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PTBS-Therapie: Hunde bringen Familien wieder zusammen




Dackel Lappes sorgte bei den 160 Teilnehmern des 2. PTBS-Kongresses des Reservistenverbandes in Hamburg für gute Laune. Der Rüde lief durch die Reihen des Hörsaals an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr und brachte jeden zum Lächeln, den er vor seine feuchte Nase bekam. "Sie sehen, wie leicht Hunde uns Menschen fröhlich machen können", sagte Besitzerin und Oberfeldveterinär Dr. Christiane Ernst in ihrem Vortrag über die Hundebegleittherapie bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).

Vielen der an PTBS erkrankten Soldaten sind leider das Lachen sowie die Freude am Leben vergangen. In einem bewegenden Vortrag berichtete ein Einsatzveteran davon, wie er von seinem Schützenpanzer aus durch ein Nachtsichtgerät sehen musste, wie ein Panzerabwehrgeschoss auf ihn zukam. Zum Glück verfehlte das Geschoss sein Ziel, explodierte mit lautem Knall neben dem Panzer. Ein anderes Panzerabwehrgeschoss hatte zuvor ein Fahrzeug von Kameraden getroffen. Sie wurden schwer verletzt. Der heutige Major war mehrfach im Afghanistaneinsatz, sah verwundete und tote Soldaten, stand mit seinen Kameraden im Gefecht. Diese Erlebnisse belasten ihn bis heute. Er ist an PTBS erkrankt. Als Berufssoldat ist er gut abgesichert und versorgt. Er nimmt auch wieder am Tagesdienst in seiner Kaserne teil, wird von einer Lotsin – einer jungen Frau Hauptfeldwebel – betreut. Und wie Christiane Ernst es empfiehlt, hat sich seine Familie einen Hund zugelegt. Das Tier brachte die Familie wieder zusammen und sie lachen gemeinsam.

Körperliche Verletzungen mit psychischer Komponente
Die Landesgruppe Hamburg lud Anfang November zum 2. PTBS-Kongress ein. Dort kamen Experten aus Bundeswehr, Zoll, Polizei, Feuerwehr, Militärseelsorge, Reservistenverband und anderen nahestehenden Organisationen zusammen, um gemeinsam über den Stand der PTBS-Betreuung zu sprechen. Major der Reserve Dr. Matthias Witt-Brummermann war zum zweiten Mal dabei. Er sagt: "Für mich ist es faszinierend, wie hier der Blickwinkel nicht nur auf die psychischen Erkrankungen sondern auch auf die körperlichen Verwundungen gerichtet wird. Denn auch die körperlichen Verletzungen haben eine psychische Komponente, die hier auf dem Kongress aus ihrem Schattendasein geholt wird."

Seelische Verwundungen sind nicht sichtbar
Darüber sprach ein Opfer des Anschlags auf einen Bundeswehrbus aus dem Jahr 2003. Er zeigte Bilder seiner schweren Verletzungen. Nicht jeder Zuhörer im Saal konnte das ertragen, einigen kamen Tränen, andere verließen den Raum. Der damalige Stabsunteroffizier berichtete von seiner langwierigen Genesung und seinem heutigen Leben. Er ist inzwischen Beamter in der Bundeswehrverwaltung. Doch auch er leidet an der Seele. Er meidet große Menschenansammlungen und fährt mit keinem öffentlichen Verkehrsmittel. Immerhin habe er keinerlei Schwierigkeiten bei der Anerkennung seiner Verletzungen gehabt, weil sie deutlich sichtbar waren. Da hätten es die rein seelisch Verwundeten schwerer.

