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Posttraumatische Belastungsstörung: Auch Töten macht krank




Zum vierten Mal traf sich die Arbeitsgruppe "PTBS und Familienbetreuung", um über Fortschritte der Arbeit zum Wohle PTBS-Erkrankter zu beraten. Der Reservistenverband will Traumatisierten helfen.

"Die Treuepflicht des Soldaten und die Fürsorgepflicht des Dienstherrn gehören untrennbar zusammen", sagt Winfried Nachtwei. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete ist seit zwei Jahren Mitglied im Beirat Innere Führung. Als Leiter der Arbeitsgruppe "Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)" trug er während einer Tagung in Königswinter vor. Dort trafen sich zehn Mitglieder der Arbeitsgruppe "PTBS und Familienbetreuung" des Reservistenverbandes, um Fortschritte in der Betreuung erkrankter Soldaten zu erörtern.

Keine Zeit verlieren
Nachtwei stellte ernüchtert fest, "dass die Wartezeiten in den Bundeswehrkrankenhäusern nicht mit der Fürsorgepflicht des Dienstherrn vereinbar sind. Es fehlen bei der zunehmenden Anzahl von PTBS-Fällen die Fachkräfte". Dabei gebe es eigentlich keine Zeit zu verlieren. Den Betroffenen müsse schnell und kompetent geholfen werden. Nachtwei berichtete von den Erfahrungen der britischen Streitkräfte aus dem Falklandkrieg des Jahres 1982. Die Briten verloren während des kurzen Krieges 242 Soldaten, 777 wurden verwundet. "Bis heute haben sich über 200 Kriegsteilnehmer das Leben genommen. Die seelischen Belastungen wirken also nach – länger als wir denken. Auch Töten macht krank", so Nachtwei. Deshalb empfiehlt er ein Screening der psychischen Belastbarkeit von Bundeswehrbewerbern.

"Wir durften nicht schießen – das belastet mich sehr!"
Unter den Teilnehmern im Arbeitnehmerzentrum Königswinter war auch ein an PTBS erkrankter Mann. Der 33-Jährige berichtete von seinem Einsatz in den Jahren 2000/2001 in Mazedonien. Dort geriet er zwischen die Fronten und erlebte während der Gefechte um die Stadt Tetovo den Tod eines Mädchens, dem er nicht helfen konnte, als es verletzt wurde. "Wir standen selbst unter Beschuss, durften nicht schießen. Das belastet mich sehr", so der Hauptgefreite der Reserve. Heute ist er erwerbsunfähig, kann von der gesetzlichen Rente kaum leben. Seine psychische Erkrankung wird bis heute nicht angemessen anerkannt. Jetzt erfährt der Mann nur Hilfe vom ehemaligen Militärpfarrer Wolfgang Gorki aus Nürnberg. "Ich bin viel mit Herrn Gorki zusammen, fahre ihn des Öfteren zu seinen Terminen. Das gibt mir sehr viel Halt."

Praktische Hilfe für Betroffene
An dem Beispiel zeigt sich, dass Verbesserungen nicht nur durch gesetzliche Regelungen zu erreichen sind. Es geht vielmehr um Betreuung, um Hilfe bei Behördengängen, um Unterstützung darin, den Alltag sinnvoll zu gestalten. Hier will die Arbeitsgruppe "PTBS und Familienbetreuung" des Reservistenverbandes unter Leitung von Professor Horst Schuh – wir berichteten – praktische Hilfe organisieren. Dazu gehören eine Informations- und Netzwerkarbeit sowie die Bereitstellung von Handreichungen und Ansprechpartnern beim Reservistenverband. Ein Flyer zum Thema "Seelische Verwundungen im Einsatz" ist in Arbeit und wird bald herausgegeben. Er liegt gerade bei Professor Wolfgang Mack zur Endkorrektur.

Zu wenige Lehrgangsplätze
Reservisten aus den örtlichen Kameradschaften sollen, so das Ziel, auch direkt mit den Betroffenen an deren Heimatort Kontakt aufnehmen und sie umfassend betreuen. Dies scheitert derzeit an mangelnden Lehrgangsplätzen bei der Bundeswehr. Die qualifizierte Peer-Ausbildung ist zwar grundsätzlich für Reservisten geöffnet worden, doch die Bundeswehr hält die Plätze zurzeit für Reservisten frei, die selbst in den Einsatz gehen. "Das hilft uns deshalb nicht. Da werden wir andere Wege finden müssen", so Klaus Eckleber, zuständiger Mitarbeiter in der Bundesgeschäftsstelle des Reservistenverbandes.


Detlef Struckhof

Bild oben: Tagungsteilnehmer der PTBS-Arbeitstagung
in Königswinter, von links: Jürgen Kundermann,
Dr. Horst Schöttler, Winfried Nachtwei,
Ludwig Uhlmann und Prof. Wolfgang Mack
(Foto: dest).

Bild Mitte: Winfried Nachtwei trägt zu den
Entwicklungen in der PTBS-Betreuung vor
(Foto: dest).

Bild unten: Die Teilnehmer arbeiteten eine
umfangreiche Tagesordnung ab, hier PC-Ansicht
(Foto: dest).

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