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Operationsgebiet: Straße von Hormus




Seit der Antike ist die Straße von Hormus eine wichtige Schifffahrtsroute. Heute ist sie zudem von strategischer Bedeutung für die weltweite Energieversorgung. Eine Störung des internationalen Seeverkehrs oder gar eine Sperrung der Erdöllieferungen im Nahen Osten würde empfindliche Auswirkungen nach sich ziehen. 40 Prozent des weltweiten Öltransports passieren täglich die zirka drei Kilometer breite und 35 Kilometer lange Meerenge. Der gesamte Schiffsverkehr zu den zahlreichen Häfen der Anrainerstaaten wäre durch eine Störung unmittelbar betroffen.

Deutschland importiert nur einen geringen Anteil von Rohöl aus dem Arabischen Golf, eine Beeinträchtigung des Öltransportes durch die Straße von Hormus würde jedoch weltweit sofort zu einer dramatischen Steigerung der Energiepreise führen. In Deutschland wäre dies vorrangig durch empfindliche Preissteigerungen an den Tankstellen spürbar.

Ein regionales Problem kann nicht allein durch die Anrainerstaaten gelöst werden. Folgerichtig reduziert sich die Verantwortung zur Gewährleistung der sicheren Schiffspassage in und aus dem Arabischen Golf nicht auf einzelne Nationen, sondern stellt sich als globale Aufgabe dar. Eindeutig sind hier auch deutsche Interessen betroffen.

Manöver IMCMEX 2013
Sicherheit von Seetransport und Energielieferungen beschränkt sich nicht auf den Transport über Wasser, wichtig ist auch die Sicherheit von Häfen und Hafenumschlagseinrichtungen, Ölplattformen, zusammenfassend die gesamte maritime Infrastruktur. Schutz der maritimen Infrastruktur war das Thema des Manövers IMCMEX 2013, geführt aus Bahrain, im Zeitraum vom 6. bis 30. Mai.

IMCMEX steht für "International Mine Counter Measures Exercise", dem Namen nach zunächst nur eine internationale Seeminenabwehrübung – tatsächlich aber die größte Seeübung in der Region zum Thema Sicherheit auf See und weitreichender multinationaler zivil-militärischer Zusammenarbeit auf See. 41 beteiligte Nationen, 35 Marineeinheiten, 18 UUVs (unmanned underwater vehicles), zirka 100 EOD (explosive ordnance disposal)-Taucher und rund 7.000 Soldaten zeigten wie umfangreich die Übung gestaltet war.

Geübt wurden alle Varianten von Seeminenabwehr durch schwimmende und fliegende Einheiten, Einsatz von UUVs und Minentauchern. Es wurden Minenexplosionen simuliert und die Folgeschäden, Ölaustritt und Ölbekämpfung durch zivile Katastrophenschutzorganisationen trainiert.

Bei einer echten Minenbedrohung wären bestimmte Seegebiete nicht passierbar. In solchen Fällen, ähnlichen Krisen und militärischen Bedrohungen muss die Schifffahrt durch die Marine geführt werden. Die NATO hält dafür Verfahren und Personal bereit. Diese Fähigkeit trägt den Titel NCAGS, die Abkürzung steht für "NAVAL CO-OPERATION AND GUIDANCE FOR SHIPPING". Das Personal hierfür wird in fast  allen Nationen weitgehend durch Reservisten gestellt. NCAGS war integraler Bestandteil der Übung. Das Lagezimmer befand sich auf der US Naval Base in Manama/Bahrain.

Militärische wie zivile Akteure waren am Manöver live beteiligt. Namhafte große Ölkonzerne stellten für die Übung Flottenmanager und Company Security Officer (CSO) ab. Durch ihre persönliche Anwesenheit vor Ort und durch die Einbindung von Schifffahrtsbehörden war ein sehr realistischer Manöververlauf darstellbar. Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich NCAGS.

Mit zunehmender Bedrohung für die Schifffahrt wurde die Bedeutung von NCAGS im Übungsszenario immer wichtiger. Erfassen der Schiffsbewegungen, Beratung der Schifffahrt, Warnungen, Routenempfehlungen ist der Anfang. Bei weiter zunehmender Bedrohung werden die Schiffe zu Konvois zusammengefasst und militärisch geschützt. Der Transit durch minengefährdete Gebiete erfolgt durch abgesuchte Kanäle unter Führung von Minenabwehreinheiten.

Im Live-Konvoi durch die Straße von Hormus wurde unter anderem der größte Gastanker der Welt, die "MS Al Karaana" mit 122.000 Tonnen und 315 Metern Schiffslänge, durch eine US-Fregatte und weiteren Marineeinheiten verschiedener Golfstaaten eskortiert. Der gesamte Seeverkehr wurde erfasst, um auf auffällige Bewegungen gezielt reagieren zu können, zum Beispiel das Durchsuchen von Fahrzeugen und die Rückeroberung von besetzten Schiffen und Objekten.