Bundeswehr kann helfen, wenn sie von PTBS-Erkrankungen erfährt
Darüber sprachen in Vorträgen Vertreter der Bundeswehr. So zum Beispiel der Beauftragte für PTBS im Bundesministerium der Verteidigung, Brigadegeneral Klaus von Heimendahl, oder der zuständige Personalsachbearbeiter beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, Stabshauptmann Michael Heilmann. Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus, war angereist um zu berichten, wie sich die Unterstützung für Verwundete in der Bundeswehr weiterentwickelt hat. Königshaus sagte: "Trotz aller Hilfen sind unsere Institutionen noch nicht optimal aufgestellt. So haben wir den von mir geforderten Veteranenausweis noch nicht hinbekommen, der es einem ehemaligen Einsatzsoldaten erleichtern soll, sich Hilfe zu holen. Bei den posttraumatischen Belastungsstörungen gehen wir von einer Dunkelziffer von etwa 80 Prozent aus, die erst nach Jahren zu einem Krankheitsbild führen können." Darum gab es am Rande des Kongresses zahlreiche Diskussionen, denn gerade Reservisten gehören zu dieser Personengruppe. Ihnen könne jedoch auch geholfen werden, so die Fachleute in aufmunternden Beiträgen. "Voraussetzung ist, dass sie sich melden oder wir über Betreuer oder Lotsen davon erfahren", so Stabshauptmann Michael Heilmann.

Reservistenverband kümmert sich
Um Betroffenen helfen zu können, hat der Reservistenverband in allen Landesgruppen Beauftragte für die Psycho-Soziale Kameradenhilfe installiert, die für PTBS-Erkrankte, aber auch für alle anderen ehemaligen Soldaten da sind, die unter Einsatzfolgen leiden. Acht dieser Beauftragten waren ebenfalls beim Kongress. Eine davon ist Christiane Müller. Sie hat gar die zweitägige Veranstaltung organisiert. Die Berufssoldatin engagiert sich beim Reservistenverband ehrenamtlich im Bereich der sogenannten Psycho-Sozialen Kameradenhilfe aus vollster Überzeugung. Sie sagt: "Wir haben als Verband einen parlamentarischen Auftrag, uns um solche wichtigen Netzwerke zu kümmern."

Kongress findet alle zwei Jahre statt
Einer der in diesem Feld immer wichtiger werdenden Netzwerker ist der Teilnehmer Jürgen Pfarre aus Hamburg. Der Oberstabsbootsmann der Reserve informierte sich über neue Erkenntnisse. Er sagt: "Vor allem neue Vorgehensweisen in der Betreuung sind für mich interessant, die ich dann in Gesprächen mit Kameraden weitergeben werde." Ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer wäre der Kongress für die Landesgruppe jedoch nicht zu stemmen, denn sie hat nur zwei hauptamtliche Mitarbeiter. Landesvorsitzender Oberstleutnant der Reserve Ramon-Stefan Schmidt sagt: "Darum ist uns zum Beispiel eine jährliche Organisation nicht möglich. Ein zweijähriger Zyklus ist deshalb akzeptabel. Wir machen das gerne, denn ich sehe uns als Partner der Bundeswehr." Helferin Stabsunteroffizier Melanie Studzinski aus Hamburg hat drei Tage ihrer Freizeit geopfert, um mitzuhelfen den Kongress zum Erfolg zu führen. Ihr Fazit: "Es ist eine supergute Veranstaltung, die den Menschen hilft. Deshalb macht mir der Einsatz hier auch sehr viel Freude."


Detlef Struckhof

Bild oben: Dackel Lappes brachte die Teilnehmer des
2. PTBS-Kongresses in Hamburg zum Lachen
(Foto: Detlef Struckhof).

2. Bild: Oberfeldveterinär Dr. Christiane Ernst hatte ihren
Dackel Lappes mit zu ihrem Vortrag über Hundebegleittherapie
bei PTBS gebracht (Foto: Detlef Struckhof).

3. Bild: Austausch am Rande der Vorträge über die Sorgen
und Nöte von Reservisten und an PTBS erkrankten Soldaten:
Vorsitzender der Landesgruppe Hamburg des Reservistenverbandes,
Ramon-Stefan Schmidt, und der Wehrbeauftragte des
Deutschen Bundestages, Hellmut Könighaus
(Foto: Karsten Bebensee).

4. Bild: Der Beauftragte für PTBS im Bundesministerium
der Verteidigung, Brigadegeneral Klaus von Heimendahl,
spricht zu den Teilnehmern des 2. PTBS-Kongresses in einem
Hörsaal der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg
(Foto: Detlef Struckhof).

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