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Reservisten feiern D-Day in der Normandie

Das Unternehmen Overlord, die Landung der Alliierten in der Normandie, gehört zu den bekanntesten Operationen des Zweiten Weltkriegs. 2019 jährte sich der D-Day zum 75. Mal. Grund genug für die Reservedienstleistenden des Panzergrenadierbataillons 909 zu einer militärhistorisch-taktischen Weiterbildung in die Normandie zu fahren.

Während der militärhistorischen Exkursion in der Normandie gedenken die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 909 der Opfer und Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in Gourbesville (Foto: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Die 25 Exkursionsteilnehmer waren in der auf der Halbinsel Cotentin gelegenen Stadt Bricquebec untergebracht. Dort wurde das Kloster Notre-Dame de Grâce, das von Trappistenmönchen bewohnt und bewirtschaftet wird, zur kurzzeitigen Heimat der Reservisten.

Die Exkursion begann mit einem militärhistorischen Unterricht. Oberstleutnant außer Dienst Joachim Schmidt, Militärhistoriker am Zentrum für Innere Führung in Koblenz, führte in den historischen Kontext des Unternehmens Overlord ein. Dabei ging er auf die operations- und technikgeschichtlichen Hintergründe der Schlacht in der Normandie ein.

Am Landungsabschnitt Utah Beach erläutert Oberstleutnant außer Dienst Joachim Schmidt (M., Rückenansicht) die Ereignisse am D-Day (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Historische Strandabschnitte besichtigt

Zunächst besichtigten die Teilnehmer den Nachbau der Brücke von Bénouville, die in Anlehnung an die Abzeichen der britischen 6. Fallschirmjägerdivision den Namen Pegasus-Bridge erhielt. Die Eroberung der Brücke war eine beeindruckende militärische Leistung der britischen Luftlandesoldaten unter Major John Howard. Schmidt beschrieb detailliert die Vorgänge, die sich in den frühen Morgenstunden des 6. Juni an der Brücke ereigneten. Er ordnete den Einsatz der Fallschirmjäger auch in die gesamtstrategischen Planungen der Operation Overlord ein.

Anschließend erkundeten die Reservisten die Batterie von Merville, eine Geschützstellung, die während des Zweiten Weltkrieges Teil des deutschen Atlantikwalls war. Sie besichtigten weitere Stellungen, zum Beispiel die Azeville-Batterie, die Batterie bei Longues-sur-Mer und die Marcouf-Batterie. Verantwortlich für den Bau der massiven Anlagen des Atlantikwalls war die Organisation Todt. Diese Organisation ließ Zivilisten, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten.

Beförderung an einem ungewöhnlichen Ort

In Arromanches-les-Bains besichtigten die Reservisten die künstlichen Häfen, über die die Alliierten den Nachschub organisierten. Vor allem Teilnehmer Lars Fuhrmann dürfte den Aufenthalt in Arromanches in sehr guter Erinnerung behalten. Vor den Augen zahlreicher französischer Badegäste und Touristen beförderte ihn der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant der Reserve Winfried Weber, am Strand zum Oberstabsgefreiten. Selbst für den Kommandeur, der bereits zahlreiche Beförderungen vorgenommen hatte, war dies ein einzigartiges Ereignis.

Am nächsten Tag erkundeten die Reservisten die Steilküste Pointe du Hoc und den Strandabschnitt Omaha Beach. Imposant und bedrückend zugleich war die Kraterlandschaft am Pointe du Hoc. Beim Anblick der Granattrichter, welche die Landschaft durchziehen, konnten die Reservisten des Panzergrenadierbataillons 909 nachempfinden, wie mörderisch und wahnsinnig dieser Krieg gewesen sein muss.

Am Omaha Beach, an dem die Amerikaner nach Schätzungen von Historikern etwa 4.200 Soldaten verloren, kam es zu einer denkwürdigen Begegnung mit US-amerikanischen Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Die Reservisten des Panzergrenadierbataillons 909 halfen den über 90-jährigen betagten Veteranen hinunter zu dem Strand, an dem im Juni 1944 viele ihrer Kameraden gestorben waren. Wohl kein Bild dokumentiert und symbolisiert die generationenübergreifende Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg so sehr wie dieses.

Eine der nächsten Stationen war das Widerstandsnest 62. So heißt der Strandabschnitt, an dem der Wehrmachtsgefreite Heinrich Severloh als Maschinengewehrschütze am 6. Juni 1944 um sein Leben kämpfte. Er verarbeitete die Geschehnisse am D-Day später in seinem autobiografischen Buch „WN 62 – Erinnerungen an Omaha Beach“.

