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Reservisten unterstützen als „Corona-Hunter“ im Testzentrum




Abstrich, Auswertung, Schreibarbeit: 20 Personen sind für einen reibungslosen Ablauf im Testzentrum nötig. Die Reservisten helfen gerne.

Foto: privat

coronaviruscovid-19

Ein Anruf genügte. Ralph Gerster wusste, er kann sich auf die Vereine in seiner Gemeinde verlassen. Der Bürgermeister der Kommune Herdwangen-Schönach bat darum, Helfer für den Betrieb eines Coronavirus-Testzentrums zu organisieren. Auch bei der Reservistenkameradschaft (RK) Oberer Linzgau rief Gerster an. Den RK-Vorsitzenden Roland Pudimat brauchte der Bürgermeister der Gemeinde nicht lang überzeugen. Der Stabsunteroffizier sicherte die Unterstützung sofort zu. „Kein Thema, wenn wir helfen können, machen wir das“, sagte Pudimat. Seit etwa einem Monat helfen nun zehn Reservisten der RK Oberer Linzgau beim Betrieb des kommunalen Testzentrums in Pfullendorf.

Die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung hatten Anfang März während einer ihrer Konferenzen festgehalten, dass regelmäßige Corona-Tests ein wichtiger Baustein seien, um mehr Normalität und sichere Kontakte zu ermöglichen. Nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz hieß es, man brauche kommunale Testzentren, um den Bürgerinnen und Bürgern, die sich freiwillig testen lassen möchten, einen kostenlosen Corona-Test pro Woche ermöglichen zu können. Die Gemeinde Herdwangen-Schönach stand dann vor der Frage, ob sie selbst Tests anbietet oder es im Verbund mit den Nachbargemeinden macht. „Wir haben uns dazu entscheiden, mit der Gemeinde Wald und der Stadt Pfullendorf zusammenzuarbeiten, um ein breiteres Testangebot als nur für einen oder zwei Tage in der Woche zur Verfügung stellen zu können“, erläuterte Ralph Gerster.

Seite an Seite mit zivilen Organisationen

So richtete die Stadt Pfullendorf im Seepark ein Testzentrum ein. Die Stadt kümmert sich darüber hinaus um Material, Logistik und Organisatorisches, koordiniert zum Beispiel den Einsatz der Helferinnen und Helfer. Diese kommen nämlich zu einem großen Teil aus den Gemeinden Herdwangen-Schönach und Wald, die Personal für den Betrieb des Testzentrums bereitstellen. Im Seepark arbeiten seit dem 16. März somit Reservisten der Reservistenkameradschaft Oberer Linzgau mit Helferinnen und Helfern der Freiwilligen Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Malteser Hilfsdienstes zusammen.

Von 18 Uhr bis 19.30 Uhr montags bis sonntags können sich die Bürgerinnen und Bürger im kommunalen Testzentrum freiwillig einem Schnelltest unterziehen. Das Ganze ist als Drive-In im Seepark aufgebaut. Das heißt, die Personen, die das Angebot in Anspruch nehmen, bleiben im Auto, während ein Rachen- oder Nasenabstrich genommen wird. Die Getesteten fahren gleich nach Hause. Wenn sie nach 60 Minuten nichts hören, ist alles in Ordnung. Positiv Getestete werden sofort informiert, wenn der Test nach bis zu 15 Minuten ausgewertet ist. „Es kommen pro Tag 160 bis 180 Leute, die getestet werden wollen“, berichtet Roland Pudimat.

Im Stile der Ghostbusters helfen die „Corona-Hunter“ im Testzentrum aus. (Foto: privat)

Damit die Helferinnen und Helfer reibungslos Abstriche nehmen können, treffen sie sich eine Stunde vor der Öffnung des Testzentrums. 20 Personen sind notwendig, den Betrieb des Testzentrum sicherzustellen. Zu Beginn lassen sie sich selbst durchtesten. Dann kann es losgehen. Reservisten, Feuerwehr, Malteser Hilfsdienst und DRK arbeiten Hand in Hand. Einige nehmen Abstriche, die Reservisten werten die Tests im Labor aus und andere protokollieren die Ergebnisse. Die Feuerwehr regelt den Verkehr zum und im Drive-In. Das Medizinische übernimmt meistens Personal des DRK und der Malteser. Aber auch die Reservisten sind mit drei ausgebildeten Sanitätern vor Ort und nehmen Abstriche. „Die Zusammenarbeit läuft harmonisch“, berichtet Ralph Gerster.