Übergeordnetes Ziel der Übung: Schutz der Seewege mit dem Schwerpunkt Straße von Hormus, Schutz des Seehandels, Schutz maritimer Infrastruktur aber vor allem ein Signal an potentielle Gegner: die Golfstaaten und die Weltgemeinschaft würden eine Störung der Seewege nicht akzeptieren.

Deutsche Beteiligung
Eine Minentauchereinsatzgruppe mit 19 aktiven Soldaten aus Eckernförde sowie vier Reservisten nahmen am IMCMEX teil.

Deutsche NCAGS-Offiziere rekrutieren sich aus Reservisten, die überwiegend in der zivilen Schifffahrt tätig sind. Sie leisten mit ihrer maritimen Fachexpertise einen wesentlichen Beitrag zur Kooperation mit den zivilen Stellen.

NCAGS-Stäbe sind grundsätzlich multinational besetzt, so auch bei dem Manöver IMCMEX in Bahrain. Der Stab bestand aus insgesamt zehn Offizieren und sechs Unteroffizieren und setzte sich zusammen aus: sieben US-Amerikanern, vier Deutschen, zwei Briten, einem Dänen und einem Belgier.

Die Arbeit im NCAGS-Stab umfasste das Sammeln von Gefahrenmeldungen und Ausgabe von Warnungen an die Schifffahrt, Entwickeln von alternativen Seerouten, Organisation von Konvois, Aufbau und Intensivierung von Kontakten zur zivilen Industrie, Informationsaustausch mit hochrangigen Vertretern führender Ölfirmen, ständiger Lagebildaustausch mit Behörden und mit dem Führungsstab des Manövers sowie der Beratung des Commander Task Force (CTF).

Während des Manöververlaufs wurden immer wieder Handlungsoptionen zu unterschiedlichen Problemstellungen entwickelt, um nach Lösungsansätzen für den gestellten Auftrag zu suchen. Als besondere Herausforderung ist hier die internationale rechtliche Situation hervorzuheben, die unter anderem mit einer Juristin der Royal Navy intensiv diskutiert werden konnte. Wie stellt sich die rechtliche Situation dar, wenn im multinationalen Verband der Schutz für die Handelsschiffe mit Waffengewalt gewährleistet werden soll?

Erkenntnisse
Mit der Beteiligung des deutschen NCAGS-Personals am IMCMEX konnte ein wesentlicher Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung des Manövers erbracht werden. Entscheidenden Anteil hatte hierbei die weitreichende Handelsschiffexpertise der deutschen Reservisten. Diese besondere zivilberuflichen Qualifikation ist in der Deutschen Marine nicht ausreichend vorhanden. Dieser Mangel wird durch die Beorderung von Reservisten aus den unterschiedlichen Bereichen der zivilen Seefahrt ausgeglichen. Das Dezernat Marineschifffahrtleitung ist mit über 220 Reservisten hervorragend aufgestellt, um Aufgaben in solchen multinationalen Verbänden übernehmen zu können.

Das komplexe Betätigungsfeld an der Schnittstelle zwischen der Marine und der Handelsschifffahrt erfordert Expertise aus beiden Bereichen. Die Marineschifffahrtleitung stellt mit Kapitänen, Lotsen und anderen Schifffahrtsexperten sowie ehemaligen Marinesoldaten den deutschen Beitrag zu NCAGS sicher.

Die Motivation für aktive Reservisten spiegelt sich in der persönlichen Bereicherung wider. Manöver und Einsätze im In- und Ausland, in internationalen Stäben, Zugang zu neusten Technologien und Netzwerkbildung sind Erfahrungen, die einen persönlich weiterqualifizieren. Diese neuen Erkenntnisse und Qualifikationen kann der Reservist gewinnbringend in seinem Zivilberuf nutzen. Für seinen Arbeitgeber wird der Mitarbeiter kostenneutral weitergebildet. Für die deutsche exportorientierte Industrie ergeben sich häufig neue Kontakte, gegebenenfalls auch neue Geschäftsbeziehungen und Aufträge.

Für die Zukunft ist es von großer Bedeutung, weitere Experten aus dem zivilen Bereich der Seeschifffahrt zu gewinnen und über interessante Wehrübungen für die Sache zu begeistern und damit die Arbeitgeber von der Wertigkeit einer Reserveübung zu überzeugen.

Zu einem weiteren Beitrag über das Manöver geht es hier zur Marine-Homepage.


Axel Schult

Der Autor ist Kapitänleutnant der Reserve (Crew VI/89)
und zivilberuflich Leiter des maritimen Weiterbildungszentrums
der Firma INTERSCHALT maritime systems AG in
Schenefeld. Als Reservist ist er NCAGS-Organisation aktiv.

Bild oben: Deutsche Minentaucher nahmen am Manöver
IMCMEX 2013 in der Straße von Hormus teil
(Foto: Bundeswehr, Minentaucherkompanie Eckernförde).

2. Bild: Gastanker "MS Al Karaana" im Konvoi
(Foto: Axel Schult).

3. Bild: Besprechung während des Manövers IMCMEX 2013
zwischen Marineoffizieren und Vertretern der Handelsschifffahrt
(Foto: Axel Schult).

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