Die Reservisten des Panzergrenadierbataillons 909 zeigen ihre Truppenfahne bei der Gedenkveranstaltung in Amfreville (Quelle: Bundeswehr/Wilhelm Pohlmann)

Gemeinsames Gedenken mit Franzosen und Amerikanern

Der 5. Juni 2019 war für die Reservisten ein fordernder Tag, da sie an drei Gedenkveranstaltungen in Gourbesville, Amfreville sowie La Cambe teilnahmen. Um noch einmal sämtliche Abläufe einzuüben, stand für die Kameraden am Vorabend eine Ausbildung im Exerzieren auf dem Dienstplan. Dies war notwendig, damit in der Öffentlichkeit ein akkurates und repräsentatives Bild der Truppe gezeigt werden konnte.

Für das Panzergrenadierbataillon 909 waren die Einladungen zu den beiden Gedenkveranstaltungen in Gourbesville und Amfreville etwas Besonderes, denn es nahm als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland mit eigener Truppenfahne daran teil. Gemeinsam mit Amerikanern und Franzosen gedachten die Reservisten der Befreiung der Normandie von der deutschen Besatzung.

Höhepunkt des Tages war die zentrale Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius, der deutsche Botschafter, Nikolaus Meyer-Landrut, und der deutsche Verteidigungsattaché in Frankreich, Brigadegeneral Werner Albl, nahmen an der Veranstaltung teil. Sie begrüßten die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 909 und unterhielten sich kurz mit den Soldaten.

Panzergrenadierbataillon 909 macht guten Eindruck bei Gastgebern

„Es war eine unvergessliche und facettenreiche Wehrübung“, sind sich die Exkursionsteilnehmer einig. Die Reservisten nahmen viele unterschiedliche Eindrücke aus der Normandie mit nach Hause. Die Befähigung der Soldaten zur kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist eines der Kernziele der politischen Bildung. Zweifelsohne hat diese Reservedienstleistung maßgeblich dazu beigetragen.

„Wir wurden von unseren französischen Gastgebern und amerikanischen Verbündeten stets und überall als Freunde herzlich willkommen geheißen. Dass wir erkennbar als Soldaten und als Vertreter des Deutschen Heeres 75 Jahre nach Kriegsende mit ihnen gemeinsam im Gedenken vereint die Toten ehren durften, war ein höchst erfüllender Moment für mich als Soldat und Reservist der Bundeswehr. Das Ergebnis der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit unserer Nationen in den vergangenen Jahrzehnten sind Momente, die meine Soldaten und ich nie vergessen werden“, sagte Oberstleutnant der Reserve Winfried Weber, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 909.

Im September 2019 wird das Panzergrenadierbataillon 909 die infanteristische Ausbildung wieder in den Vordergrund stellen und seine Truppenwehrübung auf dem Truppenübungsplatz Bergen absolvieren.

Die Reservisten nehmen an der Gedenkveranstaltung auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Chambe teil. Dort ruhen 21.000 deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind (Quelle: Bundeswehr/Rainer Hellberg)

Das Panzergrenadierbataillon 909 sucht engagierte Reservistinnen und Reservisten

Als Ergänzungstruppenteil Typ 2 (Heer) ist das Panzergrenadierbataillon 909, das sich fast ausschließlich aus Reservisten zusammensetzt, auf Reservistinnen und Reservisten angewiesen. Da noch immer zahlreiche Dienstposten unbesetzt sind, sucht das Panzergrenadierbataillon 909 noch engagierte und leistungsbereite Reservisten, die Interesse an einer Beorderung haben. Gesucht werden vor allem Portepeeunteroffiziere (Zug- und Gruppenführer) und Mannschaften, die idealerweise über eine truppengattungsspezifische Ausbildung (Ausbildungs- und Tätigkeitsnummer Panzergrenadier) verfügen. Aber auch für Offiziere existieren noch zahlreiche Beorderungsmöglichkeiten (Kompaniechef, Kompanieeinsatzoffizier, Zugführer)

Interessenten können sich an den Kaderfeldwebel des Panzergrenadierbataillons 909 wenden.

Telefon: (03735) 917 2140, Fax: (03735) 917 2190

E-Mail: PzGrenBtl909@bundeswehr.org

http://www.deutschesheer.de

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