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Pilotprojekt zur Ausbildung Ungedienter startet in Berlin

In der Julius-Leber-Kaserne in Berlin ist am Donnerstag (12. April) das Pilotprojekt zur Ausbildung Ungedienter gestartet. Rund 20 Freiwillige zwischen 25 und 55 Jahren beginnen ihre Allgemeine Grundausbildung. An 13 Wochenenden sollen sie zu Reservisten werden, die die Bundeswehr mit ihren zivilen - und dann auch militärischen - Kompetenzen unterstützen können. Los geht es mit Formaldienst.

Angehende Reservisten bei der Einkleidung. Die Aufnahme entstand bei einer Info-DVag für Reservistenmusikzüge.

Foto: Ralf Wittern

Tausche Sneaker gegen Stiefel - angehende Reservisten bei der Einkleidung. Die Aufnahme entstand bei einer Info-DVag für Reservistenmusikzüge.

Foto: Ralf Wittern

Verbandspräsident Veith (l.) im Gespräch mit Karsten Ahrens, Landesgeschäftsführer Berlin und Projektbeauftragter, sowie Reservistin "in spe" Natalie Schneider. Daneben: Generalleutnant Peter Bohrer, Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis (r.).

Foto: Ralph Erlmeier

AusbildungUngediente

Ganz neu ist das Konzept zur Ausbildung Ungedienter nicht. In den vergangenen Jahren hat die Bundeswehr vermehrt Zivilisten in Wochenendlehrgängen zu Reservisten ausgebildet. Aber: Da hatte die Bundeswehr die Federführung inne. Bei dem Pilotprojekt, das nun in Berlin startet – und nach Abschluss völlig ergebnisoffen evaluiert werden soll – leitet der Reservistenverband die Ausbildung.

Beorderungsstand für RSU-Kompanien steigern

Ziel ist es, den Beorderungsstand in den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien signifikant zu steigern, also Reservisten für Beorderungen zu gewinnen und nicht etwa Zeitsoldaten für den aktiven Truppendienst. Denn: Der Kernauftrag der Reserve, der Heimatschutz, gewinnt nach Ansicht des Verteidigungsministeriums mehr und mehr an Bedeutung. Der Bedarf an Reservisten in der Bundeswehr ist derzeit jedoch größer als das Angebot Freiwilliger. Während die Kreis- und Bezirkskommandos vergleichsweise gut aufgestellt sind, stagnieren die Zahlen beim Heimatschutz, vor allem bei den Mannschaften.

Gemeinsam erproben, wie Ausbildung erfolgen kann

„Dieser hohe Bedarf erfordert kreative Wege, um Nachwuchs zu gewinnen“, sagte Generalleutnant Peter Bohrer, Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis. „Der Reservistenverband ist für uns ein wichtiger und zuverlässiger Partner, mit dem wir eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Deshalb werden wir gemeinsam erproben, wie die Ausbildung Ungedienter durch den Verband erfolgen kann. Ziel dieser Kooperation soll es sein, die aktive Truppe wirksam zu unterstützen und so zu einem stetigen Aufwuchs in der Reserve beizutragen.“

Der Auftrag für den Reservistenverband lautet daher folgerichtig: Gewinnung zusätzlicher Köpfe für Reservistendienst in den Streitkräften. „Der Reservistenverband verfügt über ein breites Netzwerk und Expertise in der Ausbildung. Wir sind der Partner der Bundeswehr zur Unterstützung bei der Gewinnung und Ausbildung von Reservisten“, sagte Verbandspräsident Oswin Veith MdB. Die Ausbildung an den Wochenenden sei „lebenslagengerecht“, meint der Oberst der Reserve. So käme man den Arbeitgebern nicht in die Quere, die ihre Mitarbeiter sonst freistellen müssten.

Grundlage: Weisung für die Reservistenarbeit

Rund ein Jahr hat die Vorbereitung des Pilotprojekts in Anspruch genommen. Grundlage dafür ist die Weisung für die Reservistenarbeit des damaligen Stellvertreters des Generalinspekteurs Markus Kneip. Hier heißt es im Wortlaut: „Das streitkräftegemeinsame Konzept zur Ausbildung von Reservisten in der Bundeswehr zeigt auch auf, wie Ungediente allgemeinmilitärisch ausgebildet und in die Reserve integriert werden können. Gerne nehme ich dabei das Angebot des Reservistenverbands auf, sich unter der Maxime ‚Reservisten bilden Reservisten aus‘ weiterhin an der Ausbildung unserer Reservistinnen und Reservisten zu beteiligen und diese auszubauen.“

Im Vorfeld des Pilotprojekts gab es jedoch auch kritische Stimmen, die die „Auslagerung“ dieser Ausbildung als problematisch erachteten – insbesondere für Ausbildungsinhalte, die unter hoheitliche Aufgaben fallen wie beispielsweise die Ausbildung an der Waffe oder Wehrrecht. Diese Ausbildungsinhalte werden aber nicht von Reservisten vermittelt, sondern von aktiven Soldaten der Bundeswehr. Die Teilnehmenden sind dann auch in DVag (Dienstliche Veranstaltung). Rechtlich wurde dieses Vorgehen bis ins Details geprüft und juristisch als positiv bewertet. Zuvor fand zudem eine Sicherheitsüberprüfung aller Teilnehmer durch den Militärischen Abschirmdienst statt.

Kameradschaft erleben

Was die Ausbildungsinhalte angeht, so hat die Bundeswehr Stundenansätze und Themen vorgegeben. Diese richten sich nach den Maßstäben, die auch für Rekruten gelten. An den 13 Wochenenden wächst die Gemeinschaft zusammen, auch die Ausbilder sind immer nah an den Teilnehmenden dran. Es bildet sich Kameradschaft – Soldat sein, heißt auch immer, Teil eines Teams zu sein, sich aufeinander verlassen zu können.

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