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Reservistenmusikzüge: Im Gleichschritt ohne Missklänge




Zum traditionellen Jahrestreffen der Reservistenmusikzüge (RMZ) kamen am vergangenen Wochenende 40 Teilnehmer aus dem ganzen Land in der Andreas-Hermes-Akademie im nordrhein-westfälischen Röttgen bei Bonn zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und im Gespräch mit hochrangigen Vertretern der aktiven Truppe und der Verbandsführung über Probleme der Reservistenmusik und Lösungsansätze zu sprechen.

Mit den RMZ-Vertretern aus 13 der insgesamt 18 Musikzügen im Verband diskutierten die Vizepräsidenten Jörg Furch (Verbandsarbeit) und Michael Sauer (Öffentlichkeitsarbeit), Oberst Joachim Sanden (Inspizient der Bundeswehr für die freiwillige Reservistenarbeit) und Oberstleutnant Christoph Scheibling (Stellvertretender Leiter des Zentrums Militärmusik der Bundeswehr). Im Wesentlichen ging es um die Optimierung der ehrenamtlichen Arbeit auch im Zusammenspiel mit der aktiven Truppe. Denn die Reservistenmusikzüge sind für die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes ein wichtiger Faktor. "Sie schaffen", so Michael Sauer, "mit ihrer Musik die Atmosphäre, die den Reservisten draußen die dringend notwendige Mitgliederwerbung erleichtert".

Bundeswehr wird Anzahl ihrer Musikkorps reduzieren
Oberstleutnant Scheibling informierte am Freitagabend über die zu erwartenden weitreichenden Änderungen im Militärmusikdienst, die mit der laufenden Strukturreform der Bundeswehr zusammenhängen. Künftig sind alle Musikeinheiten der Bundeswehr der Streitkräftebasis zugeordnet und werden fachlich wie truppendienstlich durch das Zentrum Militärmusik der Bundeswehr in Bonn geführt. Die genaue Anzahl und Dislozierung der Musikkorps sind derzeit noch offen. Dass aber nicht alle Musikkorps der Bundeswehr bestehen bleiben, liegt auf der Hand. Und das bedeutet: Die Reservisten müssen sich auf Änderungen bei den Couleurverhältnissen – so etwas wie Patenschaften der aktiven Musikkorps für Reservistenmusikzüge – einstellen. Möglicherweise werden künftig mehrere Reservistenmusikzüge einem Musikkorps der Bundeswehr zugeordnet.

Neues Konzept: Führung der Musikzüge aus einer Hand
Wichtiger für die praktische Arbeit der RMZ und ihre musikalische Qualität ist jedoch die künftig zentrale Führung der Musikkorps aus einer Hand. Sie wird die Förderung der RMZ durch die aktive Truppe erheblich erleichtern. Im Rahmen erster grundsätzlicher Überlegungen hierzu hat der Leiter des Militärmusikdienstes in Abstimmung mit dem Inspizient für Reservistenarbeit sowie dem Reservistenverband einen Entwurf für das zukünftige Konzept erarbeitet. Als Kernbotschaften hieraus kristallisieren sich Verbesserungen in den Bereichen musikfachliche Weiterbildung, Attraktivität und Kommunikation heraus. Vermehrte zentrale wie dezentrale Weiterbildungen, Einrichtung fester Ansprechpartner und Schnittstellen, eine regelmäßigere, intensivere Kommunikation sowie gezielte Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität sind die wichtigsten Bausteine des neuen Konzepts.

Bundeswehr will Reservistenmusik weiterhin unterstützen
Als aufmerksamer Beobachter verfolgte der Inspizient für die beorderungsunabhängige freiwillige Reservistenarbeit, Oberst Joachim Sanden, den Erfahrungs- und Meinungsaustausch in Röttgen. Der Inspizient dankte den Anwesenden stellvertretend für alle Musiker aus Reservistenmusikzügen, für ihr großes Engagement und versprach: "Die Bundeswehr ist bestrebt, Sie auch weiterhin zu unterstützen. Dazu ist beabsichtigt, im Zusammenhang mit der neuen Konzeption der Reserve, auch ein Paket an Umsetzungsmaßnahmen zu entwickeln, in dem wir hoffentlich auch zu weiteren positiven Lösungen für unsere Reservistenmusikzüge kommen werden.