Für Roland Pudimat ist das Engagement im Testzentrum gelebte Zivil-Militärische Zusammenarbeit. „Wir reden miteinander und helfen uns gegenseitig. Das ist wirklich eine tolle Sache“, sagt der Stabsunteroffizier d.R. und fügt hinzu, dass die Zusammenarbeit mit den Rettungsorganisationen ohnehin eng sei. Die RK Oberer Linzgau unterstützt den Ortsverband des Technischen Hilfswerks oder die Rettungshundestaffel regelmäßig bei deren Übungen. Bei vergangenen Ausbildungen spielten die Reservisten Opfer, die gesucht werden mussten. „Wir haben uns im Wald eingebuddelt und die Hunde haben uns gesucht. Näher an der Realität kann man nicht üben“, sagt Roland Pudimat. Die Hilfe im Testzentrum sei für ihn selbstverständlich. „Es macht ja auch Spaß“, fügt er hinzu. Für die Kameraden war es endlich seit mehreren Monaten pandemiebedingter Pause eine Gelegenheit, sich zu treffen und etwas gemeinsam etwas zu unternehmen.

Uniform nur bei Heranziehung

Am liebsten würden die Reservisten der RK Oberer Linzgau bei ihrem Engagement im Testzentrum ihre Uniform tragen, eben wie Feuerwehr, DRK und Malteser auch. Allerdings hat das Landeskommando Baden-Württemberg die von Roland Pudimat beantragte Uniformtrageerlaubnis verwehrt. Ein Blick in die Verordnung über die Berechtigung zum Tragen der Uniform außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses zeigt: Gemäß Paragraph 4 darf die Genehmigung zum Tragen der Uniform bei der Ausübung eines Ehrenamtes nicht gewährt werden. Zudem müssten die Reservisten in ein Wehrdienstverhältnis gesetzt, also herangezogen werden. Die Bundeswehr kann aber nur zur Amtshilfe herangezogen werden, wenn es einen entsprechenden Hilfeantrag seitens des zuständigen Landkreises gibt. Den gibt es bislang nicht.

Zwar dürfen Reservisten im Reservistenverband während Verbandsveranstaltungen Uniform tragen – die Uniformtrageerlaubnis wird dafür immer anlassbezogen von der nächsthöheren Verbandsebene gewährt. Voraussetzung ist aber, dass es sich um Veranstaltungen handeln muss, die vom Reservistenverband organisiert, durchgeführt und mit entsprechend in der verbandseigenen Veranstaltungsdatenbank vermerkt werden. Ob ehrenamtliche Hilfe wie die der RK Oberer Linzgau im Testzentrum unter diese Kategorie fällt, ist rein rechtlich fraglich. In der Sache wolle er die Entscheidung des Landeskommandos nicht umgehen, obwohl er sich auch einen positiven Bescheid für die Kameraden der RK Oberer Linzgau gewünscht hätte, sagt Oberstleutnant d.R. Joachim Fallert, Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg. Schön wäre es trotzdem, wenn das Landeskommando ein Auge zudrücken würde und den Reservisten erlauben würde, die Uniform zu tragen. Die 2019 abgeschaffte Kennzeichnungspflicht für Reservistinnen und Reservisten erschwert dies zusätzlich.

Einheitliches Auftreten in Fleecejacken

Die verwehrte Uniformtrageerlaubnis versuchen die Reservisten mit Humor und professionellem Auftreten wettzumachen. Um einheitlich und sichtbar aufzutreten, tragen die Reservisten im Testzentrum Fleece-Jacken mit einem Wappen, das an die Ghostbusters erinnert. „Wir nennen uns Corona-Hunter“, sagt Roland Pudimat. Für ihn zählt letzten Endes: Das Vereinsleben in der Gemeinde funktioniert. Man hilft sich gegenseitig, wo man kann. Das ist auch für Bürgermeister Ralph Gester maßgeblich: „Ich möchte ein Dankeschön an die Reservisten, die Feuerwehr, die Nachbarschaftshilfe, DRK und Malteser und wer sonst noch an dem Projekt mitarbeitet, aussprechen. Es zeigt, wie gut diese Gesellschaft mit dem Ehrenamt funktionieren kann und was wir mit dem Ehrenamt in der Lage sind, zu leisten.“

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