibulka, Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, fest.

Generalmajor Erwin Hameseder, Milizbeauftragter im Bundesministerium für Landesverteidigung, betonte zunächst, dass die Verfügbarkeit von (qualifiziertem) Personal auch von den Umständen im zivilen Bereich und insbesondere von der Bereitschaft der Wirtschaft abhänge. Dies deckte sich auch mit den Einsatzerfahrungen des Kompaniekommandanten des Jägerbataillons Tirol, Hauptmann Hannes Pirker, und des Chefs des Stabes Kommando Streitkräfte, Generalmajor Gerhard Christiner. Zwar konnten zügig entsprechende Kräfte kontaktiert und auch mobilisiert werden, dennoch gab es einige Anträge auf Befreiung seitens der Wirtschaft. Diese seien etwa zur Hälfte auch gewährt worden. Insbesondere bei Schlüsselpersonal in systemrelevanten Bereichen wie Gesundheitswesen und der Lebensmittelbranche war eine Einberufung von Kräften nicht im vollen Umfang möglich. Dies stellte auch die Leiterin der Militärmedizin im Bundesministerium für Landesverteidigung, Brigadier Dr. Sylvia Sperandio, fest. Trotzdem unterstützten viele Milizangehörige die Sanitätsorganisation und trugen so zur Versorgung anhand von Sanitätszügen (Role 1) und Feldambulanzen (Role 2 und Role 3) bei. Nicht zuletzt gewann man die Erkenntnis, dass die Unterstützung der Miliz wichtig und notwendig war.

Fast 5.000 Anträge auf Amtshilfe

Zu einem ähnlichen Schluss kam Brigadegeneral Andreas Henne. Der Stellvertretende Kommandeur des Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit der Reserve. Diese habe wesentlich zum erfolgreichen Betrieb der Operationszentrale des Kommando Territoriale Aufgaben sowie in den Lagezentren der Landeskommandos und den Bezirks- und Kreisverbindungskommandos beitragen. Von den insgesamt 15.000 Freiwilligen, ist gut ein Drittel im Einsatz. So konnten und können unter anderem die bis jetzt 4.842 Amtshilfe-Anträge zügig bearbeitet werden.

Oberstarzt d.R. Prof. Dr. Edgar Strauch, Vizepräsident des Reservistenverbandes und Impfarzt in Halle an der Saale, bestätigte die gute Zusammenarbeit. Diese erlebe er während seines aktuellen Einsatzes im Impfzentrum täglich. Diese gut funktionierende Zusammenarbeit werde zwar auch in der Zivilbevölkerung wahrgenommen, nichtsdestotrotz seien die Erfahrungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Schlüsselpersonal auf deutscher Seite ähnlich.

Problematik beim Schlüsselpersonal

Der Kommandeur Gesundheitseinrichtungen und Stellvertreter des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generalstabsarzt Dr. Stephan Schoeps, sieht vor allem dort die Problematik beim Schlüsselpersonal, wo eben jenes – wie beispielsweise im Gesundheitswesen – bereits unter einer besonderen Belastung steht. Umso erfreulicher war es, dass die Einberufung von Reservistinnen und Reservisten entbürokratisiert und somit deutlich beschleunigt werden konnte. Dadurch war es möglich, dass viele von den Freiwilligen aus der Reserve, die den Anforderungen entsprachen, zeitnah verfügbar waren. Das Prinzip der Freiwilligkeit habe sich damit bewährt. Allerdings wurde dies auch durch die Situation des ersten Lockdowns gestützt, da Arbeitgeber bereitwillig waren, ihre Arbeitnehmer freizustellen, was in beim zweiten Lockdown jedoch merklich zurückgegangen sei, konstatierte Schoeps.

Verstärkte Werbung in der Wirtschaft

Unter dem Strich stellte die Runde fest, dass die schnelle Verfügbarkeit und Einberufung von qualifiziertem Personal gegeben waren, sich jedoch Probleme zeigten, wenn die Akteure in der Wirtschaft nicht ausreichend von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen überzeugt waren. Deshalb müsse weiterhin verstärkt für die Sache geworben und seitens Politik klare Vorgaben erstellt werden. Eine Definition, Identifikation und Kontaktpflege hinsichtlich des Schlüsselpersonals sei essenziell, um eben jene Verfügbarkeit zu gewährleisten oder diese abschätzen zu können. Der Kampf gegen das Coronavirus zeigt: Ohne Reserve und Miliz geht es nicht.

Der Vizepräsident für Internationale Zusammenarbeit des Reservistenverbandes, Oberst der Reserve Dr. Marc Lemmermann, hielt dazu fest: „Die Erfahrungen, die beim Einsatz von Reservisten im Rahmen der Corona-Hilfe gesammelt wurden und werden, können als positiv bezeichnet werden. Interessant sind die Probleme, die Reservisten mit der Bürokratie oder finanziellen Nachteilen haben. Hier können beide Länder voneinander lernen.“

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