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Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

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„Ohne Wenn und Aber zur Verfügung stehen!“




Bis zum 1. April kommenden Jahres soll jedes Landeskommando eine Regionale Sicherungs- und Unterstützungseinheit (RSU-Einheit) in Kompaniestärke aufgestellt haben, so die aktuelle Planung der Bundeswehr. Die Vorbereitungen laufen in den 15 Landeskommandos auf Hochtouren. Am 15. Juni konnte das kleinste Bundesland Bremen bereits Vollzug melden – wir berichteten. Oberst Rolf Stichling ist gebürtiger Bremer und der Kommandeur des Landeskommandos Rheinland-Pfalz in Mainz. Der 58 Jahre alte Stabsoffizier plant die Aufstellung der ersten Kompanie in Rheinland-Pfalz für November dieses Jahres. Er hat klare Vorstellungen von den Reservisten, die er in seine RSU-Einheiten aufnehmen will. Sie sollen in einem sogenannten scharfen Einsatz, also zum Beispiel im Falle einer Naturkatastrophe, kurzfristig "ohne Wenn und Aber zur Verfügung stehen".

reservistenverband.de: Herr Oberst Stichling, welche Anforderungen stellen Sie an Reservisten, die sich in die RSUKr einbringen möchten?

Stichling: Die Anforderungen an die Reservisten leiten sich aus dem Auftrag der RSUKr ab. Da es sich dabei primär um militärische Wach- und Sicherungsaufgaben handelt, setzen Ausbildungen zum Erhalt oder zur Verbesserung der Qualifikation Sicherungssoldat hier die Maßstäbe. Dies setzt zunächst eine angemessene gesundheitliche und körperliche Fitness voraus, die durch qualifizierte Ärzte der Bundeswehr festzustellen ist. Weiterhin erwarten wir, dass Reservisten, die sich für eine Verwendung in den RSUKr interessieren, in einem Jahr circa fünf Wehrübungstage bei uns ableisten, um Ihre Basisausbildung zu absolvieren. Allerdings werden wir unsere Ausbildungsvorhaben zeitlich flexibel gestalten können, so dass wir in gewissen Grenzen auch auf persönliche oder berufliche Belange der Reservisten Rücksicht nehmen können. Die wichtigste Anforderung, die wir jedoch an die zukünftigen Angehörigen der RSUKr stellen müssen, ist die unbedingte Bereitschaft jedes Einzelnen, im Falle eines Einsatzes dieser Kräfte – notfalls auch kurzfristig – ohne Wenn und Aber zur Verfügung zu stehen.

reservistenverband.de: Welche Karrierechancen bieten die RSUKr einem Reservisten?

Stichling: Wir sind froh, dass es mit Aufstellung der RSUKr wieder möglich sein wird, auch qualifizierte und engagierte Reservisten in Mannschaftsdienstgraden angemessen zu fördern. Eine solche Förderung war in den vergangenen Jahren für viele Reservisten mit Mannschaftsdienstgrad mangels entsprechender Dienstposten leider oft nicht möglich. Wir werden von diesen neuen Möglichkeiten auch gerne Gebrauch machen. Wo uns Engagement und Leistung überzeugen, werden unsere Mannschaften aufsteigen können. Aber auch den Offizieren und Unteroffizieren werden wir Perspektiven in den RSUKr bieten können und die einzelnen Laufbahnen werden im bestimmten Ausmaß durchlässig sein. Allerdings gelten auch hier die eindeutigen gesetzlichen Vorgaben und die setzen als Voraussetzung für einen Laufbahnwechsel auch bei Reservisten üblicherweise längere lehrgangsgebundene Ausbildungen und Laufbahnprüfungen voraus. Wer hierfür die nötigen persönlichen Voraussetzungen und etwas Flexibilität mitbringt, kann in den RSUKr seine Karriere machen.

reservistenverband.de: Welche Erwartungen haben Sie an die Mandatsträger des Reservistenverbandes während der Aufstellungsphase?

Stichling: Ich erwarte von allen Mandatsträgern, dass sie unablässig in ihren Gliederungen informieren und für den Dienst in den RSUKr kräftig werben. Mir ist wichtig, dass wir nicht erst mit Begeisterung diese Elemente aufstellen, dann aber nach wenigen Jahren feststellen müssen, dass das Engagement nachlässt und wir einen langsamen aber kontinuierlichen Schrumpfungsprozess erleben.

reservistenverband.de: Wie können die Gliederungen effektiv zur Aus- und Weiterbildung der RSUKr beitragen?

Stichling: Die Beauftragten für Sicherheitspolitik und vor allem die für die militärische Ausbildung sehe ich zusätzlich in der Pflicht, in Ergänzung der hoheitlichen Ausbildungsvorhaben des Landeskommandos Rheinland-Pfalz – denn ich kann nur für Rheinland-Pfalz sprechen – komplementäre Ausbildungsangebote als Veranstaltungen des Reservistenverbandes zu entwickeln und durchzuführen. Unser gemeinsamer Ansatz, die RSUKr innerhalb kurzer Zeit aufzustellen und zu einer ersten operationellen Einsatzbereitschaft zu führen, erfordert es, dass wir alle Kräfte bündeln und gemeinsam in die Ausbildung dieser Reservisten investieren. Mit dem Befehl des Landeskommandos Rheinland-Pfalz für die militärische Ausbildung 2013 im Rahmen der Reservistenarbeit vom 28. Juni dieses Jahres haben wir bereits klare Leitlinien hierzu vorgegeben.

reservistenverband.de: Mit welchen zusätzlichen Argumenten könnte aus Ihrer Sicht das Interesse von Reservisten für das RSUKr-Vorhaben gewonnen werden?

Stichling: Wir. Dienen. Deutschland. und Tu was für Dein Land: Diese Leitsätze der Bundeswehr und des Reservistenverbandes beschreiben in aller Kürze und Klarheit, woraus sich die Motivation der Reservisten für Ihre Aufgabe als Heimatschützer hauptsächlich speisen sollte. Für diesen Ehrendienst an der Allgemeinheit bieten Beorderung und Dienst in den RSUKr eine interessante und fordernde Ausbildung zur Vorbereitung auf wichtige potentielle Aufgaben im Heimatschutz. Nicht ohne Reiz für viele Reservisten ist sicherlich auch ihre Rolle als Mittler für die Bundeswehr in der Gesellschaft. Zur Wahrnehmung dieser schönen Aufgabe werden interessierte Reservisten eine ganze Reihe von hochwertigen Lehrgängen und Seminaren an Ausbildungseinrichtungen der Streitkräfte besuchen können.

reservistenverband.de: Bis wann rechnen Sie mit der ersten Indienststellung von RSU-Kräften in Rheinland-Pfalz?

Stichling: Wenn wir mit der Gewinnung und dem Prüfen der wehrrechtlichen Verfügbarkeit der Bewerber weiter so gut vorankommen wie in den zurückliegenden Monaten und die entsprechenden Organisationsgrundlagen zur Verfügung gestellt werden, halten wir einen Aufstellungsappell im November dieses Jahres für möglich, der – so viel steht fest – an einem repräsentativen Ort in würdiger Form seinem Anlass gerecht werden wird.

Das Interview führte Thomas Brammer-Türck.
Er ist Landespressereferent des Reservistenverbandes
in Rheinland-Pfalz.

Bild oben: Oberst Rolf Stichling (links) im Gespräch
mit Thomas Brammer-Türck
(Foto: Landeskommando Rheinland-Pfalz).

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