Rahmenbedingungen für Reservisten sollen verbessert werden
Bei einer ganzen Reihe von Punkten, die den musizierenden Reservisten Sorgen bereiten, stehen die Aussichten auf eine Verbesserung gut: Gesprochen wird darüber, dass Reservisten künftig auch ohne eine Beorderung befördert werden können. Auch Verfahren für Einberufungen oder die Heranziehung zu einer sogenannten Dienstlichen Veranstaltung (DVag) sollen vereinfacht werden. Dies alles könnte dann auch der Nachwuchsgewinnung für die Musikzüge dienlich sein. Denn daran hapert es von Nord bis Süd. Um alle notwendigen Stimmen zu besetzen, müssen die Musikzüge immer öfter auf ungediente Musiker zurückgreifen. Das führt zu Problemen beim einheitlichen Auftritt. Zu Dienstlichen Veranstaltungen mit Kostenerstattung können nur Reservisten einberufen werden. Dabei scheiden auch nach der Beendigung der Wehrpflicht regelmäßig Soldaten aus den Musikkorps aus, die das Überleben der RMZ sichern könnten, wenn sie sich denn zur Verfügung stellten. Die von Scheibling angesprochenen Verbesserungen bei der Kommunikation sollten aber auch hier Probleme aus dem Weg räumen.

Auch Militärmusiker sind Soldaten
Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass ungediente Musiker als Gäste einen RMZ verstärken. Scheibling stellte aber das Selbstverständnis der Militärmusiker unmissverständlich klar: Sie sind nicht in Uniform gesteckte Musiker sondern Soldaten, die Militärmusik machen, und dies auch – zum Beispiel bei Einsätzen in Kabul – unter Gefahr für Leib und Leben.

Neue Werbemittel
Auch seitens des Verbandes steht nun Arbeit an. Der Reservistenmusik-Flyer als Werbemittel wird auf einen aktuellen Stand gebracht. Eine Internetpräsenz der Musikzüge solle zeitnah erstellt werden. Einige Musikzüge haben bereits ihren eigenen Internetauftritt. Nun geht es aber um den öffentlichkeitswirksamen Auftritt aller RMZ im Rahmen der Internetpräsenz des Verbandes.

Unterschiedliche Grundvoraussetzungen
Vizepräsident Jörg Furch fasste das Ergebnis von Röttgen so zusammen: "Sie fühlen sich fast alle in ihren Landesgruppen gut aufgehoben. Die Unterstützung seitens der Landesgruppen auch in finanzieller Hinsicht ist allerdings recht unterschiedlich. Personell starke Reservistenmusikzüge wie zum Beispiel das Marineorchester Hamburg können eine Spielstärke von bis zu 68 Musikern stellen. Hier müsste bei der finanziellen Förderung eventuell künftig differenziert werden."

Ungediente könnten Info-Wehrübung machen – wären dann Reservisten
Sowohl in Furchs Vortrag über die Entwicklung des Verbandes als auch im Statement von Oberst Sanden wurde deutlich, dass es nach der anstehenden Reform der Bundeswehr nicht ohne Reservisten gehen wird. Sie seien für den Erhalt der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr wichtiger denn je. Vizepräsident Furch stellte aber auch fest: "Es gibt ein Manko in allen Aussagen: Es muss eine Möglichkeit gefunden werden, dass auch Ungediente im Reservistenmusikzug in Uniform spielen können. Eine Anregung von mir: Ungediente werden zu einer kurzzeitigen Info-Wehrübung – zum Beispiel gar bei einem Musikkorps der Bundeswehr – einberufen, erhalten damit den Reservistenstatus und können dann Uniform tragen".

Nächstes Treffen mit Musikern
Eine praktische Idee wurde in Röttgen geboren: Beim nächsten Treffen sollen nicht nur Leiter und Dirigenten eingeladen werden, sondern auch die Musiker. Ein gemeinsames Musizieren, eventuell mit einem Auftritt vor Publikum, könnte den Korpsgeist fördern und gleichzeitig für die Reservistenmusik wirksam werben.


(red)

Symbolbild oben: Der Reservistenmusikzug Hamburg spielt beim
Tag der Reservisten 2010 in Wismar. Die Musikzüge sind
ein wichtiges Mittel der Öffentlichkeitsarbeit des Reservistenverbandes
(Foto: Michael Sauer)

Bild Mitte: Oberst Joachim Sanden, Inspizient der Bundeswehr
für die freiwillige Reservistenarbeit, trägt seine
Sicht der Dinge vor (Foto: Michael Sauer)

Bild unten: Die Teilnehmer des Treffens in Röttgen
(Foto: Tanja Saeedi)

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