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Reservisten wehren sich gegen ARD




Eine Welle der Empörung schlägt der ARD entgegen. Nach der Bekanntgabe, ab Freitag nicht mehr nach Afghanistan senden zu wollen, protestieren nicht nur Reservisten. Auf Facebook gibt es Kommentare, die klarer nicht sein können: "Armselige ARD", "Geld einkassieren und dann nicht liefern wollen".

Facebook-Nutzer Thomas Maass bringt es auf den entscheidenden Punkt: "Stelle mir grade vor, wie das wäre, wenn die CNN den US-Soldaten den (Sende)-Hahn zudrehen würde." Und genau das ist der Grund für den Reservistenverband, für die Soldaten im Einsatz zu protestieren. "Wir brauchen eine neue Umgangskultur mit unseren Einsatzsoldaten in Deutschland. In anderen Ländern wäre so etwas nicht möglich. Dort gäbe es einen Aufschrei von allen Seiten", sagt Gerd Höfer, Präsident des Reservistenverbandes. Er selbst schreibt jetzt den Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, an.

Sonntag beim Halbmarathon-Lauf: Reservisten sammeln Unterschriften
Inzwischen formiert sich der Protest an der Basis. Am Sonntag wird die Landesgruppe Berlin Unterschriften gegen die ARD-Entscheidung sammeln. Beim Berliner Halbmarathon-Lauf werben die Reservisten für Solidarität. Um auf die traumatisierten Soldaten aufmerksam zu machen, die krank aus dem Einsatz kommen, werden dort T-Shirts zur PTBS-Problematik verteilt. "Jetzt werden wir an unseren Informationsständen Unterschriften sammeln und die Thematik auch bei unserer Benefiz-Veranstaltung ansprechen. Dort haben sich viele Prominente angekündigt", sagt Karsten Ahrens, Landesgeschäftsführer des Reservistenverbandes in Berlin.

Soldaten in Afghanistan verstehen Welt nicht mehr
Auch die Betroffenen – die Einsatzsoldaten – sind erzürnt. Die meisten wollen jedoch nichts öffentlich sagen – so sind sie ausgebildet: Sie sollen sich öffentlich zurückhalten. Immerhin: Brigadegeneral Jürgen Knappe, der gerade in Afghanistan war, sagt es diplomatisch klar: "Es wäre bedauerlich, wenn dieses Element der Verbindung zur Heimat verloren ginge." Damit spricht er seinen Soldaten aus dem Herzen, die die Welt nicht mehr verstehen. Sie riskieren täglich ihr Leben, aber 32.000 Euro im Monat für die Satellitenübertragung ist das der ARD nicht wert – ein Betrag, der bei rund 5,3 Milliarden Euro pro Jahr an ARD-GEZ-Gebühren-Anteil kaum ins Gewicht fallen dürfen. Jeder Werbespot von ein paar Sekunden bringt den Sendern einen größeren Erlös.

Der Reservistenverband setzt jetzt als Sofortmaßnahme zwei Zeichen des Protests: „Wir werden solange keine TV-Tipps für ARD-Sendungen mehr auf unserer Homepage bringen, bis die ARD ihre unmögliche Entscheidung revidiert hat", sagt Verbandspräsident Gerd Höfer, "außerdem ziert ein Symbolbild unseres Protestes das Kalenderblatt des Verbandes für den Monat April."


(dest)

Wehret den Anfängen

Ein Kommentar von Detlef Struckhof

Die Wehrpflicht war bisher der Garant dafür, dass es einen stetigen Austausch zwischen Bevölkerung und Truppe gibt. Quasi jede Familie hatte so irgendwann einmal mit der Bundeswehr Kontakt, gewann einen Einblick in den Alltag der Bundeswehr. Seit keine Grundwehrdienstleistenden mehr eingezogen werden, geht diese Bindung nach für nach verloren. Und erste Zeichen sind zu erkennen. Inzwischen mehren sich Rufe nach "bundeswehrfreien Schulen". Immer mehr Leute sagen: "Die verletzten Soldaten sind selbst schuld. Sie gehen doch freiwillig nach Afghanistan!"

Und jetzt zieht sich gar ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender von seinem Auftrag zurück und will die 5.000 GEZ-Gebührenzahler, die immerhin rund eine Million Euro pro Jahr Zwangsbeitrag bezahlen, von den Sendungen aus der Heimat abklemmen. Und da dies zum zweiten Mal geschieht, muss man schon böse Absicht unterstellen. Beim ersten Mal ging das noch als Versehen durch. Jetzt nicht mehr. Die Reservisten sind sauer – stellvertretend für ihre aktiven Kameraden und stellvertretend für die rund 400 Reservisten-Kameraden, die in Afghanistan Seite an Seite mit den aktiven Soldaten für die Freiheit eines bisher unterdrückten Volkes kämpfen. Sie tun was für ihr Land! Das darf keine Einbahnstraße sein. Wehret den Anfängen von Gleichgültigkeit. Jetzt!


Der Autor ist der verantwortliche
Online-Redakteur des Reservistenverbandes

Bilder 1 und 2: Reservisten in Berlin unterschreiben
als erste auf einer Unterschriftenliste des
Reservistenverbandes, um ihren Protest gegen die
ARD-Entscheidung zu bekunden
(Fotos: Landesgruppe Berlin des VdRBw)

Bild 3: Diese Fotomontage ziert das Kalenderblatt des
Verbandes im Monat April
(Montage: Sören Peters,
Fotos: Bundeswehr / flickr.com /
VdRBw)

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